June 3, 2020 / 9:14 AM / a month ago

Corona-Krise trifft Jobmarkt - 6 Millionen Kurzarbeiter in Deutschland

Nürnberg/Berlin (Reuters) - Die Coronavirus-Krise treibt die Arbeitslosenzahl in Deutschland weiter noch oben und sorgt für Kurzarbeit in Rekordhöhe.

The logo German National Agency for Employment (Agentur fur Arbeit) is seen at the joint German-French job center office in Kehl, Germany, on the French-German border near Strasbourg, November 13, 2014. The center, the first of its kind, joining French and German Employment Agencies, was inaugurated in February 2013 and is due to facilitate the search for jobs for German and French unemployed persons in both countries. REUTERS/Vincent Kessler (GERMANY - Tags: POLITICS BUSINESS EMPLOYMENT)

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) registrierte im Mai 2,813 Millionen Arbeitslose und damit 169.000 mehr als im Vormonat und 577.000 mehr als vor einem Jahr. Ende April lag die Zahl der Kurzarbeiter nach ersten Berechnungen bei rund sechs Millionen, wie die Behörde am Mittwoch erklärte. “Das ist natürlich weit weit oberhalb von den Zahlen, die wir in der Finanzmarktkrise bekommen haben”, sagte BA-Chef Detlef Scheele in Nürnberg. Trotz der schwierigen Lage am Jobmarkt erwartet Bundesarbeitsminister Hubertus Heil keine höhere Beitragslast für Arbeitnehmer und Arbeitgeber in den Sozialversicherungen. “Ich rechne nicht damit, dass es in diesem oder im nächsten Jahr zu Beitragssatzerhöhungen kommt.”

Die Krise sei zwar beispiellos und etwa jeder fünfte Arbeitslose sei auf die Virus-Pandemie zurückzuführen, sagte Scheele. Er sei aber zuversichtlich, dass Deutschland dies gut meistern werde, denn die Wirtschaft sei strukturell nicht “falsch aufgestellt”. Der BA-Chef bilanzierte deshalb: “Zur Zeit kommen wir ganz gut durch, finde ich.” Die Kurzarbeit helfe, Entlassungen zu verhindern. Das Instrument, das in der Finanzmarktkrise 2008/2009 in der Spitze annähernd 1,5 Millionen Beschäftigte betraf, wirke vor allem in der Industrie und Autobranche, aber auch bei Handel, Gesundheit und Gastgewerbe. “Ja, das sind viele Kurzarbeiter, aber es sind auch sechs Millionen Menschen, die nicht arbeitslos sind”, sagte Scheele.

“MIT EINER TRENDUMKEHR WÜRDE ICH SO SCHNELL NICHT RECHNEN”

Die BA rechnet 2020 im Jahresschnitt mit 2,2 Millionen Kurzarbeitern und in der Spitze mit 7,5 Millionen. Dies dürfte mit anderen Krisenkosten insgesamt zu einem Defizit der BA von 30,5 Milliarden Euro führen, sagte Scheele. Die Rücklage von 25,8 Milliarden Euro werde demnach nicht reichen und mache wohl Finanzhilfen des Bundes von 4,7 Milliarden Euro nötig. Auch Minister Heil betonte, dass die Behörde womöglich auf Liquiditätshilfen angewiesen sein werde, wenn sich Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit weiter auf diesem Niveau entwickelten. Der Deutsche Gewerkschaftsbund rief die Bundesregierung auf, schnell ein umfassendes Konjunkturpaket auf den Weg zu bringen und dies mit arbeitsmarktpolitischen Angeboten flankieren.

Die Arbeitslosenquote stieg im Mai um 0,3 Prozentpunkte auf 6,1 Prozent. Bereinigt um jahreszeitliche Schwankungen kletterte die Zahl der Arbeitslosen um 238.000 und damit etwas stärker als von Ökonomen erwartet. “Mit einer Trendumkehr würde ich so schnell nicht rechnen”, sagte Scheele. Dafür müsste die Wirtschaft sich noch stärker erholen. Entscheidend für die Entwicklung am Jobmarkt seien vor allem drei Punkte, betonte KfW-Chefökonomin Fritzi Köhler-Geib. Kann eine zweite Infektionswelle vermieden werden, inwieweit können von der Krise stark betroffene Wirtschaftszweige bald wieder ausreichende Erträge einfahren und was für staatliche Impulse bringt das geplante Konjunkturpaket? “Analysiert man die Faktoren, so überwiegen die Gründe, vorsichtig optimistisch zu sein.”

ERWERBSTÄTIGKEIT SINKT ERSTMALS SEIT 2010

Während die Arbeitslosigkeit steigt, ist die Erwerbstätigkeit in Deutschland im April wegen der Corona-Krise erstmals seit mehr als zehn Jahren gesunken. 44,8 Millionen Personen mit Wohnort in Deutschland waren erwerbstätig. Das ist ein Rückgang von 210.000 oder 0,5 Prozent zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Im März hatte es noch ein leichtes Wachstum von 0,2 Prozent gegeben. Wegen der restriktiven Maßnahmen zur Virus-Eindämmung mussten viele Geschäfte, Restaurants und Fabriken schließen. “Normalerweise steigt die Erwerbstätigkeit im April eines Jahres im Zuge der üblichen Frühjahrsbelebung kräftig an”, erläuterte das Statistikamt.

Auch im Euro-Raum kletterte die Arbeitslosigkeit wegen der Virus-Pandemie erneut. Sie stieg im April laut Statistikamt Eurostat um 211.000 zum Vormonat auf 11,919 Millionen. Dies trieb die saisonbereinigte Arbeitslosenquote von 7,1 auf 7,3 Prozent. Im März begannen viele Länder mit einschneidenden Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie, die im April anhielten.

Deutschland steht wegen der Coronavirus-Krise vor der schwersten Rezession in der Nachkriegszeit. Bislang geht die Regierung davon aus, dass die Wirtschaftsleistung 2020 um 6,3 Prozent schrumpft. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier signalisierte jüngst allerdings, dass der Konjunktureinbruch noch stärker ausfallen könnte.

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