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Wirtschaftsnachrichten

Positive Signale am deutschen Jobmarkt - "Aber Krise ist noch nicht vorbei"

FILE PHOTO: A cashier disinfects the checkout counter and the payment terminal in a supermarket in Bad Honnef near Bonn, Germany, April 27, 2020. REUTERS/Wolfgang Rattay//File Photo

Nürnberg/Berlin (Reuters) - Sinkende Arbeitslosigkeit und weniger Kurzarbeiter: Nach der Corona-Delle im Frühjahr sorgt der Jobmarkt in Deutschland allmählich wieder für positive Signale.

Im September fiel die Zahl der Arbeitslosen um 108.000 auf 2,85 Millionen, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch mitteilte. “Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Arbeitsmarkt sind nach wie vor deutlich sichtbar”, sagte BA-Vorstand Daniel Terzenbach in Nürnberg. “Es zeigen sich aber leichte Zeichen der Besserung.” So ebbte auch die Kurzarbeit ab. Nach vorläufigen Daten bezogen im Juli 4,24 Millionen Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld. Der Jobmarkt stabilisiere sich langsam, sagte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil, betonte aber: “Die Krise ist noch nicht vorbei.”

Im April hatte es noch den Rekord von 5,95 Millionen Kurzarbeitern gegeben. Nach aktuellen Daten meldeten Unternehmen vom 1. bis 24. September nur noch für 85.000 Personen Kurzarbeit an. Dies sei ein ähnlicher Umfang wie zum Ende der Finanz- und Wirtschaftskrise 2010, sagte Terzenbach. “Das ist immer noch viel, aber mit Blick auf die letzten Monate ist es eine erhebliche Entspannung.” Kurzarbeit sei ein Instrument zur Überbrückung der Krise, sollte aber nicht ohnehin schon angeschlagene Unternehmen mit überholtem Geschäftsmodell retten. “Diese Brücke ist endlich”, betonte der BA-Vorstand. Künftig dürfte es dann auch wieder mehr Firmenpleiten geben - vor allem in der Touristik, bei Reisebüros, in der Gastronomie und in der Messe- und Veranstaltungsbranche. “Das kann sich auch in der Arbeitslosigkeit niederschlagen.”

Die Auswirkungen der Virus-Pandemie schwächen sich laut Minister Heil zwar ab. “Aber die Folgen des Strukturwandels in der Industrie werden immer deutlicher”, sagte der SPD-Politiker. “Gerade die Zeit von Kurzarbeit kann sinnvoll für Weiterqualifizierung genutzt werden.” Dies sei der Schlüssel dafür, dass Deutschland langfristig wettbewerbsfähig bleibe und möglichst viele Menschen einen Job hätten. Ähnlich äußerte sich KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. Sie rechnet damit, dass der Fachkräftemangel als Hemmnis für den wirtschaftlichen Aufschwung 2021 wieder spürbar in den Fokus rückt. “Für die weitere Erholung ist daher mit entscheidend, dass Kurzarbeitende und Arbeitslose marktgerecht qualifiziert werden.”

Die Kurzarbeit entfällt inzwischen zu fast 40 Prozent auf das Verarbeitende Gewerbe, das zu Anfang der Krise hier nur einen Anteil von rund 25 Prozent hatte. “Wir sehen Verschiebungen zu den üblichen Verdächtigen”, sagte Terzenbach.

ZAHL DER ERWERBSTÄTIGEN STEIGT - VORKRISENNIVEAU WEIT WEG

Die Beschäftigung in Deutschland stieg derweil im August den zweiten Monat in Folge - allerdings langsamer als zuvor. Insgesamt waren rund 44,6 Millionen Personen mit Wohnort in Deutschland erwerbstätig - ein Plus von saisonbereinigt 21.000 zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Im Juli lag das Plus bei 55.000. “Allerdings liegt die Erwerbstätigenzahl weiterhin deutlich unter dem Vorkrisenniveau”, hieß es. Unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Schwankungen fiel die Arbeitslosenzahl im September um 8000 und damit so stark wie von Ökonomen erwartet. Die Zahl der unbereinigten Arbeitslosenquote sank um 0,2 Prozentpunkte auf 6,2 Prozent.

Die Corona-Krise reißt ein großes Loch in die Kasse der Bundesagentur. Allein für das Kurzarbeitergeld würden bis Ende 2020 wohl rund 19 Milliarden Euro ausgegeben, nach nur 157 Millionen Euro 2019, sagte BA-Vorständin Christiane Schönefeld. Unterm Strich dürfte es auf ein BA-Defizit von 27,1 Milliarden Euro hinauslaufen. Den Großteil gleiche die BA aus ihrer Rücklage aus, die restlichen 7,6 Milliarden Euro schieße der Bund nach. Im nächsten Jahr sei ein Haushaltsloch von 9,4 Milliarden Euro zu erwarten, das der Bund mit 3,1 Milliarden Euro stopfen werde. Die BA selbst werde dann die restlichen 6,3 Milliarden Euro aus ihrer Rücklage aufbringen.

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