November 13, 2008 / 5:32 PM / 10 years ago

Erster Autozulieferer wegen Finanzkrise vor dem Aus

Hamburg (Reuters) - Wegen der Finanzkrise steht ein erster deutscher Autozulieferer vor dem Aus.

Der Firma Stankiewicz aus dem niedersächsischen Adelheidsdorf mit weltweit über 2100 Beschäftigten droht die Insolvenz, weil die Banken nicht ausreichend Kredite bereitstellten, bestätigte eine Sprecherin am Donnerstag Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Stankiewicz war 2006 von dem hannoverschen Autozulieferer Continental an den niederländischen Finanzinvestor Gilde Buy-Out Fund verkaufte worden. Das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von zuletzt 270 Millionen Euro stellt unter anderem Schallisolierungen für gehobene Pkw her.

Die Sprecherin sagte, mit den Hauptkunden, darunter Volkswagen, Audi, BMW und Daimler, würden derzeit Gespräche über die Rettung geführt. Stankiewicz beliefert nach eigenen Angaben auch den US-Konzern General Motors, den französischen Autobauer Renault und den Lkw-Bauer MAN. Der VDA erklärte, Stankiewicz verfüge über einen soliden Sanierungsplan. Den Banken warf der Verband vor, dem Unternehmen mit der Kündigung von Kreditlinien die Zukunft zu verbauen und die Auswirkungen einseitig auf dessen Kundschaft zu verlagern.

VDA WARNT VOR KREDITKLEMME

Zugleich appellierte der VDA an die Banken, der meist mittelständischen Zulieferindustrie die Kredite nicht zu kündigen. “In den letzten Wochen mehren sich die Nachrichten von Zulieferfirmen, dass einige Geschäftsbanken, zu denen auch Landesbanken gehören, zunehmend Kreditzusagen verteuern, zurückziehen oder Kredite kurzfristig fällig stellen”, erklärte der VDA. “Damit kann gerade auch klein- und mittelständischen Betrieben der Entzug der Existenzgrundlage drohen, was den Verlust von mehreren tausend Arbeitsplätzen am Standort Deutschland bedeuten könnte.” Die von einigen Kreditinstituten bereits in Anspruch genommenen Mittel aus dem Rettungspaket des Bundes sollten nicht nur zur Verbesserung von deren Bilanzen verwendet werden, sondern vielmehr, “um das laufende Geschäft mit den Geschäftspartnern der Banken weiterführen zu können”. Der Aufruf des VDA ist die erste so deutliche Warnung eines großen Branchenverbandes vor den Folgen verschärfter Kreditbedingungen.

Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte bereits kritisiert, “die EZB hat zwar die Leitzinsen gesenkt, aber die Geschäftsbanken leiten den Liquiditätsfluss nicht weiter”. Auch der Autohandel sei von dem Engpass bedroht. In kaum einer anderen Branche sind Hersteller und Lieferanten so voneinander abhängig wie in der Autoindustrie. Die Hersteller haben ihre Lieferanten in den vergangenen Jahren immer stärker in ihre Produktions- und Entwicklungsabläufe eingebunden. Sie ringen ihnen regelmäßig Zugeständnisse bei den Preisen ab, die die Teilehersteller unablässig zu Produktivitätsforschritten zwingen. Vielen Mittelständlern gelingt das immer weniger.

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