December 4, 2019 / 12:20 PM / 8 days ago

Bahnchef Lutz will Konzerntochter Arriva 2020 an die Börse bringen

The logo of German railway Deutsche Bahn is seen in a watch at the main train station in Frankfurt, Germany, March 27, 2019. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Berlin (Reuters) - Deutsche Bahn-Chef Richard Lutz will die internationale Nahverkehrstochter Arriva an die Börse bringen.

Eine Bahn-Sprecherin bestätigte am Mittwoch entsprechende Pläne für das nächste Jahr. Konzernvertreter sagten, Arriva könnte im zweiten Quartal ab Mai an der Börse in Amsterdam mit einem Minderheitsanteil von etwa 25 Prozent gelistet werden. Über die nächsten Jahre wolle Lutz dann den Rest verkaufen. Im Aufsichtsrat wurde betont, dass dies noch nicht gebilligt sei: “Wir kennen das Konzept noch nicht und es wird im Dezember auch noch nicht beschlossen”, sagte ein Vertreter zu Reuters.

Es sei zwar richtig, dass ab dem zweiten Quartal ein Börsengang der britischen Tochter grundsätzlich möglich sei, sagte das Aufsichtsratsmitglied. Es müsse aber sicher gestellt werden, dass die Erlöse mindestens dem Buchwert von zuletzt etwa zwei Milliarden Euro entsprächen. Geprüft werden müssten zudem die Brexit-Auswirkungen sowie nötige Investitionen in Arriva.

Der Aufsichtsrat hat bereits sowohl die Vorbereitung eines Direkt-Verkauf als auch einen Börsengang grundsätzlich gebilligt. Beide Wege hatte der frühere Finanzvorstand Alexander Doll vorbereitet. Lange hatte die Bahn einen Direktverkauf bevorzugt, da bei diesem mit einem Schlag Geld in den hoch verschuldeten Staatskonzern fließen würde. Wegen Pensionsverpflichtungen von über 400 Millionen Euro zeichneten sich die erhofften Erlöse aber nicht ab. Doll wurde vorgeworfen darüber nicht transparent Auskunft gegeben zu haben und verlässt daher den Konzern.

BAHN GEWINNT DURCH AUSGABE WEITERE ANLEIHEN ZEIT

Mit der Ausgabe weiterer milliardenschwerer Hybrid-Anleihen, die formal nicht als Schulden gelten, will die Bahn im nächsten Jahr ihre Finanzierungslücke weitgehend schließen und Zeit gewinnen. Arriva mit Sitz in Großbritannien war 2010 von der Bahn gekauft worden. Das Unternehmen erzielt mit über 50.000 Mitarbeitern europaweit einen Umsatz von mehr als fünf Milliarden Euro. Es könnte aber von den Turbulenzen rund um den geplanten EU-Ausstieg der Briten getroffen werden. Dies macht auch eine Bewertung von Arriva schwer. Zudem bräuchte Arriva zusätzliches Geld: “Aktuell begrenzen mangelnde finanzielle Spielräume das Wachstum und damit die Weiterentwicklung dieses Investments”, hieß es in einem Bahn- Dokument aus dem Frühjahr.

Die FDP im Bundestag lobt die Pläne für einen Börsengang von Arriva, sie gingen aber noch nicht weit genug. Mittelfristig müsse sich die Bahn von Arriva komplett trennen. “Langfristiges Ziel der Bahn muss der Verkauf von weiteren Unternehmensbeteiligungen außerhalb des Kerngeschäfts bleiben, um endlich alle verfügbaren finanziellen Mittel in den deutschen Schienenverkehr investieren zu können”, sagte ihr Bahn-Experte Thorsten Herbst.

In der Diskussion ist dabei immer wieder die internationale Logistik-Tochter Schenker. In Bahn-Dokumenten war zumindest der Verkauf eines Minderheitsanteils auch nicht ausgeschlossen worden.

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