August 29, 2019 / 10:21 AM / 24 days ago

Abschwung trifft Arbeitsmarkt - "Wendepunkt offenbar erreicht"

The logo German National Agency for Employment (Agentur fur Arbeit) is seen at the joint German-French job center office in Kehl, Germany, on the French-German border near Strasbourg, November 13, 2014. The center, the first of its kind, joining French and German Employment Agencies, was inaugurated in February 2013 and is due to facilitate the search for jobs for German and French unemployed persons in both countries. REUTERS/Vincent Kessler (GERMANY - Tags: POLITICS BUSINESS EMPLOYMENT)

Nürnberg/Berlin (Reuters) - Die Konjunkturflaute in Deutschland schlägt allmählich auf den Stellenmarkt durch.

Laut Bundesagentur für Arbeit (BA) erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen im August zum Vormonat um 44.000. Eine solch starke Zunahme hat es in einem August seit Beginn der Statistik im Jahr 1991 noch nicht gegeben. Insgesamt waren 2,319 Millionen Menschen ohne Job registriert - so viele wie seit Februar nicht mehr. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 Prozentpunkte auf 5,1 Prozent. “Die konjunkturelle Schwächephase hinterlässt auch am Arbeitsmarkt leichte Spuren”, sagte BA-Chef Detlef Scheele am Donnerstag bei der Präsentation der Zahlen in Nürnberg. Das Beschäftigungswachstum halte an, verliere aber an Schwung.

Die deutsche Wirtschaft hat sich im Frühjahr vorerst vom Wachstum verabschiedet. Schrumpft das Bruttoinlandsprodukt im laufenden Sommerquartal erneut, sprechen Experten von einer technischen Rezession. Die jüngsten Konjunktursignale - etwa der Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts - stimmen pessimistisch. Dazu passt, dass die Arbeitslosigkeit im August auch zunahm, wenn man jahreszeitliche Schwankungen herausrechnet - und zwar um 4000 zum Vormonat. Von Reuters befragte Volkswirte hatten damit gerechnet. “Das Wirtschaftswachstum in Deutschland ist zum Erliegen gekommen, und die Aussichten sind keineswegs rosig”, so Arbeitsmarktexperte Martin Müller von der staatlichen Förderbank KfW. Insgesamt waren im Juni nach hochgerechneten Angaben der BA 33,39 Millionen Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Saisonbereinigt ergibt sich von Mai auf Juni ein Anstieg um 11.000.

BA-Chef Scheele sprach von einem uneinheitlichen Bild am Arbeitsmarkt: “Wir haben eine Parallelität von Aufbau saisonbereinigter Arbeitslosigkeit und Beschäftigungszuwachs - selbst im Verarbeitenden Gewerbe.”

SORGEN UM DEN ARBEITSMARKT

Die dunklen Wolken am Konjunkturhorizont nährten die Sorgen um den Arbeitsmarkt. ING-Ökonom Carsten Brzeski sagte mit Blick auf die nicht-saisonal bereinigten Zahlen, derart schlecht habe der Arbeitsmarkt in einem August seit der Wiedervereinigung noch nicht abgeschnitten: “Die negative Wirkung der massiven Industriekrise der vergangenen zwölf Monate breitet sich allmählich auf andere Bereiche der deutschen Wirtschaft aus.”

Laut Scheele zeichnet sich bei den Kurzarbeiterzahlen jedoch noch kein Krisenszenario ab. Nach vorläufigen hochgerechneten Daten wurde im Juni an 45.000 Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt, nach 47.000 im Vormonat und 16.000 im Vorjahr. Vor Beginn der Kurzarbeit müssen Betriebe allerdings Anzeige über den voraussichtlichen Arbeitszeitausfall erstatten. Diese können somit als Barometer für die künftige Entwicklung bei der Kurzarbeit interpretiert werden. Im Juli wurde für 25.000 Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt, nach 16.000 im Juni und 23.000 im Mai.

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) sieht einen “Wendepunkt am Arbeitsmarkt offenbar erreicht”. IfW-Experte Dominik Groll verweist darauf, dass die Arbeitslosigkeit den vierten Monat in Folge nicht mehr gesunken sei. “Das gab es zuletzt im Jahr 2013. Die Zahl der offenen Stellen sinkt zudem seit April.” Insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe lasse Unternehmensbefragungen zufolge die Nachfrage nach Arbeitskräften deutlich nach. “Es ist daher davon auszugehen, dass der Tiefpunkt der Arbeitslosigkeit durchschritten ist und die Arbeitslosenquote nun zunehmen wird.”

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