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Unternehmensnachrichten

Statt Tarifeinigung nun neuer Streit zwischen Bahn und Gewerkschaft EVG

A passenger enters a train during a strike by GDL train drivers union at the main train station in Munich, Germany, May 20, 2015. REUTERS/Michaela Rehle/File Photo

Berlin (Reuters) - Trotz der jüngsten Einigung auf Eckpunkte für einen Tarifvertrag steuert die Deutsche Bahn auf einen Konflikt mit der Gewerkschaft EVG zu.

Diese forderte am Freitag Nachbesserungen zum Anfang des Monats erzielten Abkommen und verlangte konkrete Zugeständnisse für künftige Neueinstellungen. “Die zuständigen Tarifkommissionen haben noch einmal deutlich gemacht, dass die Personalfrage für sie eine rote Linie ist, an der die Verhandlungen letztlich scheitern können”, sagte EVG-Verhandlungsführer Kristian Loroch. “Wir sind mehr als verwundert”, sagte dazu eine Bahn-Sprecherin. Seit vier Monaten werde mit viel Geduld verhandelt. “Und jetzt fünf Zentimeter vor der Ziellinie werden in der größten Wirtschaftskrise der deutschen Nachkriegsgeschichte bisherige inhaltliche Einigungen in Frage gestellt und Nachschläge gefordert.”

Sollten sich beide Seiten nicht einigen, wäre das ein weiterer Rückschlag für die Bahn, die die Corona-Krise zu spüren bekommt. Denn die konkurrierende Lokführer-Gewerkschaft GDL ist bereits auf Konfrontationskurs. Deren Chef Claus Weselsky hatte am Donnerstag einen Beitrag des Zugpersonals zur Sanierung des Staatskonzerns abgelehnt: “Wir haben gültige Tarifverträge bis Februar 2021 und sehen keinen Anlass, Abstriche beim Zugpersonal zuzulassen.” Er lehne daher Verhandlungen zu einem Sanierungstarifvertrag ab.

CORONA-KRISE SORGT FÜR REKORDVERLUST BEI DER BAHN

Auch wegen der Virus-Pandemie und Einschränkungen im Reiseverkehr machte die Bahn unterm Strich im ersten Halbjahr einen Rekordverlust von 3,7 Milliarden Euro. Dennoch soll weiter investiert und eingestellt werden. Der Bund will mehr als fünf Milliarden Euro über eine Kapitalspritze zuschießen. Dem muss müssen die EU-Wettbewerbshüter noch zustimmen.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) erklärte, ihre Tarifkommissionen würden dem Tarif-Deal nur zustimmen, wenn die Bahn “konkretere, vor allem aber verbindlichere Zusagen hinsichtlich künftiger Einstellungszahlen” vorlege. Einer der Knackpunkte sei die Frage, ob die Bahn künftig Arbeit auslagere oder im Unternehmen halte. Die DB müsse “erklären, den ‘Giftschrank’ mit bereits angedeuteten Maßnahmen geschlossen zu halten, sonst gibt es keinen Abschluss”, betonte Loroch und erhob auch Forderungen an den Bund. “So lange nicht klar ist, ob die zugesagten Bundesmittel tatsächlich fließen, stellen wir den Tarifabschluss unter Vorbehalt.”

Bahn und EVG hatten sich Anfang September auf Eckpunkte eines Tarifvertrages verständig. Betriebsbedingte Kündigungen sind demnach ausgeschlossen. Kern ist eine Lohnerhöhung ab 2022 in Höhe der Inflationsrate. Allerdings sieht die EVG auch hier weiteren Verhandlungsbedarf. Die Eisenbahner wollten konkret wissen, wie hoch die Lohnerhöhung sei und sich nicht auf komplizierte Berechnungsmethoden einlassen, sagte Loroch. “Insofern fordern wir die Deutsche Bahn auf, mit uns eine Lohnerhöhung von 1,5 Prozent zum 1.1.2022 zu vereinbaren.” Die Bahn-Sprecherin konterte, DB und EVG seien mit dem Tarifpaket “inhaltlich durch” gewesen. Offen seien nur noch drei übergreifende Themen. “Das Paket, das auf dem Tisch liegt, bietet in schwierigen Zeiten eine Jobgarantie und Einstellungen.”

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