June 2, 2015 / 11:20 AM / 4 years ago

Arbeitsmarkt verzeichnet besten Mai seit 1991

People arrive at the main train station in Munich, Germany, May 20, 2015 during a strike by GDL train drivers union.

Nürnberg (Reuters) - Der Arbeitsmarkt in Deutschland zeigt sich unbeeindruckt von der Abschwächung des Wirtschaftswachstums und der steigenden Zahl jobsuchender Flüchtlinge.

Die Zahl der Arbeitslosen ging im Mai nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit um 81.000 auf 2,762 Millionen zurück. Das ist die geringste Arbeitslosigkeit in einem Mai seit 1991. “Weder das verhaltene Wirtschaftswachstum noch die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns haben die Beschäftigungsentwicklung getrübt”, sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise am Dienstag in Nürnberg. Die BA forderte Regierung und Bundestag auf, die Hilfen zur Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt zu erhöhen. Ministerin Andrea Nahles sagte mehr Geld zu.

NAHLES KÜNDIGT BUNDESPROGRAMM FÜR FLÜCHTLINGSINTEGRATION AN

In den Hartz-IV-Jobcentern und den Arbeitsagenturen melden sich immer mehr Flüchtlinge. Derzeit werden dort laut BA rund 366.000 Erwerbsfähige aus den Ländern betreut, aus denen die meisten Asylbewerber stammen. Das seien 49.000 mehr als im Vorjahr. Der Anstieg entfalle zu mehr als der Hälfte auf syrische Bürgerkriegsflüchtlinge. Die BA erwartet eine deutliche Zunahme in den nächsten Monaten. Nach Einschätzung der Bundesregierung wird sich die Zahl der Asylanträge in diesem Jahr mehr als verdoppeln und etwa 450.000 erreichen.

Die BA fordert daher größere Anstrengungen, den Flüchtlingen den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. Rund die Hälfte von ihnen verfügt laut BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt über eine akademische oder berufliche Ausbildung. “Der größte Engpass ist derzeit der Deutschkurs”, sagte Alt. Derzeit dürfe die BA viele Leistungen wie etwa ausbildungsbegleitende Hilfen erst nach einer Aufenthaltsdauer in Deutschland von vier Jahren anbieten. Der Bundestag habe beschlossen, diese Wartefrist ab Mitte 2016 auf 15 Monate zu verkürzen. “Das erscheint uns etwas zu spät und vielleicht nicht ehrgeizig genug”, sagte Alt. Seine Behörde plädiere für eine Wartefrist von nur sechs Monaten.

Arbeitsministerin Nahles stellte ein Bundesprogramm in Aussicht, um Flüchtlinge schnell in Arbeit und Ausbildung zu bringen. “Insbesondere müssen mehr finanzielle Mittel her für berufsbezogene Sprachkurse und Eingliederung in Arbeit”, erklärte die SPD-Politikerin. Arbeitgeber-Präsident Ingo Kramer forderte einen Ausbau der Sprachkurse.

WEISE ERWARTET WEITEREN BESCHÄFTIGUNGSAUFBAU

Der Arbeitsmarkt scheint den Zustrom von Flüchtlingen gut zu verkraften. Der BA zufolge waren im Februar 357.000 Personen aus den Asylbewerber-Herkunftsländern sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Laut BA-Chef Weise zeigt sich der Arbeitsmarkt generell in einer guten Verfassung. Ursache für den Rückgang der Arbeitslosigkeit im Mai sei vor allem die übliche Frühjahrsbelebung. Aber auch unter Herausrechnung der Saisoneinflüsse sei die Erwerbslosenzahl um 6000 gesunken. Saisonbereinigt waren demnach 2,786 Millionen Menschen arbeitslos - nur 5000 mehr als im Dezember 1991, in dem erstmals gesamtdeutsche saisonbereinigte Daten vorlagen.

Die unbereinigte Arbeitslosenzahl von 2,762 Millionen entsprach einer Quote von 6,3 Prozent. Das waren 120.000 weniger als vor einem Jahr. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg noch stärker um fast 540.000 auf nahezu 30,5 Millionen, da mehr Frauen, Ältere und Flüchtlinge einen Job ausüben. “Der Beschäftigungsaufbau dürfte in der nächsten Zeit anhalten, denn die Unternehmen zeigen weiterhin hohen Bedarf an neuen Mitarbeitern”, zeigte sich Weise zuversichtlich.

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