October 19, 2010 / 4:41 PM / 8 years ago

Bahn bläst mit Tunnel-ICE zum Angriff auf Flugverkehr

London (Reuters) - Die Deutsche Bahn hat das Startsignal zum Angriff auf die Fluglinien im Europaverkehr nach London gegeben.

Britain's Minister of State for Transport Theresa Villiers (C), Rudiger Gruber (L) President of Deutsche Bahn and Germany's Transport Minister Peter Ramsauer pose next to the new ICE German high speed train at St Pancras station in London, October 19, 2010. REUTERS/Andrew Winning

Frankfurt und Köln, aber auch Amsterdam und Rotterdam sollen mit Hochgeschwindigkeits-Zügen durch den Kanaltunnel an die britische Hauptstadt angebunden werden. “Der erste Meilenstein auf dem Weg zu einem regelmäßigen ICE-Direktverkehr ab 2013 ist vollbracht”, sagte Bahnchef Rüdiger Grube am Dienstag in London bei der Präsentation eines ICE-3-Zuges im Bahnhof St. Pancras. “Unser heimliches Ziel für den Start sind aber schon die Olympischen Spiele 2012 in London”, ergänzte er. Die Triebwagen hatten zuvor einen Sicherheitstest im Kanaltunnel absolviert.

Bisher haben nur die Züge der französisch dominierten Eurostar-Gesellschaft die Strecke unter dem Kanal Richtung Paris und Brüssel befahren. Frankreich will den Einsatz deutscher ICEs verhindern und argumentiert mit Sicherheitsbedenken.

Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) nannte es dagegen einen gewaltigen Fortschritt für den europäischen Zugverkehr, wenn die Verbindung zwischen Köln, Frankfurt und London in Betrieb gehe. “Davon würde die wirtschaftliche Entwicklung der drei Metropolen enorm profitieren”, sagte er. “Die Einwendungen von französischer Seite verwundern mich aber etwas.” Er werde am Mittwoch mit der französischen Regierung in Paris darüber sprechen. “Ich bin mir aber ganz sicher, dass wir das hinbekommen werden.”

Auch die britische Verkehrsstaatssekretärin Theresa Villiers sagte, die neuen Verbindungen wären für Touristen und Geschäftsreisende gleichermaßen attraktiv. Sie äußerte sich ebenfalls optimistisch, dass die Sicherheitsfragen gelöst werden könnten.

FRANKFURT-LONDON IN RUND FÜNF STUNDEN

Spätestens ab Ende 2013 sollen jeweils morgens, mittags und abends Züge zwischen Europas größten Finanzzentren Frankfurt und London pendeln. Die Strecke soll in rund fünf Stunden bewältigt werden. Von Köln nach London sollen es unter vier Stunden sein. Parallel dazu sind Verbindungen von Amsterdam über Rotterdam und Brüssel in die britische Hauptstadt vorgesehen. Preise nannte die Bahn noch nicht. Der Marktanteil von unter fünf Prozent für die Bahn auf den Strecken soll dann zunächst auf 15 Prozent steigen. Das entspricht etwa eine Million Kunden pro Jahr.

Der deutsche Staatskonzern will damit nicht nur dem Eurostar Konkurrenz machen, sondern vor allem die Fluglinien auf einer der meistgeflogenen Strecken Europas angreifen. Allein zwischen London und dem Rhein-Main-Gebiet gebe es täglich rund 50 Linienflüge, sagte Bahnchef Grube. “Das ist ein Kuchen, der bisher für die Eisenbahn unerreichbar war.” Geschäftsleute könnten die Reisezeit im Zug mit Internet-Verbindung auch zum Arbeiten nutzen. Die Zugfahrt sei so nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch bequemer.

Grube betonte, man beginne intensiv mit den Vorbereitungen für eine Zulassung des Zuges für die Fahrt durch den Kanaltunnel. Dazu diente auch ein erster Test am Wochenende, bei denen der ICE-3 mit rund 300 Menschen evakuiert wurde. “Wir wollen und werden alle Sicherheitsbestimmungen erfüllen”, sagte er.

FRANKREICH VERÄRGERT ÜBER DROHENDE KONKURRENZ

Der Kanaltunnel, dessen Sicherheit von Frankreich und Großbritannien kontrolliert wird, wird bislang nur vom französischen TGV der Eurostar-Gesellschaft befahren. Die französische Regierung argumentiert, der ICE-3 von Siemens könne den Tunnel aus Sicherheitsgründen nicht befahren. Daher hatte Frankreich auch Einspruch gegen den angekündigten Kauf von Velaro-Zügen, einem modernisierten Nachfolger des ICE-3, durch Eurostar erhoben. Eurostar will damit den Angriff der Deutschen Bahn kontern und ebenfalls weitere Ziele in Kontinentaleuropa anfahren. Die französische Staatsbahn SNCF ist Mehrheitsgesellschafter bei Eurostar.

Der angekündigte Kauf deutscher Züge für Eurostar war auch Thema bei den Gesprächen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy im französischen Deauville. Nach Angaben aus Delegationskreisen will die französische Regierung weiter Widerstand gegen die Bestellung bei Siemens leisten. Sowohl die Bundesregierung als auch die britische Regierung seien aber überzeugt davon, dass die Züge die Anforderungen erfüllen und sich am Ende die besten Bieter durchsetzen würden, hieß es in der deutschen Delegation.

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