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Unternehmensnachrichten

Audi-Ingenieur weist Verantwortung für Dieselskandal von sich

FILE PHOTO: The company logo is seen at the headquarters of the German car manufacturer Audi, amid the spread of the coronavirus disease (COVID-19) in Ingolstadt, Germany, June 3, 2020. REUTERS/Andreas Gebert/File Photo

München (Reuters) - Der im Münchener Audi-Prozess angeklagte Ingenieur Giovanni P. hat die Verantwortung für Manipulationen an Dieselmotoren von sich gewiesen.

Nicht P. gehöre auf die Anklagebank, sondern das Unternehmen, sagte sein Verteidiger Walter Lechner am Dienstag vor dem Landgericht München I. “Kein Ingenieur entscheidet darüber auf eigene Faust. Das war eine strategische Entscheidung.” Die Probleme, die Abgaswerte der “Clean Diesel”-Motoren ohne einen unerwünschten hohen Verbrauch des Harnstoff-Zusatzes “AdBlue” unter Kontrolle zu halten, seien allen bei Audi bekannt gewesen - bis hin zur Konzernspitze. Der heute 63-jährige P. war für die Abgasnachbehandlung verantwortlich und stand vier Hierarchiestufen unter dem Vorstand.

Er gilt als möglicher Kronzeuge der Staatsanwaltschaft. Sein Anwalt kündigte an, der Italiener werde umfassend aussagen. Auf der Anklagebank bei dem Mammut-Prozess sitzen neben P. einer seiner Untergebenen sowie seine Vorgesetzten Wolfgang Hatz, der für die Motorenentwicklung im ganzen VW-Konzern zuständig war, sowie der damalige Audi-Vorstandschef Rupert Stadler. “Die Frage ist: Wer wusste nicht Bescheid?” fragte Anwalt Lechner. P. sei immer transparent mit den Problemen umgegangen, die Audi letztlich mit einer Software zu lösen versuchte, die die Abgaswerte auf dem Prüfstand manipulierte. Die US-Umweltbehörden hatten das erst im September 2015 entdeckt. Dem früheren Konzernchef Stadler wirft die Staatsanwaltschaft vor allem vor, den Verkauf in Europa nicht sofort gestoppt zu haben.

Dass die Audi-Spitze versucht habe, die Manipulationen als Werk einzelner Ingenieure darzustellen, sei nicht glaubhaft. Die Ingolstädter VW-Tochter sei streng hierarchisch organisiert. “Herr P. hat nie etwas verheimlicht oder vertuscht”, betonte sein Verteidiger. Er habe einen wirklich sauberen Dieselmotor entwickeln wollen. Dass P. - wie es in der Anklage heißt - von seinen Mitarbeitern “intelligente Lösungen” gefordert habe, sei nie als Aufforderung zum Schummeln zu verstehen gewesen. Lechner warf der Audi-Spitze und der intern mit der Aufklärung betrauten Anwaltskanzlei Jones Day vor, die Aufdeckung behindert zu haben.

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