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DE Dollar Report

TOPTHEMA-Kaufhof und Karstadt auf Fusionskurs

* Metro und Arcandor - Kaufhäuser-Fusion sinnvoll

* Vertiefte Gespräche geplant

* Zusammen fast 60.000 Beschäftigte

(neu: Arcandor-Sprecher zu Finanzierung, Verdi)

Düsseldorf, 21. Mai (Reuters) - Der deutsche Einzelhandel steht vor einem beispiellosen Umbruch. Die Handelsriesen MetroMEOG.DE und ArcandorAROG.DE erklärten nach einem Spitzentreffen ihrer Chefs am Donnerstag, dass eine Fusion ihrer Warenhausketten Kaufhof und Karstadt "ein vernünftiger Weg für die Zukunft der Warenhäuser in Deutschland sein kann". Der Chef des um sein Überleben kämpfenden Essener Arcandor-Konzerns, Karl-Gerhard Eick, gab damit seinen Widerstand gegen ein Zusammengehen der beiden Marktführer auf. Arcandor ist auf öffentliche Garantien angewiesen, um sein Überleben zu sichern. Metro hatte seit Tagen dagegen Front gemacht.

Nun könnte ein marktbeherrschender Warenhauskonzern aus den beiden deutschen Marktführern geschmiedet werden. Zusammen betreiben Karstadt und Kaufhof mehr als 200 Häuser mit fast 60.000 Beschäftigten. Die Gewerkschaft Verdi erklärte, sie würde sich einer solchen Fusion nicht grundsätzlich in den Weg stellen. Eine Sprecherin der Gewerkschaft sagte: “Wir werden die Konzepte genauestens auf ihre Auswirkungen auf die Beschäftigten prüfen.”

Cordes und Eick waren am Morgen zu einem ersten Sondierungsgespräch zusammengekommen. Metro hatte in den vergangenen Tagen sein Werben um Karstadt intensiviert, nachdem die finanzielle Schieflage des Essener Konkurrenten immer deutlicher geworden war. Zugleich hatte Cordes Front gegen Staatshilfen für den angeschlagenen Tourismus- und Warenhauskonzern gemacht. Arcandor benötigt Eick zufolge Staatsbürgschaften von 650 Millionen Euro sowie einen Kredit der staatlichen Förderbank KfW[KFW.UL]. Ein Arcandor-Sprecher sagte, bis zum 12. Juni müsse sein Unternehmen eine Lösung seiner Finanzierungsprobleme finden. Eine Warenhaus-Allianz werde dabei nicht helfen.

Voraussetzung für die Bildung der “Deutschen Warenhaus AG” sei die Erarbeitung eines tragfähigen und betriebswirtschaftlich sinnvollen Konzepts, hieß es in der gemeinsamen Erklärung der beiden Konzerne weiter. Die Verhandlungen sollen nun fortgesetzt werden: Es sei ein “weiteres vertiefendes Gespräch zwischen beiden Parteien verabredet” worden. Details zu dem Spitzengespräch wollten beide Seiten nicht nennen: “Über weitere Inhalte des Treffens wurde Stillschweigen vereinbart.” Der Arcandor-Sprecher sagte, eine Insolvenz von Karstadt oder Arcandor dürfe nicht Voraussetzung für die Allianz sein.

KREISE - METRO-KONZEPT NICHT IN STEIN GEMEISSELT

In den vergangenen Tagen hatte es in unternehmensnahen Kreisen geheißen, Metro wolle die Karstadt-Warenhäuser mit ihren Kaufhof-Häusern in einer "Deutschen Warenhaus AG" zusammenlegen. An ihr sollten sich Metro und die Eigentümer der Karstadt-Immobilien wie Goldman SachsGS.N und die Deutsche-Bank-TochterDBKGn.DE Rreef jeweils mit knapp 50 Prozent beteiligen. Den Rest könnten Banken und andere Investoren halten. Nun hieß es aber im Umfeld der Metro, das Konzept sei "nicht in Stein gemeißelt". Auch Arcandor können einen Anteil an der Warenhaus AG halten.

Cordes hatte vor seinem Treffen mit Eick um politische Rückendeckung für sein Konzept einer Deutschen Warenhaus AG geworben. Der Metro-Chef habe seine Pläne bereits mit Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg erörtert, hatte es in Regierungskreisen geheißen. Eick stößt mit seiner Bitte um Garantien bislang bei der Bundesregierung auf nur verhaltene Reaktionen. Guttenberg hatte erklärt, die Mittel des Wirtschaftsfonds Deutschland seien an sich für Hilfen an Unternehmen gedacht, die als Folge der aktuellen Finanzkrise in Probleme geraten seien, und nicht zur Abfederung von Managementfehlern.

Guttenberg könnte zudem mit einer Ministererlaubnis auch Bedenken des Bundeskartellamts gegen die Bildung eines Warenhaus-Monopolisten aushebeln. Die Bonner Kartellwächter hatten bereits angekündigt, dass sie eine Allianz aus Karstadt und Kaufhof sehr genau unter die Lupe nehmen würden. In vielen deutschen Innenstädten liegen die Filialen der beiden Ketten in unmittelbarer Nähe zusammen. Konkurrent Hertie ist zudem aus dem Rennen. Eine Gläubigerversammlung hatte am Mittwoch das Aus beschlossen.

Reporter: Matthias Inverardi und Eva Kuehnen, bearbeitet von Olaf Brenner, redigiert von Christina Amann

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