June 29, 2018 / 11:29 AM / 18 days ago

Rekordtief bei Arbeitslosen - Jobmarkt "von Sonne beschienen"

Nürnberg/Berlin (Reuters) - Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Juni auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung gesunken.

Workers fix a high-tension power line in Muehlenbecker Land, Germany, May 24, 2018. REUTERS/Fabrizio Bensch

Bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) waren 2,276 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind 40.000 weniger als im Mai und 197.000 weniger als vor einem Jahr, wie die Behörde am Freitag in Nürnberg mitteilte. Der Arbeitsmarkt entwickele sich weiter günstig, auch wenn sich die Dynamik zuletzt leicht abgeschwächt habe, sagte BA-Chef Detlef Scheele. Dies sei aber keine Trendumkehr. “Ehrlicherweise ist der Arbeitsmarkt so von der Sonne beschienen, dass man sich kaum was Besseres vorstellen kann.” Das wird sich nach Einschätzung der Behörde auch durch den Handelsstreit mit den USA nicht unmittelbar ändern.

Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung hätten erneut abgenommen, die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wachse, und die Nachfrage nach Arbeitskräften sei weiter lebhaft, sagte Scheele. Dies werde auf absehbare Zeit so weitergehen. Klammert man jahreszeitliche Schwankungen aus, ging die Arbeitslosigkeit im Juni um 15.000 zurück und damit etwa doppelt so stark wie von Ökonomen erwartet.

Die Arbeitslosenquote sank im Juni um 0,1 Prozentpunkte auf 5,0 Prozent und könnte nach Ansicht von KfW-Chefökonom Jörg Zeuner zum Jahresende erstmals seit der Wiedervereinigung unter diese Marke fallen. Die Beschäftigung dürfte in der zweiten Jahreshälfte steigen, und die Zahl der Erwerbstätigen 2018 laut Zeuner mit 44,8 Millionen einen Rekord erreichen.

Auch Bundesarbeitsminister Hubertus Heil sieht den Jobmarkt in “stabiler Hochdrucklage”. Allerdings dürfe man die 800.000 Langzeitarbeitslosen nicht vergessen, betonte der SPD-Politiker. Für diese Menschen sei ein zusätzlicher sozialer Arbeitsmarkt nötig, um gesellschaftliche Teilhabe und Jobperspektiven zu ermöglichen.

VOLLBESCHÄFTIGUNG NUR IM SÜDEN - BREMEN HINKT HINTERHER

Ökonomen sprechen bei Arbeitslosenquoten von rund drei Prozent von Vollbeschäftigung. Diese gebe es bereits in einigen Regionen, sagte Scheele. Andernorts sei dies wegen des Strukturwandels kaum möglich - etwa im Ruhrgebiet, Bremerhaven oder einigen Regionen in Ostdeutschland. “Da werden wir das für absehbare Zeiten nicht erreichen können”, sagte Scheele. “Es wird immer Ungleichgewichte geben.” Spitzenreiter bei der Arbeitslosenquote sind die wirtschaftsstarken Südländer Bayern mit 2,7 Prozent und Baden-Württemberg mit 3,0 Prozent. Die rote Laterne hat Bremen mit 9,7 Prozent vor Berlin (7,9 Prozent).

Händeringend suchen Unternehmen derzeit vor allem Altenpflegekräfte. Hier kommen bei den Pflegern mit dreijähriger Ausbildung laut BA 27 Arbeitslose auf 100 gemeldete offene Stellen. Zudem dauert es rund 175 Tage bis ein Posten neu besetzt wird und damit deutlich länger als der Durchschnitt von 109 Tagen. Scheele plädierte dafür, das Potenzial von Erwerbspersonen in Deutschland auszuschöpfen. Die Anwerbung von Fachkräften im Ausland sei zwar wichtig - “sie ist aber nicht der Königsweg, um den Fachkräftemangel hier zu beheben.”

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