April 1, 2009 / 5:19 PM / 10 years ago

PORTRÄT-Rüdiger Grube - Strippenzieher soll Bahn führen

- von Alexander Hübner -

Frankfurt, 01. Apr (Reuters) - Zu Hartmut Mehdorn wäre Rüdiger Grube als Bahn[DBN.UL]-Vorstandschef das größtmögliche Kontrastprogramm. Hier der extrovertierte, kantige Mann, der sich öffentlich in jede Redeschlacht wirft und gerne aneckt. Dort der stets freundliche, aber unauffällige zweite Mann, der lieber im Hintergrund die Strippen zieht - bei der Fusion von Daimler und Chrysler ebenso wie bei dem deutsch-französischen Zusammenschluss von Dasa und Lagardere zur EADS.

Der 57-jährige Grube, seit 2001 im Vorstand des Autobauers Daimler(DAIGn.DE) für die Strategie verantwortlich, war erst für Jürgen Schrempp und jetzt für Dieter Zetsche immer dann der Mann der Wahl, wenn es unangenehme und schwierige Aufgaben zu lösen gilt. Nicht umsonst vertritt er die Interessen des Großaktionärs Daimler beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADSEAD.PA, dessen alleiniger Verwaltungsratschef er seit eineinhalb Jahren ist. In dieser Rolle stand Grube in engem Kontakt mit der Bundesregierung, die ihren Einfluss bei EADS als Gegenpol zu Frankreich im Hintergrund geltend zu machen versuchte.

Alle Umwege und Kehrtwendungen in der Strategie hat Grube stets mitgemacht. Weniger erfolgreich war er als “Außenminister” von Daimler in China und Japan, wo er für Schrempp den Traum vom Weltkonzern retten sollte, ehe sich Daimler bei Mitsubishi(7211.T) doch wieder zurückzog. Als Board-Mitglied bei Chrysler[CBS.UL] darf Grube die Reste dessen beaufsichtigen, was er mit Schrempp als “Fusion unter Gleichen” einst eingefädelt und später ebenso maßgeblich wieder aufgelöst hatte.

Dass Zetsche ihn, der als enger Vertrauter Schrempps galt, auch nach dessen Abgang im Vorstand behielt, darf als Zeichen für seine Fähigkeiten gewertet werden. Auf Fotos sieht man den gebürtigen Hamburger meist mit einer großen Aktentasche neben seinem Vorstandschef herlaufen. Der große Auftritt ist nicht sein Ding - als Bahn-Chef käme er darum wohl nicht herum.

Mit Mehdorn verbinden Grube gemeinsame Jahre beim Luft- und Raumfahrtkonzern Dasa, wo er Vorstandschef Mehdorn Anfang der 1990er Jahre in München als Büroleiter zuarbeitete. Der Dasa-Vorgänger MBB war Grubes erste Station in der Industrie, vorher lehrte der promovierte Diplom-Ingenieur und Arbeitswissenschaftler an der Universität in seiner Heimatstadt Fertigungstechnik.

Den Daimler-Konzern hat er nur einmal verlassen. 1999 wechselte er als Partner zum Stuttgarter Immobilienkonzern Häusler, an dem er sich beteiligte. Zwei Jahre später holte ihn Schrempp zurück in den Vorstand. Sein Vertrag läuft bis 2010.

unter Mitarbeit von Hendrik Sackmann; redigiert von Sabine Ehrhardt

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