October 18, 2012 / 3:36 PM / 7 years ago

INTERVIEW - Springer-Chef will Digitalgeschäft vorantreiben

The logo of German publisher Axel Springer is pictured in front of the company's headquarters in Berlin April 23, 2012. Picture taken with zoom-out effect. REUTERS/Fabrizio Bensch (GERMANY - Tags: CITYSPACE BUSINESS LOGO) BEST QUALITY AVAILABLE

Berlin (Reuters) - Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner rechnet mit beschleunigtem Wachstum des Medienkonzerns im Digitalgeschäft. Bisher sei angestrebt worden, dass dieser Bereich bis 2020 die Hälfte des Konzernumsatzes erwirtschafte, doch “ich bin optimistisch, dass wir dieses Ziel vielleicht auch früher erreichen”, sagte Döpfner der Nachrichtenagentur Reuters in einem Interview in Berlin. Dies werde ausdrücklich durch den Ausbau des Digitalgeschäfts angestrebt: “Wichtig ist, dass wir es nicht erreichen, weil das Printgeschäft so schnell verfällt.” Derzeit liegt der Umsatzanteil des digitalen Geschäfts bei gut einem Drittel. Dazu zählen neben digitalen Medien auch Rubrikenportale wie die Immobilien-Website Immonet und die Jobbörse Stepstone sowie Online-Marketing-Anbieter wie Zanox.

Döpfner schaut verstärkt über den Atlantik auf die Konzerne wie Apple und Google. “Diese Supergiganten sind unsere Geschäftspartner und existenzielle Herausforderung zugleich. Dagegen sind wir doch eher eine kleine Start-Up-Bude aus Kreuzberg.” Vor allem Google ist in den vergangenen Jahren zu einem Synonym für die Kostenloskultur im Web geworben, die dem Vorstandschef des “Bild”- und “Welt”-Herausgebers arge Kopfschmerzen bereitet.

Doch Döpfner erkennt Anzeichen, dass es in der Branche einen “wachsenden Konsens gibt, die Idee, dauerhaft Freibier auszuschenken, ad acta zu legen. Zudem sehe ich eine zunehmende Akzeptanz bei den Endverbrauchern, für Inhalte zu bezahlen, insofern diese Mehrwert bieten und der Bezahlvorgang einfach ist.” Vor allem für die mobilen Geräte wie Smartphones und Tablets, für die es bereits zahlreiche Springer-Apps gibt, macht Döpfner eine zweite Chance aus, “den Ursprungsfehler der Kostenloskultur zu beheben.” Die Apps aus dem Springer-Haus sind bereits alle gebührenpflichtig. Ein Schub für die digitalen Angebote erhofft sich Springer auch von der Fußball-Bundesligasaison 2013/14, deren Höhepunkte der jeweiligen Spieltage der im MDAX notierte Konzern digital anbieten wird.

“WELT”-ONLINEAUFTRITT NOCH DIESES JAHR KOSTENPFLICHTIG

Damit wird es Döpfner zufolge nicht enden. “Wir wollen mit dem Online-Auftritt der ‘Welt’ bis zum Ende des Jahres startklar sein für die Umwandlung in ein Bezahlmodell”, kündigte der 49-Jährige an, der vor seiner Zeit als Vorstandschef “Welt”-Chefredakteur war. Vorbild sei das Online-Angebot der “New York Times”, bei der zunächst einige Artikel kostenlos sind und erst später gezahlt werden muss. Im kommenden Jahr würden die Online-Ableger weiterer Printmedien folgen. Angesichts der herrschenden Gratiskultur im Web bezeichnete Döpfner dieses Vorgehen als nicht risikofrei, er könne “nicht garantieren, dass es klappt, aber ich bin heute zuversichtlicher als vor ein, zwei Jahren”. Döpfner betonte: “Wir verteidigen nicht die gedruckte Zeitung, wir verteidigen den Journalismus.”

In den Abgesang auf den Printmarkt in Deutschland wollte Döpfner nicht einstimmen: “Die goldenen Zeiten des Zeitungsgeschäfts sind vorbei, aber die silbernen können auch noch ganz schön sein.” Angesichts dessen bezeichnete der Springer-Chef, der selbst mehr als drei Prozent am Unternehmen hält, die Wahrscheinlichkeit, dass in Print-Produkte investiert wird, als “außerordentlich gering”. Auch Springer kämpft mit sinkenden Absatzzahlen. Die verkaufte “Bild”-Auflage liegt derzeit bei 2,7 Millionen Exemplare, vor 20 Jahren waren es rund 4,5 Millionen.

WEITERE ZUKÄUFE IM RUBRIKENGESCHÄFT ANGESTREBT

Dem Berliner Verlagshaus gehört zusammen mit dem US-Finanzinvestor General Atlantic (GA) ein Joint-Venture, in dem die Rubrikengeschäfte von Seloger.com, Immonet und Stepstone zusammengefasst sind. Nach der Übernahme der britischen Totaljobs-Gruppe für rund 132 Millionen Euro kündigte Döpfner nun weitere Zukäufe an, “ungefähr in dieser Dimension”. Ob es noch in diesem Jahr soweit ist, wollte er nicht verraten. Zuletzt hatte GA-Manager Jörn Nikolay gesagt, man verhandele in einem Fall exklusiv. Es gehe um eine Übernahme außerhalb Deutschlands.

- von Nadine Schimroszik

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