July 10, 2019 / 9:23 AM / 2 months ago

DIW-Studie - 1,8 Millionen Beschäftigten wird Mindestlohn verwehrt

An employee counts Euro bills at a money exchange office in central Cairo, Egypt, March 20, 2019. REUTERS/Mohamed Abd El Ghany

Berlin (Reuters) - Auch vier Jahre nach Einführung des Mindestlohns erhalten viele Beschäftigte nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) weniger Geld als vorgeschrieben.

Im Jahr 2017 hätten etwa 1,8 Millionen Beschäftigte trotz Anspruchs den Mindestlohn nicht erhalten, teilte das DIW am Mittwoch mit. Dies gelte für 1,3 Millionen Arbeitnehmer in einer Hauptbeschäftigung und rund 500.000 Nebenjobber. Besonders oft werde der Mindestlohn Beschäftigten im Gastgewerbe, im Einzelhandel, bei persönlichen Dienstleistungen und in der Leiharbeit vorenthalten. Flächendeckende Kontrollen des Zolls gebe es mangels Personal bisher praktisch nicht.

Dem DIW zufolge ist die Zahl derjenigen, denen der Mindestlohn verwehrt wurde, im Vergleich zu den Vorjahren gestiegen. Dies hänge auch damit zusammen, dass 2017 in einigen Branchen Ausnahmeregelungen ausgelaufen seien und eine Anpassung auf Höhe des Mindestlohns ausgeblieben sei.

Für eine bessere Durchsetzung der Lohnuntergrenze schlagen die DIW-Autoren Anreize für Arbeitgeber vor, sich an den Mindestlohn zu halten. Sie regen eine “Fair Pay”-Plakette als Zertifikat für Arbeitgeber an, die die Arbeitszeit ihrer Beschäftigten nachvollziehbar dokumentieren. Verbraucher könnten sich dann bewusst dafür entscheiden, etwa in Restaurants mit “Fair Pay”-Plakette zu essen.

Die DIW-Zahlen gehen nach Angaben des Forschungsinstituts auf eine direkte Befragung der Teilnehmer der SOEP-Langzeitstudie nach der Höhe ihres Stundenlohns im Jahr 2017 zurück. Seinerzeit betrug der gesetzliche Mindestlohn 8,84 Euro pro Stunde. Seit Anfang 2019 liegt die Lohnuntergrenze bei 9,19 Euro. Das Sozio-Ökonomische Panel (SOEP) ist eine Umfrage, die seit 1984 läuft. Derzeit werden jedes Jahr rund 30.000 Menschen in etwa 15.000 Haushalten befragt.

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