August 11, 2011 / 1:22 PM / 7 years ago

Jugendarbeitslosigkeit kommt nach Europa und bleibt

Berlin (Reuters) - Die Finanzkrise hat in vielen hoch verschuldeten EU-Staaten die Jugendarbeitslosigkeit enorm nach oben getrieben.

Während sie in Deutschland wieder unter das Vorkrisenniveau fiel, liegt sie in Spanien mit 45,7 Prozent doppelt so hoch wie davor, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Auch in Großbritannien, wo es in den vergangenen Tagen schwere Krawalle von überwiegend jungen Menschen gab, ist rund jeder Fünfte zwischen 15 und 24 Jahren ohne Job. Deutschland hingegen hat die drittniedrigste Quote aller 27 EU-Staaten: Im Juni waren 9,1 Prozent oder 430.000 junge Menschen ohne Job. Nur in den Niederlanden (7,1 Prozent) und Österreich (8,2 Prozent) lag die Erwerbslosigkeit niedriger, der EU-Schnitt betrug 20,5 Prozent.

In der Rezession schnellte die Erwerbslosigkeit junger Menschen deutlich nach oben. In Deutschland gab es im Juli 2009 mit 11,5 Prozent ein Rekordhoch. Wegen arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen und der dualen Berufsausbildung fiel der Anstieg aber eher gering aus. Nur in Deutschland und Luxemburg sackte die Quote sogar unter das Niveau vor der Krise. Sehr hoch blieb sie in Ländern, die wegen hoher Schuldenberge und schwachen Wachstums derzeit im Fokus der Finanzmärkte stehen. In Griechenland sind fast vier von zehn Jugendlichen ohne Arbeit und damit etwa doppelt so viele wie vor der Krise. Auch in Italien (27,8 Prozent) und Frankreich (22,8 Prozent) liegt die Jugenderwerbslosigkeit noch deutlich höher als vor drei Jahren. In allen EU-Staaten zusammen waren im Juni 2011 über fünf Millionen junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren ohne Job.

PROTESTE MÜNDEN IN GEWALT

In vielen dieser Länder versuchen die Regierungen, ihre Verschuldung mit drastischen Sparpaketen in den Griff zu bekommen. In Griechenland, das nur durch Milliarden-Hilfen seiner Euro-Partner die Staatspleite abwenden konnte, sorgte das Spardiktat für gewaltsame Proteste. Auch in Spanien ist bereits seit Monaten eine Bürgerbewegung aktiv, die ihrem Frust über Massenarbeitslosigkeit und Korruption in Madrid und im ganzen Land mit Massendemonstrationen Luft macht.

Die Krawalle in Großbritannien haben eine Debatte ausgelöst, ob es in Deutschland auch zu solchen Ausschreitungen kommen könne. Der Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bernhard Witthaut, kritisierte solchen Spekulationen als blanken Populismus und Panikmache. “Wer die erschreckenden Ereignisse in England grob und reflexartig auf deutsche Verhältnisse ummünzt, heizt mutmaßliche Gewalttäter nur an”, sagte Witthaut. Sozialer Sprengstoff entzünde sich zwar immer wieder bei ritualisierten Gewaltausbrüchen wie dem 1. Mai oder am Rande von Fußballspielen. Meist stehe aber der “Kick an der Zerstörung und der Spaß an Brutalität” im Vordergrund, politische Botschaften seien die Ausnahme.

Bundestags-Vizepräsdent Wolfgang Thierse hält zwar die sozialen Probleme in Deutschland für nicht so gravierend wie in Großbritannien und Frankreich. Allerdings lebten die Deutschen auch nicht in einer heilen Welt. “Auch wir haben Verschärfung sozialer Spaltung, wir erleben auch einen erheblichen Verlust des Vertrauens in die Demokratie”, sagte der SPD-Politiker dem

SWR.

Auch wenn die Erwerbslosenquote junger Menschen in Deutschland im europäischen Vergleich gering ist, liegt sie immer noch höher als die Quote der Erwerbspersonen zwischen 15 bis 74 Jahren. Hier beträgt die bereinigte Rate 6,1 Prozent. Jugendliche haben auch deutlich öfter eine sogenannte atypische Beschäftigung wie einen befristeten Job.

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