Reuters logo
Air Berlin - Mehr als zehn Interessenten für Fluglinie
20. August 2017 / 11:10 / in einem Monat

Air Berlin - Mehr als zehn Interessenten für Fluglinie

German carrier Air Berlin aircrafts are pictured at Tegel airport in Berlin, Germany, June 14, 2017. REUTERS/Hannibal Hanschke

Frankfurt (Reuters) - Air Berlin soll möglichst schnell unter mehreren Bietern aufgeteilt werden.

“Wir haben mit mehr als zehn Interessenten gesprochen, darunter mit mehreren Fluglinien”, sagte Konzernchef Thomas Winkelmann der “Bild am Sonntag”. Namen nannte er nicht. Ein Komplettverkauf der insolventen Fluggesellschaft sei unwahrscheinlich: “Es wird nicht einen, sondern zwei oder drei Käufer geben.” Langstrecken, Geschäftsflüge und Urlaubsreisen seien zu unterschiedliche Bereiche.

Ins gleiche Horn stieß Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig (SPD). Man müsse zur Kenntnis nehmen, dass die Fluggesellschaft mehrere Partner brauche, um dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern eine längerfristige Perspektive bieten zu können. “Das Modell Air Berlin als eine eigenständige Airline ist ja gescheitert”, sagte Machnig am Samstag dem InfoRadio des rbb. Er erteilte damit dem vom Unternehmer Hans-Rudolf Wöhrl vorgeschlagenen Kompletterwerb eine Absage.

Wöhrl und Ryanair-Chef Michael O‘Leary hatten der Bundesregierung ein abgekartetes Spiel vorgeworfen, um das Gros von Air Berlin möglichst billig dem deutschen Marktführer Lufthansa zuzuschanzen. Machnig wies dies zurück: “Ich sage noch mal: Es wird keinen Zuschlag allein an Lufthansa geben.” Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte sich allerdings dafür ausgesprochen, dass die Lufthansa wesentliche Teile von Air Berlin übernimmt. “Wir brauchen einen deutschen Champion im internationalen Luftverkehr”, sagte Dobrindt vergangene Woche der “Rheinischen Post”.

Mit seinen Aussagen stieß Dobrindt auf scharfe Kritik von Lufthansa-Konkurrenten und Wettbewerbshütern. Es sei zwar zu begrüßen, wenn die Lufthansa durch einen guten Service zu attraktiven Preisen ihren Marktanteil in der internationalen Luftfahrt ausbauen würde, sagte der Vorsitzende der Monopolkommission, Achim Wambach, der “Welt am Sonntag”. “Es überzeugt aber nicht, wenn dies dadurch erfolgen sollte, dass auf Wettbewerb auf deutschen Flugstrecken verzichtet würde.”

DIE ZEIT DRÄNGT

Nach einem Bericht der “Bild am Sonntag” hat die Lufthansa den Insolvenzverwaltern ein Konzept vorgestellt, wonach die Airline bis zu 70 Flugzeuge übernehmen will - davon 12 bis 17 für die Langstrecke und 21 von der österreichischen Air-Berlin-Tochter Niki. Dazu kämen 2000 bis 3000 Mitarbeiter, vor allem Piloten und Flugbegleiter. Insider hatten der Nachrichtenagentur Reuters bereits vergangene Woche gesagt, dass die Lufthansa bis zu 90 der 140 Flugzeuge von Air Berlin übernehmen will, darunter 21 Flugzeuge von Niki. Air Berlin und Lufthansa haben Gespräche bestätigt, sich aber nicht zu Details geäußert. Der Marktführer hat bereits 38 Maschinen inklusive Crews von Air Berlin gemietet.

TUI wolle sechs bis sieben Maschinen, berichtete die “Bild am Sonntag”. Die TUI-Tochter TUIfly fliegt für Niki und hat Passagiere auf Air Berlin gebucht.

Bei den Verhandlungen über die Aufteilung von Air Berlin drängt die Zeit. “Wir wollen den Verkauf spätestens im September abschließen”, sagte Air-Berlin-Chef Winkelmann. “Sonst schwindet das Vertrauen der Kunden in die Airline.” Von der Buchungslage hängt ab, wie lange die Fluggesellschaft den Betrieb mit Hilfe des Staatskredits über 150 Millionen Euro aufrechterhalten kann. Auch aus insolvenzrechtlicher Sicht muss die Zukunft von Air Berlin spätestens bis Ende Oktober zumindest ansatzweise klar sein. Denn die Arbeitsagentur zahlt die Löhne der 7200 Mitarbeiter in Deutschland nur im vorläufigen Insolvenzverfahren, von August bis Oktober. Von November an müsste die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft die Personalkosten wieder selbst stemmen.

Sollte Air Berlin doch noch den Betrieb einstellen, würde die Betriebsgenehmigung erlöschen und die begehrten Start- und Landerechte (Slots) auf den Markt kommen. Dann müsste sie der Flughafenkoordinator der Bundesrepublik, Armin Obert, neu verteilen. “Dafür gibt es detaillierte EU-Regeln”, sagte Obert der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”. 50 Prozent würden zum Beispiel für Neubewerber reserviert. Das könnte zum Missfallen der Lufthansa unter anderem Ryanair etwa in Düsseldorf einen guten Zugang verschaffen.

Auch dem Bund dürfte eine solche Entwicklung nicht gelegen kommen: Der Flughafenkoordinator verteilt die Slots kostenlos, sie werden nicht veräußert. Dann müsste der Bund wohl seine 150 Millionen Euro abschreiben. Die Start- und Landrechte gelten als das einzig Werthaltige von Air Berlin. Der Überbrückungskredit soll aus den Erlösen, die der Verkauf der Slots bringen soll, vorrangig zurückgezahlt werden.

Unsere WerteDie Thomson Reuters Trust Principles
0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below