February 12, 2019 / 6:49 AM / 11 days ago

Studie - Deutschland braucht mehr Einwanderer aus Drittstaaten

An exhibitor talks to a visitor at a job fair for migrants to provide information about job opportunities all over the country in Berlin, Germany, January 28, 2019. REUTERS/Fabrizio Bensch

Berlin (Reuters) - Deutschland benötigt einer Studie zufolge in den nächsten 40 Jahren jährlich netto mindestens 260.000 Einwanderer, um den Arbeitskräftebedarf der Wirtschaft zu decken.

Dafür werde Deutschland auf eine steigende Einwanderung aus Drittstaaten außerhalb der Europäischen Union (EU) angewiesen sein, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Andernfalls könnte die Zahl der Arbeitskräfte demnach bis zum Jahr 2060 um bis zu 16 Millionen auf dann noch 31 Millionen zurückgehen. SPD-Vizefraktionschefin Eva Högl forderte daher, das von der Bundesregierung vorgelegte Einwanderungsgesetz rasch im Bundestag zu verabschieden. Laut Bundesagentur für Arbeit (BA) zeigte sich der Fachkräftemangel zuletzt auch immer stärker in Handwerks- und Bauberufen.

“Es ist wichtig, dass wir mit dem Einwanderungsgesetz auch gering Qualifizierten aus Staaten außerhalb der EU eine Chance bieten”, sagte Högl der Nachrichtenagentur Reuters. “Deshalb wollen wir das Gesetz jetzt schnell auf den Weg bringen.” Das vor Weihnachten vom Kabinett gebilligte Einwanderungsgesetz soll nach Angaben aus der Koalition voraussichtlich am 21. März erstmals im Bundestag beraten und Mitte Mai verabschiedet werden. Es soll erstmals auch Fachkräften mit Berufsausbildung statt Studium aus Drittstaaten die Einwanderung erleichtern.

Die Wirtschaft klagt derzeit schon über einen wachsenden Mangel an Fachkräften. Laut Bundesagentur für Arbeit (BA) verschärfte sich die Situation im Verlauf des vergangenen Jahres vor allem in Handwerks- und Bauberufen. Fachkräftemangel herrscht laut BA in einigen technischen Berufsfeldern, in Gesundheits- und Pflegeberufen. “Aber auch bei Berufskraftfahrern im Güterverkehr ist nun ein Mangel sichtbar”, heißt es in der halbjährlichen BA-Analyse.

“AUCH RENTE MIT 70 KÖNNTE FACHKRÄFTEBEDARF NICHT DECKEN”

Den bis zum Jahr 2060 reichenden Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und der Hochschule Coburg zufolge benötigt Deutschland vor allem mehr Fachkräfte aus Staaten außerhalb der EU. Im Jahr 2017 seien dies nur gut 38.000 Menschen gewesen. Auf lange Sicht bis 2060 werde sich die Einwanderung aus EU-Staaten auf jährlich rund 114.000 von derzeit etwa 250.000 verringern. Daher würden mindestens 146.000 Einwanderer aus Drittstaaten benötigt.

In den Experten-Berechnungen ist bereits berücksichtigt, dass die Geburtenrate in Deutschland zuletzt gestiegen ist und dass Frauen und Ältere mehr arbeiten. “Doch selbst wenn Männer und Frauen gleich viel arbeiteten und in Deutschland eine Rente mit 70 eingeführt würde, könnte der Fachkräftebedarf nicht mit inländischen Mitteln gedeckt werden”, erklärte die Stiftung.

Die Wissenschaftler gehen in der Studie davon aus, dass die Wirtschaft im Jahr 2035 rund 43 Millionen Arbeitskräfte benötigt. Darüber hinaus werde es nach Schätzungen etwa 1,6 Millionen Erwerbslose geben. Um alle Arbeitsplätze zu besetzen, müsse das Arbeitskräfteangebot daher bei 44,6 Millionen liegen. Trotz einer Zuwanderung von jährlich 260.000 Personen werde das Arbeitskräfteangebot bis 2060 auf 41,9 Millionen sinken. Um die Zahl der Arbeitskräfte in Höhe der derzeit rund 47 Millionen zu halten, müssten demnach jährlich 420.000 Menschen zuwandern.

Seit dem Höhepunkt des Flüchtlingszuzugs 2015 sinkt die Zuwanderung nach Deutschland wieder. Für das Jahr 2018 geht das Statistische Bundesamt in vorläufigen Berechnungen von netto 340.000 bis 380.000 Zuwanderern aus.

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