November 30, 2017 / 9:35 AM / 17 days ago

Arbeitslosigkeit auf tiefstem Stand seit Wiedervereinigung

Nürnberg/Berlin (Reuters) - Der Dauer-Boom der deutschen Wirtschaft drückt die Arbeitslosigkeit auf ein Rekordtief.

The logo German National Agency for Employment (Agentur fur Arbeit) is seen at the joint German-French job center office in Kehl, Germany, on the French-German border near Strasbourg, November 13, 2014. The center, the first of its kind, joining French and German Employment Agencies, was inaugurated in February 2013 and is due to facilitate the search for jobs for German and French unemployed persons in both countries. REUTERS/Vincent Kessler (GERMANY - Tags: POLITICS BUSINESS EMPLOYMENT)

Im November hatten 2,368 Millionen Personen keinen Job - so wenige wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Das waren 20.000 weniger als im Vormonat und 164.000 weniger als ein Jahr zuvor. “Die sehr gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt hält an”, sagte Valerie Holsboer, Vorstandsmitglied bei der Bundesagentur für Arbeit (BA), am Donnerstag in Nürnberg. “Die Beschäftigung wächst in fast allen Bereichen.” Besonders kräftig ziehe sie bei unternehmensnahen Dienstleistern, im Bereich Pflege und Soziales sowie im Verarbeitenden Gewerbe an. Derzeit sind 772.000 offene Stellen gemeldet, 91.000 mehr als vor Jahresfrist. Daher dürfte sich die gute Entwicklung “über den Jahreswechsel hinaus fortsetzen”.

Unter Herausrechnung jahreszeitlicher Schwankungen nahm die Erwerbslosigkeit binnen eines Monats um 18.000 ab und damit fast doppelt so stark wie von Ökonomen erwartet. “Der Rückgang war stärker als für einen November üblich”, so Holsboer. “Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und die Nachfrage der Betriebe nach neuen Mitarbeitern steigen auf hohem Niveau weiter kräftig.” Die Arbeitslosenquote ging um einen Tick auf 5,3 Prozent zurück.

Am Arbeitsmarkt zeigen sich inzwischen Engpässe in einzelnen Branchen - etwa im Gesundheitsbereich oder im Handwerk. “Die Zuwanderung aus anderen EU-Staaten in den deutschen Arbeitsmarkt wirkt gravierenden gesamtwirtschaftlichen Knappheiten jedoch entgegen”, sagte der Chefvolkswirt der Förderbank KfW, Jörg Zeuner.

“SPALTUNG IST TIEFER GEWORDEN”

Für den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) ist aber noch längst nicht alles Gold, was glänzt. “Die gute Lage darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Spaltung am Arbeitsmarkt noch tiefer geworden ist”, sagte DGB-Vorstand Annelie Buntenbach. So seien die Chancen von Langzeitarbeitslosen auf einen Job gesunken. Von Januar bis November hätten 106.000 Hartz-IV-Bezieher weniger eine Beschäftigung aufnehmen können als ein Jahr zuvor. “Eine neue Bundesregierung muss auf dieses Alarmsignal reagieren und den Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit machen”, forderte Buntenbach.

Grund für die sinkende Arbeitslosigkeit ist der Konjunkturboom: Die deutsche Wirtschaft dürfte 2017 das achte Jahr in Folge wachsen. Nach einer Prognose der Industriestaaten-Organisation OECD wird sich der Aufschwung 2018 und 2019 fortsetzen. Die Stimmung in den Unternehmen ist derzeit so gut wie noch nie: Das Ifo-Geschäftsklima erreichte zuletzt ein Rekordhoch. Steigende Konsumausgaben, florierende Exporte, Bauboom und höhere Investitionen tragen den Aufschwung.

Dabei hilft die konjunkturelle Belebung in der Euro-Zone mit wichtigen Handelspartnern wie Frankreich und Italien. Das kommt zunehmend auch am Arbeitsmarkt an: Die um jahreszeitliche Schwankungen bereinigte Erwerbslosenquote in der Währungsunion sank im Oktober auf 8,8 Prozent. “Dies ist die niedrigste Quote, die seit Januar 2009 im Euro-Raum verzeichnet wurde”, erklärte das Statistikamt Eurostat. Deutschland steht besser da als die meisten anderen EU-Länder. Nach der für den internationalen Vergleich üblichen Statistik lag die Arbeitslosenquote zuletzt bei 3,6 Prozent - nur in Tschechien (2,7) und Malta (3,5) ist sie noch niedriger. In Griechenland (20,6) und Spanien (16,7) ist die Quote am höchsten.

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