May 6, 2020 / 9:17 AM / 24 days ago

Corona durchkreuzt Sanierungspläne der Allianz

Flags with the logo of Allianz SE, Europe's biggest insurer, are pictured before the company's annual shareholders' meeting in Munich, Germany May 3, 2017. REUTERS/Michaela Rehle

München (Reuters) - Die Allianz vertagt die erhoffte Trendwende in der Industrieversicherung unter dem Eindruck der Coronakrise.

Die Großkunden-Tochter AGCS werde auch in diesem Jahr eine Schaden-Kosten-Quote von mehr als 100 Prozent aufweisen und damit operativ Verluste schreiben, sagte Finanzchef Giulio Terzariol auf der Online-Hauptversammlung des Versicherers am Mittwoch in München. Ausfälle von Großveranstaltungen wie den Olympischen Spielen in Tokio, Filmproduktionen und Konzerten, aber auch die vorübergehende Schließung von Betrieben wegen der Pandemie, für die die Allianz zumindest teilweise einstehen muss, machten die Erfolge bei der Sanierung des Sorgenkinds AGCS zunichte. Dabei griffen die getroffenen Maßnahmen und Preiserhöhungen von zehn Prozent und mehr, sagte der Italiener.

Die Allianz hatte bereits in der vergangenen Woche wegen der Pandemie ihre Ziele für das laufende Jahr einkassiert. Die für dieses Jahr ursprünglich angepeilte Gewinnspanne von 11,5 bis 12,5 Milliarden Euro sei prozentual kleiner als die Schwankungen des deutschen Leitindex Dax an manchen Tagen, begründete Vorstandschef Oliver Bäte den Rückzieher. “Diesen Rahmen können wir in einem so volatilen Umfeld nicht einhalten. Das wäre wie eine millimetergenaue Punktlandung mitten im Orkan. Das können wir ihnen beim besten Willen nicht versprechen.” Das Auf und Ab an den Aktienmärkten könne die Allianz dabei aber mit Hilfe von Absicherungen und der vorhandenen Bewertungsreserven abfedern, sagte Kapitalanlage-Vorstand Günther Thallinger.

Wie zuvor schon die Münchener Rück warnte die Allianz vor politischen Forderungen an die Versicherer, Kunden wie Restaurants und Hotels für die Ausfälle in der Coronakrise zu entschädigen. Die meisten Verträge gäben das nicht her - zum einen weil das Virus bei deren Abschluss nicht bekannt war, zum anderen, weil die Schließungen von den Behörden nur vorsorglich angeordnet worden seien und nicht wegen einer konkreten Gefahr im Restaurant. Terzariol sagte, die Allianz werde sich “mit allen Mitteln” gegen solche Begehrlichkeiten wehren. Bäte räumte allerdings ein, dass vielen Kunden nicht klar gewesen sei, dass sie für einen solchen Fall nicht versichert seien.

Eine neue Prognose nannte Bäte nicht: “Wir arbeiten daran, die Auswirkungen der Pandemie auf unsere Geschäftszahlen 2020 und die kommenden Jahre genauer abzuschätzen.” Zum ersten Mal seit neun Jahren rechnet die Allianz operativ nicht mit einem Rekordgewinn. Trotzdem soll die Dividende für das laufende Jahr, die 2021 ausgezahlt würde, zumindest stabil bleiben. Forderungen der EU-Versicherungsaufsicht EIOPA und von Kleinaktionären nach einer vorsichtigeren Dividendenpolitik wies Bäte zurück: “Unsere Finanzkraft ist sehr stark.” Rechtsanwältin Daniela Bergdolt von der Aktionärsvereinigung DSW hatte sich gegen die Ausschüttung von 9,60 Euro je Aktie für 2019 ausgesprochen: Es sei fraglich, ob eine Erhöhung das richtige Zeichen sei - “oder ob angesichts der Belastungen der Pandemie nicht sogar die Aussetzung einer Dividendenzahlung gerechtfertigt gewesen wäre”.

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