April 23, 2020 / 7:10 AM / a month ago

Bankenpräsident Zielke warnt vor Welle an Kreditausfällen

Commerzbank CEO Martin Zielke attends the 28th Frankfurt European Banking Congress (EBC) at the Old Opera house in Frankfurt, Germany November 16, 2018. REUTERS/Ralph Orlowski

Frankfurt (Reuters) - Der neu gewählte Bankenpräsident Martin Zielke hat die Verweigerung von Darlehen an Unternehmen in der Corona-Krise verteidigt und vor steigenden Kreditausfällen gewarnt.

Banken könnten und dürften nicht jeden Kreditwunsch erfüllen, sagte der Commerzbank-Chef am Donnerstag auf seiner ersten Pressekonferenz als Präsident des Bundesverbands deutscher Banken (BdB). “Wir vergeben jeden Kredit, den wir vergeben können. Wir müssen aber auch Kundenwünsche ablehnen, wenn die regulatorischen Vorgaben uns keinen Spielraum lassen.” Das gelte selbst dann, wenn eine Bank nur zehn oder 20 Prozent des Ausfallrisikos trage und der Staat für den Rest aufkomme. “Denn diese Krise wird wirtschaftliche Spuren hinterlassen und zu vielen Kreditausfällen führen.” Genauer lasse sich das noch nicht beziffern, aber Deutschland stehe vor einer der schwersten Rezessionen der Nachkriegszeit, wenn nicht darüber hinaus. “Es wird entsprechende Ausfälle geben.”

Das wird auch zur Belastung für die Kreditinstitute, die sich auf steigende Abschreibungen gefasst machen müssen. “Auch den Banken stehen große Herausforderungen bevor”, sagte Zielke. Die Geldhäuser seien aber stabil und gut kapitalisiert. Der Chef der Commerzbank, an der der Bund nach der letzten Finanzkrise noch immer 15 Prozent hält, sprach sich dagegen aus, die Regeln für Staatshilfen für Banken aufzuweichen. Diese sollen sicherstellen, dass die Steuerzahler nach den Rettungsaktionen 2008/2009 nicht noch einmal für die Banken zur Kasse gebeten werden. “Ich sehe keinen Grund, dieses Regelwerk in irgendeiner Form zu verändern oder aufzuweichen.”

ZIELKE: CORONA-BONDS NICHT DIE RICHTIGE ANTWORT AUF KRISE

Auch von der Idee gemeinsamer Anleihen der Euro-Länder (Euro-Bonds) hält Zielke nichts: “Wir können die Folgen der Krise nur gemeinsam in Europa bewältigen. Ich bin aber ganz klar gegen Euro-Bonds.” Eine gemeinsame europäische Wirtschafts- und Fiskalpolitik gebe es nicht. “Und die ist zwingend notwendig, wenn man über eine gemeinsame Haftung redet.” Vor allem das hoch verschuldete Italien dringt auf gemeinsame europäische Anleihen und hat die bereits in der europäischen Schuldenkrise entfachte Debatte um Euro-Bonds unter dem Schlagwort Corona-Bonds wiederbelebt.

Die verschiedenen staatlichen Hilfsprogramme in Deutschland bewertete Zielke positiv. Am Anfang habe es bei den KfW-Programmen noch “Sand im Getriebe” gegeben, doch sei erfolgreich nachgesteuert worden. “Allein bei den privaten Banken sind jetzt schon 3,5 Milliarden Euro ausgezahlt worden”, sagte der Bankenpräsident. Die Einschätzung, dass die KfW-Kredite nicht so stark nachgefragt würden wie ursprünglich erwartet, teilt er nicht. “Unsere Mitarbeiter machen Sonderschichten. Wir haben Wochenendarbeit zur Bewältigung dieses Themas. Das machen sie nicht, wenn da nichts passiert.” Viele Kunden hätten sich auch noch nicht in Bewegung gesetzt, weil sie die Folgen der Krise erst besser abschätzen wollten.

Zielke war am Mittwoch zum Präsidenten der Privatbanken-Lobby gewählt worden. Er trat die Nachfolge von Berenberg-Chef Hans-Walter Peters an, der vier Jahre an der Spitze des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) stand.

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