November 15, 2018 / 2:06 PM / 25 days ago

Bahn will in Deutschland bis 2023 wieder flott werden

Berlin (Reuters) - Die Bahn will ihren Krisen-Betrieb in Deutschland bis 2023 in den Griff bekommen und verlangt dafür milliardenschwere Hilfen.

The headquarters of German rail operator Deutsche Bahn is pictured in Berlin, Germany, November 6, 2018. REUTERS/Fabrizio Bensch

Zwischen 2019 und 2022 müssten fünf Milliarden Euro zusätzlich investiert werden, heißt es in Konzernunterlagen, die der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag vorlagen. Bis dahin könne man die Engpässe bei Zügen, Personal und auf dem Netz beseitigen. Der Betriebsgewinn von Netz, Fern- und Nahverkehrszügen sowie der Frachtsparte DB Cargo werde bis 2023 dann um eine Milliarde Euro klettern. “Am Ende des Mittelfristzeitraums wollen wir wirtschaftlich auf eigenen Füßen stehen und alle für das Geschäft und die Zukunft notwendigen Ausgaben aus eigener Kraft und ohne zusätzliche Verschuldung stemmen”, heißt es in den Unterlagen.

Die Bahn ist derzeit nicht in der Lage, ihre Investitionen aus dem Gewinn zu bezahlen und hat daher die Schulden bis auf 20 Milliarden Euro in die Höhe getrieben. “Wir müssen mehr Geld in die Hand nehmen als geplant: in Infrastruktur, Fahrzeuge und Personal ebenso wie in Qualität, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit”, heißt es jetzt in den Unterlagen. Bahnchef Richard Lutz hat angedeutet, die Auslands-Nahverkehrstochter Arriva zu verkaufen, mit der die Investitionen zu einem großen Teil bezahlt werden könnten. Ein Verkauf oder Börsengang trifft im Aufsichtsrat aber auf Skepsis. Da Arriva den Sitz in Großbritannien hat und dort auch ein großer Teil des Geschäfts ist, dürfte der Wert wegen des Brexits geschmälert werden. In der kommenden Woche will sich der Bahn-Aufsichtsrat mit der Lage und den Forderungen des Konzerns befassen.

Die Konzernvorstände machen in den Papieren deutlich, dass die vergangenen Versuche, das Deutschland-Geschäft zu sanieren, im Kern gescheitert sind. Und dies, obwohl der politische Wille, den Schienenverkehr im Kampf gegen den Klimawandel zu stützen, noch nie so groß wie jetzt gewesen sei. Zudem sei die wirtschaftliche Gesamtlage in Deutschland gut, was sich in der Nachfrage beim Güterverkehr oder in der wachsenden Zahl der Passagiere spiegele. Die Bestandsaufnahme der Versuche falle dennoch gemischt aus, “da zentrale Ziele für 2018 nicht erreicht werden”, heißt es. Kapazitätsprobleme bei Fahrzeugen, Personal und Netz seien der Hauptgrund.

ZÜGE BLEIBEN AUF JAHRE UNPÜNKTLICH

So seien 2018 allein bis Ende September über 150 ICE- und IC-Züge aus technischen Gründen ganz oder teilweise ausgefallen. Das ist weit mehr als in den kompletten Gesamtjahren zuvor. Ausfälle werden in der Pünktlichkeitsstatistik der Bahn gar nicht berücksichtigt. Aber auch ohne diesen Faktor werden laut Unterlagen in diesem Jahr ein Viertel der Züge mit sechs Minuten und mehr Verspätung unterwegs gewesen sein. Dies sind noch mehr als in den Vorjahren. Ziel ist eigentlich für 2018 gewesen, dass 82 Prozent pünktlich sind. Das kann nun aber erst 2025 erreicht werden - und nur bei weiteren Investitionen.

WEGEN LOKFÜHRERMANGEL FAHREN TAUSENDE FRACHTZÜGE NICHT

Der Mangel an Lokführern und anderem Personal wird als ein Kernproblem ausgemacht: In diesem Jahr allein sollen fast 25.000 neue Mitarbeiter eingestellt werden, im nächsten noch einmal rund 20.000. Der Mangel an Lokführern macht sich dabei bei der Güterbahn besonders bemerkbar. Die defizitäre Sparte musste in diesem Jahr Aufträge für über 5000 Züge ablehnen. 3000 davon wegen Lokführer-Mangels. Allein im Oktober stand täglich rund 140 Züge an den Bahnhöfen und konnten nicht abgefahren werden.

Die Sparte DB Cargo wird so 2018 trotz aller Sanierungsversuche mit 200 Millionen Euro den höchsten Verlust der letzten zehn Jahre einfahren. 2019 soll jetzt die Trendwende kommen, 2023 die Sparte mit 340 Millionen Euro Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) wieder profitabel werden.

Bei der Sanierung des Gesamtgeschäfts in Deutschland soll der Fernverkehr mit einem Plus beim Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) von fast 80 Prozent einen Beitrag liefern. Das Ebit soll dann auf knapp 740 Millionen Euro von den 2018 erwarteten gut 400 Millionen wachsen. Der Fernverkehr ist die einzige größere Sparte, die in Deutschland trotz der vielen Verspätungen und Fahrzeugmängel vergleichsweise gut läuft.

Der Aufsichtsrat des Staatskonzerns will sich in der nächsten Woche in einer Sondersitzung mit der Analyse und den Plänen befassen.

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