June 3, 2009 / 1:39 PM / 11 years ago

Chancen für eine Arcandor-Rettung schwinden

Berlin/Düsseldorf (Reuters) - Für den ums Überleben kämpfenden Touristik- und Handelskonzern Arcandor mit seinen rund 50.000 Beschäftigten in Deutschland sinken die Chancen auf eine Rettung.

Around 3000 Arcandor employees protest in front of a Quelle shopping centre in Nuremberg June 3, 2009. Stricken German retailer Arcandor was in trouble before the financial crisis and therefore does not meet a key criterion for receiving aid from a German rescue fund, German Economy and Technology Minister Karl-Theodor zu Guttenberg said on Wednesday. REUTERS/Michaela Rehle (GERMANY POLITICS BUSINESS EMPLOYMENT CONFLICT)

Die EU-Kommission sieht keine Grundlage für die beantragte Sonder-Bürgschaft des Bundes, weil die Probleme des Konzerns nicht erst mit der Finanzkrise begonnen hätten, erläuterte am Mittwoch ein Sprecher von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. Mit dem Deutschlandfonds kann die Bundesregierung aber nur Unternehmen unterstützen, die im Zuge der Finanzkrise in Not geraten sind.

Aus Berlin, wo erneut der Bürgschaftsausschuss des Bundes tagte, folgten prompt negative Signale an Arcandor. Der Konzern will Bürgschaften des Bundes in einer Höhe von 650 Millionen Euro. Andernfalls droht die Insolvenz. Die EU-Kommission habe deutlich gemacht, dass der Weg über den Deutschlandfonds versperrt sei, sagte Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. “Wir haben heute eine sehr klare Ansage aus Brüssel bekommen, dass Arcandor bereits zum 1. Juli 2008 ein Unternehmen in Schwierigkeiten war.” Der 1. Juli ist der Stichtag für Hilfen aus dem Fonds - bestanden bereits vorher Probleme, dreht der Bund den Geldhahn nicht auf.

Der Bürgschaftsausschuss - ein Gremium von Fachberatern mehrerer Ministerien - ist die erste Hürde, die Arcandor nehmen müsste, um Hilfe zu bekommen. Guttenberg sagte, das Gremium sei zu keinem Ergebnis gekommen. Das Prozedere solle so lange wie möglich offengehalten werden. Es gebe Fragen zur Stabilität und Zukunftsfähigkeit des vorgelegten Konzepts. Vor allem von den Banken und Eigentümern würden mehr Antworten erwartet.

Guttenberg sagte zugleich, er habe Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick geraten, auch andere Möglichkeiten zu prüfen. Denkbar sind Rettungsbeihilfen und Hilfen zur Umstrukturierung, die aber von strengen Auflagen der EU-Kommission begleitet wären. Laut Guttenberg würde ein Rettungsbeihilfe-Verfahren zu heftigen Einschnitten führen. Eine solche Finanzspritze würde zu einem Kapazitätsabbau von mindestens 30 Prozent führen und wäre mit einem sehr hohen Arbeitsplatzabbau verbunden, sagte er.

Auf die Frage nach einer möglichen Fusion von Karstadt mit Kaufhof, die der Konkurrent Metro ins Gespräch gebracht hat, sagte Guttenberg, diese könne es im Rahmen einer Rettungsbeihilfe oder eines Insolvenzverfahrens geben. SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier sagte, eine Insolvenz wäre aus Sicht der Beschäftigten die schlechteste Variante. Deshalb werde man mit aller Kraft an einer Gesamtlösung für den Warenhaussektor in Deutschland arbeiten.

Ein Konzernsprecher sagte, Arcandor werde andere Wege prüfen, sei aber nach wie vor davon überzeugt, dass der Konzern die Kriterien für Hilfen aus dem Deutschlandfonds erfülle. Arcandor-Chef Eick will mit den Konzern mit seinen über 50.000 Mitarbeitern in Deutschland vor der Insolvenz retten.

FINANZKREISE - KREDITVERHANDLUNGEN INS STOCKEN GERATEN

Der Konzern argumentiert, er sei wegen des mangelnden Zugangs zum Kapitalmarkt in die derzeit schwierige finanzielle Situation geraten. 960 Millionen Euro müssen refinanziert werden, der Großteil bis zum 12. Juni. Weitere 900 Millionen Euro will Eick in den Konzernumbau stecken. In Berlin bemüht er sich um die Bürgschaft über 650 Millionen Euro und einen Kredit der Förderbank KfW über 200 Millionen Euro. Die Bürgschaft ist laut Arcandor Voraussetzung, dass die Banken ein Gesamtfinanzierungskonzept mittragen. In Finanzkreisen hieß es, kleinere Gläubiger sperrten sich derzeit gegen eine Verlängerung des am 12. Juni fälligen Kredits über 650 Millionen Euro.

Einige Politiker wollen auch die Großaktionäre stärker in die Pflicht nehmen. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) sagte, es sei zu klären, was für Sicherheiten bereitgestellt werden könnten und ob es Unternehmensteile gebe, die verkauft werden könnten oder die verpfändet seien.

Ein Sprecher der Bank Sal. Oppenheim sagte, der persönlich haftende Gesellschafter Friedrich Carl Janssen führe derzeit mit politischen Entscheidungsträgern Gespräche zum Thema. “Die Gespräche dienen Oppenheim dazu, ihren Beitrag für die Stützung des Handelskonzerns zu konkretisieren”, sagte er. In Finanzkreisen hieß es, der Vorschlag von Janssen sehe insbesondere vor, für den Fall einer Bürgschaft Arcandor-Aktien als Sicherheit zu hinterlegen. Auch Großaktionär Schickedanz stehe hinter den Vorschlägen.

Arcandor-Aktien waren am Mittwoch an der Börse auf Berg- und Talfahrt und schlossen am Ende kaum verändert mit 1,93 Euro.

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