October 30, 2018 / 9:05 AM / 21 days ago

Oktober beschert dem Arbeitsmarkt Rekordzahlen

Berlin (Reuters) - Der übliche Herbstaufschwung hat dem Arbeitsmarkt in Deutschland Rekordzahlen beschert.

The logo German National Agency for Employment (Agentur fur Arbeit) is seen at the joint German-French job center office in Kehl, Germany, on the French-German border near Strasbourg, November 13, 2014. The center, the first of its kind, joining French and German Employment Agencies, was inaugurated in February 2013 and is due to facilitate the search for jobs for German and French unemployed persons in both countries. REUTERS/Vincent Kessler (GERMANY - Tags: POLITICS BUSINESS EMPLOYMENT)

Mit 2,202 Millionen Arbeitslosen registrierte die Bundesagentur für Arbeit im Oktober den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. Die Arbeitslosenquote fiel auf 4,9 Prozent und damit erstmals seit der Wiedervereinigung unter fünf Prozent. BA-Chef Detlef Scheele sprach bei der Vorstellung der Zahlen am Dienstag in Nürnberg zudem von einem Beschäftigungsrekord: Erstmals sind mehr als 33 Millionen Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Vom Handelsstreit mit den USA oder dem bevorstehenden Brexit sei nichts zu spüren: “Davon merken wir gegenwärtig nichts.”

Auch für den Ausbildungsmarkt fiel die Bilanz der BA positiv, aber etwas zurückhaltender aus. Für Ausbildungsbewerber hätten sich die Chancen angesichts einer gestiegenen Zahl von Ausbildungsstellen nochmals verbessert. Allerdings finden immer mehr Betriebe keine Lehrlinge: Die Zahl der Ende September noch unbesetzten Stellen sei im Jahresvergleich auf 57.700 gestiegen.

SCHEELE: ZAHL VON ZWEI MILLIONEN WIRD 2019 NICHT GEKNACKT

Der BA-Chef zeigte sich zuversichtlich, dass sich der Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt bis in das Jahr 2019 fortsetzt. Das Forschungsinstitut der BA gehe für das kommende Jahr von einer Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt von 2,23 Millionen aus. Daher erwarte er nicht, dass 2019 erstmals die Marke von zwei Millionen Arbeitslosen unterschritten werde: “Aber erst mal können wir uns doch über das freuen, was da ist.”

Von Vollbeschäftigung kann laut Scheele bei einer bundesweiten Arbeitslosenquote von 4,9 Prozent im Ganzen zwar nicht die Rede sein, in einigen Regionen Bayerns und Baden-Württembergs aber schon: “Das zeigt, dass man Marken erreichen kann, von denen wir vor drei Jahren nicht geträumt haben.”

SAISONBEREINIGTER RÜCKGANG UM 11.000

“Dank der anhaltenden Hochkonjunktur zeigt sich der Arbeitsmarkt zum Ausklang des Sommers weiterhin in guter Verfassung”, erklärte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. In manchen Branchen behinderten Fachkräfteengpässe und Nachwuchsmangel eine Ausweitung der Produktion, vor allem in der Pflege und im Bauhandwerk. Dies habe auch mit der Bezahlung zu tun, die in Pflegeheimen und im Ausbaugewerbe unterdurchschnittlich sei.

Unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Schwankungen ging die Arbeitslosenzahl laut BA um 11.000 zurück. Im Herbst ist ein Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt üblich, weil nach der Sommerpause die Nachfrage nach Arbeitskräften steigt und viele Schulabgänger eine Ausbildung begonnen haben. Die Zahl von 2,202 Millionen Arbeitslosen bedeutete einen Rückgang um 53.000 seit September. Im Vergleich zum vorigen Jahr waren es 185.000 weniger. Nach BA-Berechnungen gab es im August 33,11 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Die Zahl der in Deutschland Erwerbstätigen (das schließt auch Selbstständige, Beamte und Minijobber ein) übersprang im September laut Statistischem Bundesamt erstmals die 45-Millionen-Marke.

Zwischen Oktober 2017 und September 2018 wurden der BA 565.300 Ausbildungsstellen gemeldet, die erstmals die Zahl der gemeldeten Bewerber (535.600) übertrafen. Jeder zweite gemeldete Bewerber (49 Prozent) begann mit einer Ausbildung, darunter auch über 14.000 junge Leute, die nach Deutschland geflüchtet waren. Industrie, Handel, Handwerk und Freie Berufe verzeichneten laut BA bis Ende September 489.000 neue Ausbildungsverträge. Das seien rund 8500 mehr gewesen als im vorigen Jahr.

Regionale, berufliche und qualifikatorische Ungleichgewichte hätten bei der Ausbildung weiter zugenommen, sagte Scheele. Es seien deutlich mehr Stellen unbesetzt geblieben, zugleich habe sich auch die Zahl der unversorgten Bewerber leicht erhöht. Es seien größere Kompromissbereitschaft und mehr Mobilität aufseiten der Bewerber gefordert. “Betriebe sollten sich noch mehr für Bewerber öffnen, die nicht zu den optimalen Kandidaten zählen”, appellierte Scheele an die Wirtschaft. Auf 100 Hauptschüler kämen im Schnitt nur 60 gemeldete Stellen.

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