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Wirtschaftsnachrichten

Arbeitslosigkeit bleibt unter Drei-Millionen-Marke - Kurzarbeit zahlt sich aus

The sign of the Employment Agency is pictured in Dortmund March 7, 2012. REUTERS/Ina Fassbender (GERMANY - Tags: BUSINESS LOGO BUSINESS EMPLOYMENT)

Nürnberg/Berlin (Reuters) - Trotz Corona-Krise bleibt die Arbeitslosenzahl in Deutschland unter der Marke von drei Millionen.

Sie zog im August zum Vormonat um für die Jahreszeit übliche 45.000 auf 2,955 Millionen an, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Dienstag mitteilte. Damit gab es wie schon im Juli keinen zusätzlichen coronabedingten Anstieg. Klammert man saisonale Schwankungen aus, fiel die Zahl sogar um 9000. Die Arbeitslosenquote stieg zugleich um einen Tick auf 6,4 Prozent. Auch mit Blick auf die Entwicklung im Vorjahr spreche dies “für eine gewisse Normalisierung”, sagte BA-Chef Detlef Scheele. Der “massive Einsatz” von Kurzarbeit habe zur Stabilisierung beigetragen.

Im September und Oktober dürfte die Zahl der Arbeitslosen laut BA im Zuge der Herbstbelebung wohl in der Größenordnung von insgesamt bis zu 140.000 zurückgehen, falls die Pandemieentwicklung keinen Strich durch die Rechnung macht. “Im Vergleich zu anderen Industrienationen schlägt sich Deutschland am Arbeitsmarkt nach wie vor sehr wacker”, sagte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Dies belegt auch der Blick auf die europäische Statistik, die allerdings nur die Entwicklung im Juli abbildet: In der gesamten Euro-Zone stieg die Arbeitslosenquote demnach auf 7,9 Prozent von 7,7 Prozent im Juni. In Italien kletterte der Wert sogar von 9,3 auf 9,7 Prozent und damit wieder auf das Vorkrisenniveau.

Die Situation in Deutschland sei vor allem auf die Regelung zur Kurzarbeit zurückzuführen, mit der am Arbeitsmarkt Brücken gebaut worden seien, sagte Heil. “Kurzarbeit rettet somit weiter millionenfach Arbeitsplätze.” Nach vorläufigen hochgerechneten Daten bezogen laut BA im Juni 5,36 Millionen Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld. Vor Beginn der Kurzarbeit müssen Firmen Anzeige über den voraussichtlichen Arbeitsausfall erstatten. Nach aktuellen Daten wurde vom 1. bis einschließlich 26. August für 170.000 Arbeitnehmer konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt. Dies bedeutet einen anhaltenden Rückgang nach dem massiven Anstieg in März und April.

“KLEINE SENSATION”

Der arbeitsmarkt- und sozialpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Peter Weiß, hält es für “eine kleine Sensation”, dass die Arbeitslosenzahl entgegen etlicher Prognosen unter der drei Millionen-Marke geblieben ist. “Es ist ganz offensichtlich, dass die deutschen Betriebe weiter eher die Kurzarbeit nutzen und auf einen Aufschwung vertrauen, bei dem sie wieder auf ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angewiesen sind.”

Nach Ansicht des Chefökonomen der Liechtensteiner VP Bank, Thomas Gitzel, “übertüncht” die Kurzarbeit aber die tatsächlich angespannte Situation am Arbeitsmarkt. Das verarbeitende Gewerbe kämpfe mit unterausgelasteten Produktionskapazitäten. Das stehe nicht nur im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie, sondern sei auch auf den Strukturwandel im Automobilbau zurückzuführen. “Die Umstellung auf die Elektroautomobilität trifft nicht nur die Automobilhersteller selbst, sondern auch die Maschinen- und Anlagenbauer”, führte Gitzel aus.

BA-Chef Scheele rief trotz dieser Probleme dazu auf, den Industriestandort Deutschland zu stärken und es nicht zu einem Firmensterben kommen zu lassen. “Auch um den Preis, dass man den einen oder anderen mitnimmt, der vielleicht schon hätte weiter sein können.” Es bestehe ansonsten die Gefahr, dass Arbeitsplätze in Niedriglohnländer abwandern. “Was weg ist, kriegt man nicht wieder”, betonte Scheele.

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