October 24, 2019 / 11:50 AM / a month ago

Autobranche in der Krise - Daimler will "deutlich" sparen

Frankfurt (Reuters) - Die durch den Strukturwandel ohnehin schon schwer gestresste Autoindustrie fährt immer tiefer in die von US-Handelsstreit und Brexit angefachte Krise.

The Daimler logo is seen before the Daimler annual shareholder meeting in Berlin, Germany, April 5, 2018. REUTERS/Hannibal Hanschke

Als erster deutscher Autobauer legte Daimler am Donnerstag nach einem Milliardenverlust im Vorquartal für Juli bis September zwar einen Gewinnanstieg vor, doch der Ausblick blieb sorgenvoll. Vorstandschef Ola Källenius erklärte, der Autobauer müsse sich noch erheblich mehr bei der Transformation, etwa dem Wandel zu E-Autos, anstrengen und deutlich sparen. “Wir schauen uns alle Kosten an”, sagte Finanzvorstand Harald Wilhelm, einschließlich denen fürs Personal. “Schärfer” rangehen müsse der Konzern auch an die in den Vorjahren gestiegenen Investitionen. Details dazu wollen Källenius und Wilhelm am 14. November bekannt geben.

Von Personalabbau und Unternehmensumbau ist in der Branche allerorten die Rede, weil Gewinne wegbrechen. Zuletzt senkten Ford und Renault die Gewinnprognosen. Der zweitgrößte deutsche Zulieferer Continental schrieb Milliarden ab, weil er in den nächsten fünf Jahren kein Wachstum mehr der weltweiten Autoproduktion erwartet. Während bei Conti wegen des allmählichen Aussterbens von Verbrennungsmotoren 20.000 Jobs auf dem Prüfstand stehen, kündigte auch der weltweit größte Zulieferer Bosch weiteren Personalabbau an - zunächst 1600 Stellen in der Antriebstechnik bis 2021.

AUTOINDUSTRIE ALS KRISENHERD

“Der Einbruch des Weltautomarkts löst einen Konjunkturabschwung aus”, schrieb Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. In der Vergangenheit sei es andersherum gewesen - die Autoindustrie knickte ein, nachdem die Konjunktur auf Talfahrt gegangen sei. Die Branche wird gebeutelt vom Handelsstreit, einem Abschwung auf dem wichtigsten Markt China und vom Schwenk zur Elektromobilität, der Milliarden Investitionen erfordert. “Simultan geraten Autobauer und Zulieferer in eine Konjunktur- und Strukturkrise”, warnte Dudenhöffer. Ähnlich beschrieben es die führenden deutschen Wirtschaftsinstitute im Herbstgutachten. Die Industrieproduktion sinke in Deutschland besonders stark wegen der hohen Abhängigkeit von der Autoindustrie, die seit Mitte 2018 um 20 Prozent eingebrochen sei.

Die Schwäche der Autokonjunktur greift auch auf andere Branchen über - den Güterverkehr der Deutschen Bahn etwa, der womöglich in diesem Jahr noch tiefer in die Verlustzone rutscht. Oder die Chemiebranche: So rechnet BASF, bei denen die Autoindustrie mit einem Umsatzanteil von 20 Prozent die größte Kundengruppe ausmacht, mit bis zu 30 Prozent weniger Betriebsgewinn in diesem Jahr.

Der scheidende Präsident des Autoverbandes VDA, Bernhard Mattes, setzte unterdessen einen Kontrapunkt auf dem “Handelsblatt”-Autogipfel in Stuttgart. Die deutsche Autoindustrie habe ihre besten Zeiten noch vor sich, sagte er laut Redetext. Denn der Wunsch der Menschen nach individueller Mobilität wird nach Einschätzung von Mattes trotz der Klimadiskussion stärker. Die deutsche Industrie werde aus dem Umstieg auf emissionsfreie Autos gestärkt hervorgehen.

DAIMLER KÄMPFT MIT DIESEL-ALTLASTEN

Neben der schwinden Nachfrage am Pkw-Markt - und neuerdings auch an den Nutzfahrzeugmärkten in Europa und Nordamerika - leidet Daimler unter hausgemachten Problemen. So brockt der misslungene Produktionsanlauf des neu aufgelegten SUV-Modells GLE in den USA neben vielen Rechtsstreits über manipulierte Diesel-Abgasemissionen den Schwaben hohe Kosten auf. Nachdem erst im zweiten Quartal zweieinhalb Milliarden Euro für mögliche Lasten durch Dieselgate zurückgestellt wurden, warnte Daimler jetzt erneut, die bisherigen Rückstellungen könnten womöglich nicht ausreichen. In Europa rechnet der Autobauer nach dem jüngsten Reparaturanordnung des KBA zu rund 260.000 Sprintern mit weiteren Rückrufaktionen. In den USA laufen noch immer Ermittlungen, aus denen nach Einschätzung von Frank Schwope, Analyst von der Norddeutschen Landesbank, Milliardenbelastungen folgen könnten.

Daimler-Aktien legten unterdessen um mehr als 3,5 Prozent zu, weil das dritte Quartal besser ausgefallen war als erwartet. Der operative Gewinn (Ebit) stieg dank steigenden Absatzes von Mercedes-Pkw und Vans um acht Prozent auf knapp 2,7 Milliarden Euro. Im zweiten Quartal hatte der Premiumhersteller erstmals seit fast zehn Jahren Verlust geschrieben. Von Januar bis September liegt der operative Gewinn trotz eines leichten Umsatzanstiegs auf 125,6 Milliarden Euro mit 3,9 Milliarden Euro aber noch um mehr als die Hälfte unter dem Vorjahreswert. Im Gesamtjahr soll das Ebit deutlich, also um mehr als 15 Prozent sinken - Analysten kalkulierten zuletzt mit einem Minus von einem Drittel.

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