May 15, 2011 / 2:02 PM / 8 years ago

Arbeitsagentur befeuert Zuwanderungsdebatte

Berlin (Reuters) - Damit in Deutschland trotz Bevölkerungschwundes die Fachkräfte nicht ausgehen, müssen nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit (BA) bis zum Jahr 2025 etwa zwei Millionen qualifizierte Zuwanderer ins Land kommen.

Diese überraschend hohe Zahl nannte BA-Chef Frank-Jürgen Weise in der Zeitung “Die Welt”. Die Bundesregierung reagierte am Wochenende mit der Mahnung, den Fachkräftebedarf nicht zu übertreiben. Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) lehnte in der “Leipziger Volkszeitung” zudem eine deutliche Absenkung der Einkommensgrenzen für Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten ab. Die FDP bekräftigte die Forderung für eine Zuwanderung nach Punkten.

Bis zum Jahr 2025 werde eine Lücke von sechs bis sieben Millionen Fachkräften entstanden sein, sagte BA-Chef Weise. Diese Lücke könne vielleicht zur Hälfte über das Mobilisieren von heimischen Arbeitskräften gefüllt werden. “Doch auch dann werden der Wirtschaft immer noch mehr als zwei Millionen qualifizierte Arbeitskräfte fehlen”, sagte Weise. “Die müssen im Ausland gewonnen und hierzulande integriert werden, damit unsere Wirtschaft weiter gut wachsen kann.”

Die Äußerung des BA-Chefs überrascht: Noch im Januar hatte die Bundesagentur eine viel geringere Größenordnung genannt und diese angesichts der geringen Zuwanderung als “ambitioniert” bezeichnet. In einem Fachkräfteplan des BA-Vorstandes hieß es, durch eine gesteuerte Zuwanderung könnten bis 2025 allenfalls 400.000 bis 800.000 zusätzliche Fachkräfte gewonnen werden. Dafür sei eine jährliche Nettozuwanderung von 100.000 bis 200.000 Menschen ab 2015 erforderlich, weil der Fachkräfteanteil unter Zuwanderern erfahrungsgemäß etwa 40 Prozent ausmache.

FRIEDRICH: 20 MILLIONEN ARBEITSLOSE IM EURO-LAND

“Wir brauchen die, die uns nutzen, und nicht die, die uns ausnutzen”, sagte Friedrich der “Leipziger Volkszeitung”. Der “oft beklagte Mangel ist glaube ich gar nicht so groß wie behauptet”. Es sei “sicher kein Weg, auf der verzweifelten Suche nach Fachkräften (...) die garantieren Einkommensgrenzen so weit zu senken, damit am Ende auch diejenigen kommen, die überhaupt keine Qualifikation haben”. Er ging damit auf Gegenkurs zu Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Sie drängt bisher vergeblich darauf, die Mindestgehaltsgrenzen zu senken, die Hochqualifizierte aus dem Nicht-EU-Ausland erreichen müssen, um eine uneingeschränkte Aufenthaltserlaubnis zu bekommen.

Friedrich sagte, es gebe im Euro-Land 20 Millionen Arbeitslose: “Es wäre in unserem Interesse, unseren gemeinsamen Europa-Arbeitsmarkt in den Griff zu bekommen, statt Arbeitskräfte aus Fernost anzuwerben.”

Die FDP erneuerte unterdessen ihren Vorstoß für ein Punktesystem, um Zuwanderung nach Deutschland mit Hilfe von Kriterien wie sprachliche Fähigkeiten, Bildung und Alter zu steuern. Fachkräftemangel lasse sich nicht durch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf beheben, sagte FDP-Chef Philipp Rösler auf dem Parteitag in Rostock. Notwendig sei mehr Zuwanderung. Die FDP wolle dafür ein Punktesystem.

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