April 24, 2020 / 8:29 AM / a month ago

Virus-Krise dürfte BA-Milliardenpolster aufzehren

Autumn leaves are seen in front of a sign leading to a job centre of Germany's Federal Labour Office in Holzkirchen, near Munich, Germany November 8, 2017. REUTERS/Michael Dalder

Berlin (Reuters) - Ein sprunghafter Anstieg der Arbeitslosigkeit und der Kurzarbeit drohen die Rücklage von 26 Milliarden Euro bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) binnen weniger Monate aufzuzehren.

Das IAB-Forschungsinstitut der BA rechnet in seiner am Freitag vorgelegten Vorausschau mit einem zeitweisen Anstieg der Arbeitslosenzahl um etwa 700.000 auf über drei Millionen. Zudem gehen die Forscher von einer Rekordzahl von 2,5 Millionen Kurzarbeitern im Jahresdurchschnitt aus. “Die Rücklage ist hoch”, sagte IAB-Experte Enzo Weber der Nachrichtenagentur Reuters. “Aber angesichts der Kurzarbeit, höheren Arbeitslosigkeit und schwächerer Beitragseinnahmen muss man damit rechnen, dass sie für die Krise nicht ausreicht.”

Der Bund müsste der Behörde mit einem Darlehen zur Seite springen, sollte die Rücklage nicht reichen. Konkret geht das IAB auf die Finanzen nicht ein. In drei Rechenbeispielen für den Verwaltungsrat der Behörde geht die BA aber selbst davon aus, dass bei 2,6 Millionen Kurzarbeitern im Durchschnitt und bis zu acht Millionen in der Spitze ein Bundesdarlehen von vier Milliarden Euro erforderlich würde. In den Reuters vorliegenden Szenarien legt sich die BA nicht darauf fest, welche Entwicklung sie für wahrscheinlich hält. Es handele sich um bloße Rechenbeispiele, hieß es aus der BA. Die Behörde rechnete auch Szenarien mit durchschnittlich 1,1 Mio Kurzarbeitern und mit 1,5 Millionen Kurzarbeitern durch.

IAB ERWARTET WACHSTUMSEINBRUCH VON 8,4 PROZENT

“Der Arbeitsmarkt ist an sich robust, eine deutliche Verschlechterung wird sich angesichts des massiven Corona-Schocks aber nicht vermeiden lassen”, sagte IAB-Experte Weber. Das Institut geht von einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in diesem Jahr um 8,4 Prozent aus. Im zweiten Quartal dürfte der Wachstumseinbruch weitaus stärker ausfallen. Aber das IAB legt eine schrittweise Normalisierung der Wirtschaftstätigkeit in den von Einschränkungen betroffenen Bereichen im Jahresverlauf zugrunde.

Im Verlauf der zweiten Jahreshälfte wird die Hälfte des Anstiegs der Arbeitslosigkeit nach Einschätzung des IAB daher wieder wettgemacht. Im Jahresdurchschnitt geht das Institut für 2020 von einem Plus von 520.000 Arbeitslosen aus. Das wären dann insgesamt knapp 2,8 Millionen. Im März registrierte die BA gut 2,3 Millionen Erwerbslose. Die Zahl für April legt die BA nächste Woche vor. Es wird ein deutlicher Anstieg erwartet.

Die Zahl der Erwerbstätigen wird nach Einschätzung des IAB in den kommenden Monaten um rund eine Million zurückgehen. Darunter seien etliche Hunderttausende Minijobber. Auch in der Zeitarbeit sei mit einem starken Einbruch zu rechnen.

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