October 28, 2011 / 5:00 PM / 7 years ago

Wirtschaftsprüfer: Banken müssen alle Hellas-Bonds abschreiben

Frankfurt (Reuters) - Die deutschen Banken müssen in ihren Bilanzen alle griechischen Staatsanleihen auf 50 Prozent des Nennwertes abschreiben.

Das hat das Institut der Wirtschaftsprüfer (IdW) beschlossen, wie der Vorstandssprecher des Verbandes, Klaus-Peter Naumann, am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters sagte. “Abgewertet werden müssen nun Papiere mit allen Laufzeiten, nicht nur die bis 2020 auslaufenden wie im Juli”, betonte er. Die Beschlüsse des IdW sind für alle Prüfer verbindlich, die die Abschlüsse der Banken zum dritten Quartal prüfen.

Der Welt-Bankenverband IIF hatte sich am Donnerstag bereit erklärt, dem hochverschuldeten Land die Hälfte auf seine Staatsanleihen zu erlassen. Details des Umtauschs in neue, länger laufende Papiere sind noch unklar. “Die Ausgestaltung des Tauschs ist für die Bilanz nicht so erheblich”, sagte Naumann.

Nach dem zweiten Quartal hatten die Banken aufgrund des ersten Rettungspaketes für Griechenland die Papiere nur um 21 Prozent abwerten müssen. Betroffen sind Anleihen, die bis zum Ende der Laufzeit in den Büchern bleiben sollen und daher nur dann abgeschrieben werden müssen, wenn sie dauerhaft an Wert verlieren. Einige Banken hatten Kritik auf sich gezogen, weil sie - wie die Deutsche Bank - nicht über die mindestens vorgeschriebene Wertkorrektur hinausgegangen waren. Andere hatten - wie die großen deutschen Versicherer - damals bereits 50 Prozent abgeschrieben.

WERTAUFHOLUNGSPOTENZIAL IM HANDELSBUCH

Per Ende September hat die Deutsche Bank ihren Bestand an griechischen Staatsanleihen nun um 54 Prozent auf Marktpreise abgewertet. Diese lagen per Ende September zum Teil deutlich unter 50 Prozent. Durch den Kompromiss mit dem IIF könnte der Wert von Papieren im Handelsbuch, die stets zum Marktwert angesetzt werden müssen, in den nächsten Monaten sogar steigen: Dann dürften die Banken wieder zuschreiben, wie Naumann sagte.

Der Commerzbank, die am kommenden Freitag (4. November) ihre Zahlen vorlegt, drohen zunächst aber weitere Abschreibungen von 750 Millionen Euro und ein Quartalsverlust. Sie hatte per Ende Juni im Schnitt ein Viertel wertberichtigt.

In der Euro-Schuldenkrise haben in den vergangenen Monaten auch Staatsanleihen aus anderen Peripheriestaaten in Europa an Wert verloren. Hier sehen die Wirtschaftsprüfer derzeit aber keinen Wertberichtigungsbedarf: “Der Umgang damit hängt von der Risikoeinschätzung jedes Instituts ab”, so Naumann. “Konkrete Anhaltspunkte für die Notwendigkeit abzuschreiben sehen wir jedenfalls nicht.”

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