July 25, 2018 / 1:33 PM / 3 months ago

Güterverkehr und ICE-Unpünktlichkeit kippen Bahn-Gewinnziel

Berlin (Reuters) - Die Deutsche Bahn gibt wegen der Dauerprobleme beim Schienengüter-Verkehr und der Pünktlichkeit ihren Gewinnplan auf.

The Deutsche Bahn main train station "Hauptbahnhof" in Frankfurt, Germany, March 15, 2017. REUTERS/Kai Pfaffenbach

In diesem Jahr werde nur noch mit einem Betriebsgewinn von 2,1 Milliarden Euro statt wie bisher mindestens 2,2 Milliarden Euro gerechnet, gab der Konzern am Mittwoch zur Halbjahresbilanz in Berlin bekannt. Als Grund nannte die Bahn zusätzliche Ausgaben für mehr Pünktlichkeit von 100 Millionen Euro. Im Fernverkehr waren in den ersten sechs Monaten nicht einmal acht von zehn Zügen mit weniger als sechs Minuten Verspätung unterwegs. Im ersten Halbjahr 2018 ging der Betriebsgewinn (Ebit - Gewinn vor Zinsen und Steuern) um über 17 Prozent auf 974 Millionen Euro zurück. Neben der Güterbahn lag auch der Regionalverkehr deutlich unter dem Vorjahresergebnis. Der Konzernumsatz hingegen legte leicht zu.

Bahnchef Richard Lutz räumte ein, dass die Pünktlichkeit von ICE und IC unbefriedigend sei. Hier stiegen die Passagierzahlen in den ersten sechs Monaten des Jahres - auch dank zahlreicher Sonderpreise - zwar erneut um fast vier Prozent. Die Qualität müsse aber besser werden. “Wir kämpfen weiter um jede Minute.” Er gehe aber davon aus, dass die Investitionen etwa in ein Lagezentrum für Pünktlichkeit Wirkung zeigen würden. Eine Pünktlichkeit im Jahresschnitt von mehr als 80 Prozent sei zwar nicht mehr zu schaffen. “Im zweiten Halbjahr erwarten wir aber eine Trendwende.” Dies gelte auch für die Geschäftsentwicklung insgesamt, die sich nach dem deutlich schwächeren ersten Halbjahr bessern werde. “Wir erwarten, den Rückstand bis zum Jahresende aufzuholen.”

Dies gilt laut Geschäftsbericht nur eingeschränkt für die Dauerbaustelle Güterbahn DB Cargo. Der einstige Monopolist hat hier nur einen Marktanteil von rund 50 Prozent. Im ersten Halbjahr ging die Transportleistung erneut um fast sieben Prozent, der Betriebsgewinn lag um rund 100 Millionen Euro unter dem Vorjahreszeitraum. Lutz machte dafür unter anderem Auswirkungen des Bahnstreiks in Frankreich und den Frühjahrssturm “Friederike” verantwortlich. Er räumte aber ein, es gebe auch hausgemachte Probleme. Seit drei Jahren laufen Sanierungsversuche der Sparte, auf die auch die Bundesregierung wegen des Klimaschutzes und der hohen Belastung der Straßen durch LKW-Flotten große Hoffnungen setzt. Erfolge sind aber bislang ausgeblieben. Dennoch sagte Lutz, erneute Abschreibungen auf den Unternehmenswert könnten voraussichtlich vermieden werden. Diese hatten den gesamten Konzern 2015 in die rote Zahlen gedrückt.

Trotz der schwächeren Zahlen zeigte sich Lutz zuversichtlich, dass die Schulden des Staatskonzerns nicht über 20 Milliarden Euro klettern würden. “Das ist für uns die Richtschnur, um das Rating stabil zu halten.” Bei einer Abstufung der Kreditwürdigkeit müsste die hochverschuldete Bahn mehr Zinsen zahlen. Der Haushaltsausschuss des Bundestages hatte daher eine Obergrenze von 20,4 Milliarden Euro genannt. Er ist beunruhigt, dass sonst der Steuerzahler dem Unternehmen erneut unter die Arme greifen müsste. Sie hatten schon 2016 die Bahn mit einer milliardenschweren Kapitalerhöhung stützen müssen.

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