December 9, 2010 / 3:18 PM / in 8 years

Arbeitskosten in Deutschland sinken wie seit 2005 nicht

Berlin (Reuters) - Das Auslaufen der Kurzarbeit drückt die Arbeitskosten in Deutschland so stark wie seit fünf Jahren nicht mehr.

Im dritten Quartal mussten die Firmen 0,5 Prozent weniger je Arbeitsstunde zahlen als im Frühjahr, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Der Rückgang ist damit so hoch wie zuletzt im Sommer 2005. “Wir sehen eine Normalisierung”, sagte Christoph Schröder, Arbeitskostenexperte des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln: Angesichts voller Auftragsbücher wird in Deutschland wieder länger gearbeitet, die Kurzarbeit spielt kaum noch eine Rolle.

Deutschland gewinne durch die sinkenden Arbeitskosten an Wettbewerbsfähigkeit, sagte Gustav Horn, Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. Der Rückgang der Arbeitskosten zeige, dass die alten Trends aus der Zeit vor der Wirtschaftskrise wieder aufgenommen würden. Für die deutschen Exporteure seien das gute Nachrichten: “Die reale Abwertung kommt dem Außenhandel zugute”, sagte Horn. Für die Binnennachfrage sei die schwache Lohnentwicklung dagegen eine schlechte Nachricht: Steigen die Löhne nicht, sind auch die Aussichten für den Konsum düsterer. Für kommendes Jahr sind die Chancen jedoch gut, dass die Löhne wieder stärker steigen: So machte sich sogar die Bundesregierung für steigende Lohnabschlüsse stark. Die gute Lage am Arbeitsmarkt tut ein übriges: Viele Fachleute gehen davon aus, dass der private Konsum 2011 zum Wachstumstreiber wird.

UNTERDURCHSCHNITTLICHER ANSTIEG IM EU-VERGLEICH

Auch im EU-weiten Vergleich kommen deutsche Firmen günstig weg: Die Arbeit in der Privatwirtschaft verteuerte sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im zweiten Quartal verglichen mit dem Vorjahr um 0,7 Prozent und damit deutlich weniger stark als im EU-Durchschnitt (plus 1,6 Prozent). Besonders tief in die Tasche greifen mussten Arbeitgeber in Bulgarien (plus 8,6 Prozent), Rumänien (plus fünf Prozent), Frankreich (plus 3,8 Prozent) und Dänemark. Deutlich günstiger wurde Arbeit dagegen in Litauen, Lettland und Estland mit Rückgängen von sieben bis 2,6 Prozent. Daten für die besonders von der Schuldenkrise in Europa betroffenen Länder Griechenland und Irland lagen nicht vor.

Mit durchschnittlich 30,90 Euro je Stunde müssen Arbeitgeber in Deutschland derzeit knapp ein Fünftel mehr zahlen als vor zehn Jahren - in keinem anderen europäischen Land stiegen die Arbeitskosten so wenig. An zweiter Stelle steht Österreich, wo sich Arbeit um knapp 30 Prozent verteuerte, in Portugal lag der Anstieg bei fast einem Drittel. Anders sieht es in den neuen EU-Staaten aus: In Rumänien schnellten die Arbeitskosten binnen zehn Jahren um 485 Prozent in die Höhe, in Lettland liegt der Anstieg bei über 200 Prozent, in Estland bei gut 150 und in Bulgarien bei 140 Prozent. Absolut gesehen ist Arbeit in diesen Ländern aber mit 2,90 bis 7,80 Euro je Stunde immer noch vergleichsweise billig.

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