28. August 2017 / 14:40 / vor einem Monat

Audi tauscht halben Vorstand aus - aber nicht den Chef

Audi CEO, Rupert Stadler gives a speech at the company's annual news conference in Ingolstadt, Germany, March 15, 2017. REUTERS/Lukas Barth

München (Reuters) - Der angeschlagene Audi-Chef Rupert Stadler soll zusammen mit vier neuen Vorstandsmitgliedern die VW-Tochter aus der Krise führen.

Wie erwartet tauschte der Audi-Aufsichtsrat unter Führung von VW-Chef Matthias Müller am Montag auf einen Schlag den halben Vorstand aus. Die neuen Ressortchefs für Finanzen, Vertrieb, Produktion und Personal - allesamt seit Jahren im Mehr-Marken-Konzern tätig - sollen ihre Posten am 1. September antreten, wie Audi nach einer außerordentlichen Sitzung der Kontrolleure in Ingolstadt mitteilte. Aufsichtsrat Wolfgang Porsche als Vertreter der Eigentümerfamilien stärkte Rupert Stadler gegenüber Reuters den Rücken: Der Manager besitze “alle Voraussetzungen”, um Audi gemeinsam mit den neuen Top-Managern “in eine erfolgreiche Zukunft zu lenken”.

Stadler ist seit gut zehn Jahren Chef in Ingolstadt und führte die Marke mit den vier Ringen in der Vergangenheit von Rekord zu Rekord. Seit Bekanntwerden des Dieselskandals vor fast zwei Jahren wird allerdings immer wieder über seine Ablösung spekuliert. Kritiker werfen Stadler vor, dass er bei der Aufarbeitung der Abgasaffäre eine unglückliche Figur abgebe. Informationen kämen nur häppchenweise ans Licht. Die Staatsanwaltschaft München, die gegen Audi ermittelt, ließ Stadler bisher unbehelligt. Neben ‘Dieselgate’ kämpfte Audi zuletzt auch mit selbst verschuldeten Problemen wie dem Händlerstreit im wichtigen Markt China oder der lange unklaren Strategie für die Fertigung von Elektroautos. Insgesamt fiel Audi bei Absatz und Rendite zuletzt hinter die Erzrivalen Mercedes und BMW zurück.

Vier neue Manager sollen es jetzt richten: Das Produktionsressort leitet künftig Peter Kössler (58), derzeit Chef der ungarischen Motorentochter und langjähriges Mitglied des Audi-Aufsichtsrats. Personalchef wird Wendelin Göbel (53), der nach vielen Jahren in Ingolstadt und Wolfsburg als Vertrauter von VW-Chef Müller gilt. Aus dem VW-Konzern kommen zwei Manager neu zu Audi: Der Niederländer Bram Schot (56), derzeit Vertriebschef von VW Nutzfahrzeuge, soll dieses Ressort in Ingolstadt übernehmen. Neuer Audi-Finanzchef wird Alexander Seitz (55), im VW-Konzern bis dato unter anderem in Südamerika und Schanghai tätig.

Den vier ausgetauschten Spitzenmanagern wurden laut Insidern jeweils unterschiedliche Versäumnisse oder Fehlentwicklungen vorgeworfen. Wie ein Audi-Sprecher sagte, scheiden alle vier Top-Manager komplett aus. Neue Posten, wie sie im VW-Konzern abgelösten Vorständen oft angeboten werden, gibt es demnach für Hubert Waltl, Thomas Sigi, Dietmar Voggenreiter und Axel Strotbek nicht.

Frischen Wind von außen holt sich Audi an ihrer Stelle nicht ins Haus, die vier Nachfolger kommen aus dem Konzern. “Die Familien haben verschiedene Szenarien geprüft”, intern wie extern, erklärte Wolfgang Porsche. Insidern zufolge war der Vorschlag für den neuen Produktionschef bei ihm zunächst auf Missfallen gestoßen. “Wir stehen hinter den heute getroffenen Entscheidungen”, betonte Porsche nun. Die Familien hätten sich “engagiert und konkret eingebracht”. Einem Audi-Sprecher zufolge fasste der Aufsichtsrat seine Beschlüsse einstimmig.

Kontrolleure wie Manager äußerten die Hoffnung, dass sich vor allem Kössler und Göbel wegen ihrer langen Berufserfahrung bei Audi schnell einarbeiten. Nächsten Montag steht in Ingolstadt bereits die erste Vorstandssitzung in neuer Besetzung an. Mitte September sollen die frisch gebackenen Audi-Vorstände auf der Automesse IAA in Frankfurt die Marke präsentieren.

Stadler sagte, gemeinsames Ziel sei es, den Wandel hin zu Elektromobilität, Digitalisierung und Mobilitätsdienstleistungen voranzutreiben. “Unser Wachstumsplan und die Strategie 2025 geben den Weg vor.” Dazu gehört auch ein Sparpaket im Volumen von zehn Milliarden Euro bis 2022. Betriebsratschef Peter Mosch sagte, unternehmerischer Erfolg und Belegschaftsbelange müssten ausbalanciert werden. Offener Dialog, konsequente Ausrichtung und “optimale Auslastung der Werke” seien wichtig.

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