November 29, 2018 / 9:04 AM / 12 days ago

Arbeitsmarkt glänzt trotz Konjunkturdelle - "Keine Risiken"

The logo German National Agency for Employment (Agentur fur Arbeit) is seen at the joint German-French job center office in Kehl, Germany, on the French-German border near Strasbourg, November 13, 2014. The center, the first of its kind, joining French and German Employment Agencies, was inaugurated in February 2013 and is due to facilitate the search for jobs for German and French unemployed persons in both countries. REUTERS/Vincent Kessler (GERMANY - Tags: POLITICS BUSINESS EMPLOYMENT)

Berlin (Reuters) - Ungeachtet der jüngsten Konjunkturschwäche setzt sich der Boom am Arbeitsmarkt fort und verspricht auch über den Jahreswechsel hinaus glänzende Perspektiven.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) zählte im November 2,186 Millionen Arbeitslose. Wie sie am Donnerstag in Nürnberg mitteilte, waren das 18.000 weniger als im Oktober. Die Arbeitslosenquote fiel um 0,1 Prozentpunkte auf 4,8 Prozent. BA-Chef Detlef Scheele sprach von einer “weiter guten Entwicklung”. Dies gelte umso mehr, wenn man von jahreszeitlichen Einflüsse absehe. Der so errechnete Rückgang um 16.000 zum Vormonat sei für diesen Herbstmonat sehr kräftig: “Das ist ein schönes Ergebnis zu Weihnachen. Der Arbeitsmarktaufschwung dürfte sich auch über den Jahreswechsel fortsetzen”, prognostizierte Scheele.

Die Perspektiven im Verarbeitenden Gewerbe, aber auch in den eher vom Auf und Ab der Konjunktur unabhängigen Bereichen wie Gesundheit und Pflege seien gut. Daher drohten dem Arbeitsmarkt “zurzeit keine Risiken”. Massive Probleme in der Autoindustrie haben die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal erstmals seit dreieinhalb Jahren schrumpfen lassen. Erste Signale deuten darauf hin, dass die Konjunktur Ende des Jahres wieder anzieht. Viele Experten gehen allerdings davon aus, dass der Höhepunkt des Aufschwungs längst überschritten ist.

Der Chefvolkswirt der staatlichen Förderbank KfW, Jörg Zeuner, verwies auf Risiken durch politische Konflikte, die die Weltkonjunktur schwächen. Dazu zählten neben dem Brexit auch Italiens konfrontativer Kurs in der Finanzpolitik und der Handelskonflikt mit den USA. Zeuners Fazit: “Die Erwerbstätigkeit dürfte bis ins nächste Jahr weiter steigen, wenn auch schwächer als in den vergangenen Monaten.”

Für BA-Chef Scheele bietet der November ein besonderes Hoffnungszeichen: Die Zahl derjenigen, die länger als zwölf Monate arbeitslos waren, hat sich im Vergleich zum Vorjahr um elf Prozent auf 764.000 verringert. Somit seien auch vermehrt Bezieher von Hartz IV wieder in Lohn und Brot. “Das ist auch ein Beitrag zu gewisser Gerechtigkeit am Arbeitsmarkt”, sagte Scheele.

“SANKTIONEN KEIN GESCHÄFTSPOLITISCHES MITTEL”

Er wandte sich zugleich gegen die jüngsten Attacken von SPD und Grünen auf Hartz IV. Wer diese Art der Grundsicherung abschaffen wolle, müsse auch die Alternativen vorlegen. Scheele warnte vor einem Komplettausstieg aus dem aktuellen System der Erwerbslosensicherung. Damit würde man das “Kind mit dem Bade” ausschütten, betonte er. Grünen-Chef Robert Habeck kritisierte jüngst, das aktuelle System sei auf “Demütigung ausgerichtet” und müsse abgeschafft werden. Sein Konzept sieht vor, auf den Zwang zur Arbeitsaufnahme künftig zu verzichten und statt dessen durch mehr Zuverdienst positive Anreize zu schaffen. Außerdem sollen Arbeitslose demnach einen größeren Teil ihres Vermögens behalten können. Zuletzt hatte bereits die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles angekündigt, ihre Partei wolle Hartz IV überwinden.

Scheele nahm Mitarbeiter seiner Behörde vor dem Vorwurf in Schutz, sie drangsalierten Jobsuchende: “Sanktionen sind ausdrücklich kein geschäftspolitisches Mittel.” Zugleich betonte er, es gebe durchaus Veränderungsbedarf bei Sanktionsregeln. Diese sollten beispielsweise bei Jugendlichen an die für Erwachsenen geltenden angepasst werden. Das Sozialgesetzbuch SGB II, in dem die Hartz-IV-Vorschriften stehen, sei zwar etwas in die Jahre gekommen. Veränderungen seien aber möglich, ohne das gesamte System infrage zu stellen: “Wir sollten stolzer auf unsere Arbeit sein.”

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below