November 18, 2019 / 7:21 AM / 20 days ago

Afrika-Verein fordert mehr Bürgschaften für das Afrika-Geschäft

A German national flag is seen atop the Reichstag building, the seat of the German lower house of parliament Bundestag, in Berlin, November 2, 2014. REUTERS/Fabrizio Bensch (GERMANY - Tags: SOCIETY POLITICS)

- von Andreas Rinke

Berlin (Reuters) - Kurz vor der großen Afrika-Konferenz am Dienstag in Berlin fordert die deutsche Wirtschaft weitere Hilfen der Bundesregierung.

Die Investitionen deutscher Firmen bewegten sich zwar auf Rekordniveau, sagte Stefan Liebing, Präsident des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft, in einem am Sonntag veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. “Aber wir wollen mehr privates Kapital mobilisieren, um auch größere Projekte realisieren zu können.” Dazu seien staatliche Bürgschaften nötig, appellierte Liebing an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Nur so könnten Banken dazu bewegt werden, Vorhaben zu finanzieren, die sie als Hochrisikoländer einstufen.

Liebing hob hervor, dass ein Versprechen der Bundesregierung mit der Einrichtung des Entwicklungs-Investitionsfonds nun umgesetzt sei. Mittelständler können dabei Kredite von bis zu vier Millionen Euro für neue Geschäfte in Afrika erhalten. “Innerhalb weniger Wochen gibt es weit mehr als 100 Bewerbungen. Und das bei einer Gesamtzahl von rund 1000 deutschen Firmen in Afrika”, sagte Liebing. “Damit ist eine wichtige Lücke geschlossen. Während Entwicklungsminister Müller also geliefert hat, ist im Wirtschaftsministerium noch deutlich Luft nach oben.”

Es sei gut, dass nach 2018 nun zum zweiten Mal eine große Afrika-Konferenz in Berlin stattfinde. Kanzlerin Angela Merkel empfängt am Dienstag die Präsidenten und Regierungschef von zwölf Staaten der sogenannten “Compact with Africa”-Initiative. Die Bundesregierung hatte diese Initiative in der deutschen G20-Präsidentschaft für Staaten gestartet, die sich zu Reformen verpflichten. “Solche Konferenzen gibt es bereits in Paris, Tokio, Peking oder Sotschi  – und nun zusätzlich in Berlin. Das ist das Neue: Wir kümmern uns nun genauso um Afrika wie das andere längst tun”, sagte Liebing. Hintergrund ist ein einsetzender Wettlauf etwa Chinas und Indiens um den Kontinent mit seiner stark wachsenden Bevölkerung.

Die deutsche Wirtschaft werde immer aktiver. “2018 war ein Rekordjahr für deutsche Investitionen”, sagte der Präsident des Afrika-Vereins. Er schätze die Neuinvestitionen deutscher Firmen in Afrika im vergangenen Jahr auf 1,5 Milliarden Euro - bei einem bisherigen Gesamtvolumens von rund zehn Milliarden Euro”. 2019 halte der Trend an, der Handel mit den afrikanischen Staaten habe im ersten Halbjahr um 8,5 Prozent zugelegt.

Auf der ebenfalls am Dienstag stattfindenden Investoren-Konferenz wolle man Pilotprojekte vorstellen – alles in allem mit einem Volumen von 900 Millionen bis eine Milliarde Euro. “Der Mittelständler soll sehen, was seine Kollegen in den afrikanischen Ländern schon heute machen”, sagte Liebing. Er verwies darauf, dass viele afrikanische Länder durch erschlossene Rohstoffvorkommen mehr Geld für Infrastrukturmaßnahmen zur Verfügung hätten.

Ein wichtiger Bereich seien dabei Investitionen in klimafreundliche Technologien. “Wir müssen verhindern, dass sich Afrika so entwickelt wie China oder Indien. Es gibt ein riesiges Vermeidungspotenzial im Bereich Klimaschutz”, sagte er mit Blick auf die stark steigenden CO2-Emissionen in den asiatischen Milliarden-Völkern. “Staatlich unterstütztes Engagement in Afrika ist wichtiger als in Deutschland noch eine dritte Glasscheibe einzubauen.” Liebing forderte neue Versicherungsmodelle, um etwa die Finanzierung von Solarparks in Afrika zu ermöglichen. Bisher sei die Kreditwürdigkeit der Stromabnehmer gering. “Man könnte aber mehrere Verträge aus afrikanischen Ländern bündeln und eine Versicherung gegen das Ausfallrisiko organisieren.”

Liebing schlug vor, dass die Bundesregierung die Zahl der Compact-Länder von derzeit einem Dutzend erweitern sollte. “Es ist schade, dass neue Instrumente der Zusammenarbeit etwa nicht für Länder wie Nigeria oder Angola greifen. Lassen Sie uns gern noch zehn weitere Staaten dazunehmen”, schlug er vor. Merkel hatte am Freitag gesagt, dass die Compact-Initiative grundsätzlich weiteren Ländern offen stehe.

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