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Kein Trend zu befristeten Jobs - Quote in Deutschland konstant
6. September 2017 / 10:41 / vor 3 Monaten

Kein Trend zu befristeten Jobs - Quote in Deutschland konstant

Berlin (Reuters) - Der Anteil der befristet Beschäftigten in Deutschland ist binnen zehn Jahren nahezu konstant geblieben.

A waitress works at the bar on the stand of Hyatt Hotels Corporation during the International Tourism Trade Fair (ITB) in Berlin, Germany, March 9, 2016. REUTERS/Fabrizio Bensch

2016 hatten insgesamt 2,8 Millionen Arbeitnehmer ab 25 Jahren solche Verträge, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Mittwoch in Berlin mitteilte. Zehn Jahre zuvor waren es zwar nur 2,4 Millionen. Doch da in der Zwischenzeit auch die Gesamtzahl der Erwerbstätigen gestiegen ist, blieb die Quote nahezu unverändert und pendelte sich zwischen acht und neun Prozent ein. Bei Neueinstellungen ist sie jedoch weit höher und zuletzt sogar gestiegen, wie aus einer Stellenerhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervorgeht: Der Befristungsanteil bei sozialversicherungspflichtigen Neuverträgen legte demnach 2016 auf 45 Prozent zu. 2015 waren es lediglich 41 Prozent.

“Berufseinsteiger werden viel zu oft mit befristeten Arbeitsverträgen abgespeist”, sagte der Bundesvorsitzende der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, Robert Feiger. Es werde aber keineswegs “immer öfter” befristet eingestellt, so Ökonom Holger Schäfer vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Der Anteil schwanke seit Jahren zwischen 40 und 45 Prozent. Da die Zahlen des IAB aus einer Stichprobe hochgerechnet würden, sollte die Bewegung nach oben aus dem Vorjahr wegen der statistischen Unschärfe nach Ansicht des IW-Experten nicht “überinterpretiert” werden. Befristete Verträge seien zudem ein oft beim Berufseinstieg genutztes Element und keine Dauerlösung.

Ein Dorn im Auge ist Arbeitsministerin Andrea Nahles jedoch die sogenannte sachgrundlose Befristung: “Sie gehört abgeschafft. Vor allem junge Menschen können ihr Leben nicht vernünftig planen. Sie können sich kein Auto kaufen, finden keine Wohnung und kriegen keinen Kredit, weil sich bei ihnen eine sachgrundlose Befristung an die nächste reiht”, so die SPD-Ministerin. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hatte angekündigt, seine Partei wolle die Möglichkeit abschaffen, Jobs für die Dauer von bis zu zwei Jahren auch ohne konkreten Grund - wie etwa Vertretung im Mutterschutz - zu befristen. Dies lehnt die Wirtschaft vehement ab. Die Möglichkeit, Jobs ohne Sachgründe zu befristen, wurde bereits 1985 eingeführt.

DEUTSCHLAND BEI BEFRISTUNG IM EU-MITTELFELD

Im europäischen Vergleich bewegte sich Deutschland mit seiner Quote befristeter Arbeitsverträge von neun Prozent im vergangenen Jahr im Mittelfeld: Der EU-Durchschnitt lag bei elf Prozent. Der Anteil der Beschäftigten mit Zeitverträgen, die diese unfreiwillig abschlossen, ist zugleich deutlich gesunken. Er lag 2016 bei 36 Prozent und damit weit niedriger als beim Höchststand im Jahr 2007: Damals waren es 52 Prozent. Dies waren Jobsuchende, die eigentlich eine Festanstellung wollten, diese aber nicht bekamen.

Überdurchschnittlich oft unterzeichnen Hilfsarbeiter, aber auch Akademiker befristete Verträge. Ihr Anteil lag 2016 bei jeweils zwölf Prozent. Beschäftigte mit hoher Qualifikation sind hierzulande zugleich zusehends gefragt. 2016 lag ihr Anteil bereits bei 45 Prozent der Erwerbstätigen. 1996 waren nur 37 Prozent in hoch qualifizierten Berufen tätig - zum Beispiel als Programmierer, Ingenieure oder Führungskräfte: “Der Zuwachs lässt sich dadurch erklären, dass sich insbesondere die Zahl der Personen in akademischen Berufen erhöht hat”, so Destatis-Experte Frank Schüller.

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