June 22, 2020 / 2:56 PM / 20 days ago

Bundesregierung verständigt sich auf Ausbildungsprämie

A general view shows the Chancellery in Berlin, Germany, March 23, 2020, as the spread of the coronavirus disease (COVID-19) continues.

Berlin (Reuters) - Die Bundesregierung hat sich auf eine Ausbildungsprämie von bis zu 3000 Euro verständigt, um einen Einbruch der betrieblichen Ausbildung als Folge der Coronavirus-Krise zu vermeiden.

Die vom Bildungs-, Wirtschafts- und Arbeitsministerium ausgearbeiteten Eckpunkte sollen am Mittwoch vom Kabinett beschlossen werden, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus Regierungskreisen am Montag. Für das Programm “Ausbildungsplätze sichern” will die Bundesregierung für dieses und das kommende Jahr insgesamt 500 Millionen Euro bereitstellen. Kernstück ist eine Prämie von 2000 oder 3000 Euro für kleine und mittelständische Unternehmen, die “in erheblichem Umfang” von der Krise betroffen sind und dennoch ausbilden. Allein dafür werden in den Eckpunkten bis zu 280 Millionen Euro veranschlagt.

In Handwerk, Industrie und Handel herrscht Sorge, dass die betriebliche Ausbildung einbricht. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier will am Dienstag einen gemeinsamen Appell mit den Spitzen von Gewerkschaften und Wirtschaftsverbänden vorstellen.

IM HANDWERK BISHER 18 PROZENT WENIGER VERTRÄGE

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum wurden bisher deutlich weniger Lehrverträge für das im Herbst beginnende Ausbildungsjahr abgeschlossen. Allein im Handwerk liegt die Zahl der von Januar bis Mai vereinbarten Lehrverträge um gut 18 Prozent unter dem Vorjahreswert. “Das liegt nicht nur an der wirtschaftlich angespannten Lage der Betriebe, sondern auch zu einem großen Teil an der Verunsicherung bei vielen Jugendlichen, ob Ausbildung überhaupt stattfindet”, erklärte Handwerks-Präsident Hans Peter Wollseifer. “Zudem fehlt den Jugendlichen die sonst übliche ‘analoge’ Information über Ausbildungsmessen, Azubi-Speed-Datings oder schulische Berufsorientierung.” Derzeit seien knapp 33.000 Handwerks-Lehrstellen noch nicht vergeben.

In die Reuters vorliegenden Eckpunkte wurden auch “ausbildende Einrichtungen in den Gesundheits- und Sozialberufen” aufgenommen. Neben der Ausbildungsprämie sehen die Eckpunkte auch Hilfen vor, wenn Kurzarbeit für Lehrlinge vermieden wird oder wenn Auszubildende aus insolventen Betrieben übernommen werden.

Die Ausbildungsprämie sollen Betriebe mit bis zu 249 Beschäftigten erhalten, die von der Krise stark betroffen sind, die aber dennoch die Zahl ihrer Lehrlinge im Vergleich zum Durchschnitt der vergangenen drei Jahre nicht verringern. Sie erhalten einen Zuschuss von 2000 Euro für jeden für das Ausbildungsjahr 2020 abgeschlossenen Lehrvertrag. Wenn sie ihre Ausbildung erhöhen, soll es 3000 Euro für jede zusätzliche Lehrstelle geben. Als besonders betroffen gilt ein Betrieb, in dem es im ersten Halbjahr wenigstens einen Monat Kurzarbeit gab und oder der Umsatz in den Monaten April und Mai um mindestens 60 Prozent gegenüber den Vorjahresmonaten eingebrochen ist.

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