April 15, 2015 / 9:37 AM / 5 years ago

Zahl der Ausbildungsverträge fällt auf Rekordtief

Berlin (Reuters) - Trotz aller Warnungen vor einem Fachkräftemangel wird in Deutschland so wenig ausgebildet wie nie seit der Wiedervereinigung.

German Education Minister Johanna Wanka gestures during a cabinet meeting at the Chancellery in Berlin, September 3, 2014. REUTERS/Hannibal (GERMANY - Tags: POLITICS EDUCATION)

Das Bundeskabinett verabschiedete am Mittwoch den Berufsbildungsbericht, wonach rund 522.200 junge Leute 2014 einen Ausbildungsvertrag abschlossen. Den Rückgang um 1,4 Prozent führte die Bundesregierung auf weniger Schulabgänger und die höhere Neigung zum Studium zurück. Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) forderte, die “Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Ausbildung muss in den Köpfen ankommen”. Die Arbeitgeber erklärten, für Unternehmen werde es immer schwieriger, ihren Fachkräftenachwuchs zu sichern.

Die Bilanz für 2014 markiert den Tiefstand im wiedervereinigten Deutschland. 2007 gab es mit knapp 626.000 Lehrverträgen noch über 100.000 mehr junge Leute, die den Weg einer beruflichen Ausbildung im dualen System von Betrieb und Berufsschule einschlugen. Gleichzeitig gibt es für immer mehr Lehrstellen keine geeigneten Bewerber, obwohl auch 2014 über 250.000 junge Leute im sogenannten Übergangsbereich landeten. Insgesamt stiegen 2014 rund 256.100 junge Leute in ein Programm zur Berufsorientierung, zur Förderung der Ausbildungsreife oder zum Nachholen von Hauptschul- oder Realschulabschluss ein. Etwa jeder Achte (13,1 Prozent) zwischen 20 und 29 Jahren in Deutschland hat keinen Berufsabschluss.

Erst am Dienstag hatten das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und das IAB der Bundesagentur für Arbeit gewarnt, dass es bis 2030 zu flächendeckenden Fachkräfteengpässen bei technischen Berufen kommen werde, die zumeist einen Berufsabschluss voraussetzen. Gleichzeitig sei ein Überangebot an Arbeitskräften unter anderem bei kaufmännischen Dienstleistungen zu erwarten.

Der Berufsbildungsbericht fiel zusammen mit Daten des Statistischen Bundesamtes, die sich geringfügig unterscheiden, weil die Behörde das Kalenderjahr 2014 erfasst, während der Regierungsbericht das Berufsberatungsjahr zugrunde legt, das am 30. September eines Jahres endet. Laut Statistikamt schlossen 518.000 junge Leute einen Ausbildungsvertrag ab. Im größten Ausbildungsbereich Industrie und Handel, zu dem auch Banken und Versicherungen gehören, wurden demnach 1,7 Prozent weniger Lehrlingsverträge abgeschlossen. Im Handwerk, dem zweitgrößten Bereich, gab es ein Minus von 1,5 Prozent.

WANKA: CHANCEN FÜR JUGENDLICHE SO GROSS WIE NIE

“Der Ausbildungsmarkt hat sich aus Sicht der Jugendlichen leicht verbessert und bietet ihnen so viele Chancen wie selten zuvor”, erklärte Bildungsministerin Wanka. Die gesellschaftliche Wertschätzung der dualen Ausbildung müsse wieder erhöht werden. Die Unternehmen müssten sich mit aller Kraft der Steigerung der Attraktivität der beruflichen Bildung widmen.

Die Arbeitgeber verwiesen darauf, dass erneut mehr Lehrstellen unbesetzt blieben als im Jahr davor. Die Zahl der Schulabgänger mit Haupt- und Realschulabschluss sei in den vergangenen zehn Jahren deutlich stärker gesunken als die Zahl der Ausbildungsverträge. “Die Jugendlichen haben damit deutlich bessere Chancen auf einen Ausbildungsplatz”, erklärte die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände. Das Engagement der Unternehmen sei anhaltend hoch.

Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) erklärte, junge Leute bräuchten beim Übergang in Ausbildung und Beruf mehr Unterstützung. Mit der Berufseinstiegsbegleitung werde ihnen in der Schlussphase der Schule gezielt unter die Arme gegriffen.

Bundesregierung, Deutscher Gewerkschaftsbund und die Wirtschaft hatten im Dezember eine neue Allianz für Aus- und Weiterbildung gegründet. Sie sieht unter anderem vor, dass in diesem Lehrjahr bis zu 10.000 Plätze für eine “assistierte Ausbildung” finanziell gefördert werden sollen. Lehrling und Betriebe erhalten dann Unterstützung von Trainern.

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