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Wirtschaftsnachrichten

Hilfsfonds für Zulieferer nach Autogipfel in Sicht

A worker wears a protective mask at the Volkswagen assembly line after VW re-starts Europe's largest car factory after coronavirus shutdown in Wolfsburg, Germany, April 27, 2020, as the spread of the coronavirus disease (COVID-19) continues. Swen Pfoertner/Pool via REUTERS

Frankfurt (Reuters) - Die Gewerkschaft IG Metall und der Industrieverband VDA sehen nach dem Autogipfel mit der Bundesregierung Chancen für einen Hilfsfonds für gefährdete Zulieferer in der Corona-Krise.

“Die Bundesregierung hat die schwierige Situation in der Zulieferindustrie wahrgenommen und versucht, Lösungen zu finden”, erklärte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann am Mittwoch. Die Gewerkschaft hatte Beteiligungsfonds vorgeschlagen, bei denen der Staat Risiken zum Teil als Bürge abdeckt, um private Investoren zu gewinnen. Bei dem Spitzentreffen von Politik und Wirtschaft zur Autoindustrie am Dienstagabend wurde eine Arbeitsgruppe vereinbart, die bis zum nächsten Treffen im November ein “marktwirtschaftliches Konzept” zur Stärkung des Eigenkapitals von Autozulieferern prüfen sollen.

Der VDA begrüßte den Ansatz - so lange es um keine direkte Beteiligung des Staats an Unternehmen geht. “Das ist sicher nicht im Sinne unserer marktwirtschaftlichen Ordnung. Das schließt aber Überlegungen zu einer möglichen Risikoabdeckung über den Staat nicht aus, zum Beispiel über Bürgschaften”, sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller. Es gelte zu verhindern, dass Unternehmen mit Überlebensperspektive nicht fortexistieren könnten, weil ihnen durch die Corona-Krise das Geld ausgehe.

Eine Staatsbürgschaft sei sinnvoll, erklärte auch Stefan Wolf, Chef des mittelständischen Zulieferers ElringKlinger und des Metall-Arbeitgeberverbandes Südwestmetall. Viele, vom Verbrennungsmotor abhängige Betriebe hätten wegen es Umbruchs zu Elektromobilität Probleme, an Fremdkapital zu kommen.

In Unionskreisen hieß es, die Idee sei, dass vorübergehend Finanzinvestoren einsteigen, die ursprünglichen Eigentümer aber ein Rückkaufrecht behielten. “Das soll vor allem Mittelständler überzeugen. Leider lehnen sie häufig so lange einen Einstieg von außen ab, bis ihre Unternehmen nicht mehr zu retten sind.” Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter forderte in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe ebenfalls Zuschüsse für kleinere Autozulieferer, “wenn sie auf neue und saubere Technologien setzen und ihre Produktionsstandorte garantieren”.

VDA - WOMÖGLICH BEI HILFEN NACHLEGEN

Eine Kaufprämie für Neuwagen mit Verbrennungsmotoren hatten VDA und IG Metall beim Gipfel nicht gefordert. Vor dem Treffen hatte sich die CSU aber erneut dafür stark gemacht. Im Juni hatte die Bundesregierung hatte den Vorschlag abgebügelt und vielmehr die schon länger bestehende Förderung von Elektroautos und Hybridwagen erhöht sowie die Mehrwertsteuer gesenkt. Der Strukturwandel weg vom Verbrenner soll nicht gebremst werden. Von Januar bis August erhöhte sich dank staatlicher Förderung der Marktanteil von Neuwagen mit reinem Elektroantrieb oder Plug-in-Hybrid-Motoren auf gut neun von rund drei Prozent.

Der VDA sieht aber Bedarf für zusätzliche Hilfen für die Branche, wenn sich die Nachfrage vom Corona-Schock nicht kräftig erholen sollte. Bisher gebe es keinen Anlass zu Optimismus.

An der Videokonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Fachministern hatten neben IG Metall und VDA auch die Regierungschefs der stark von der Autoindustrie abhängigen Länder teilgenommen. Der Deutschlandfunk berichtete, der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) habe gesagt, man müsse alle Kräfte bündeln, um möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten und neue zu schaffen. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) habe hingegen kritisiert, die unmittelbar anstehenden Herausforderungen seien offen geblieben. Die Betriebe müssten nicht nur die Transformation zu Digitalisierung und Elektrifizierung bewältigen, sondern kämpften auch mit stark zurückgehenden Verkaufszahlen.

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