August 15, 2019 / 7:05 AM / 2 months ago

Weniger Genehmigungen für Wohnungsbau - "Warnruf für Politik"

German and Belarussian volunteers from German charity organisation "Heim-statt Tschernobyl e.V." (Houses instead of Chernobyl) and its Belarussian partner OkoBau take part in the construction of treatment facilities in the village of Stakhovtsy, Belarus, August 6, 2019. REUTERS/Vasily Fedosenko

Berlin (Reuters) - Trotz des wachsenden Bedarfs vor allem in Großstädten ist die Zahl der Genehmigungen für den Bau von Wohnungen im ersten Halbjahr gesunken.

Sie fiel zum Vorjahreszeitraum um 2,3 Prozent auf 164.600, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Die Zusagen für Zweifamilienhäuser sanken mit 4,7 Prozent am stärksten, die für Mehrfamilienhäuser verringerten sich um 3,2 Prozent. Bei Einfamilienhäusern gab es hingegen nur ein kleines Minus von 0,1 Prozent.

Die Baubranche macht die Politik für den Negativtrend mitverantwortlich. “Insbesondere der Rückgang im Mehrfamilienhausbau sollte - mit Blick auf die anhaltende Wohnungsknappheit in unseren Großstädten - für die Politik ein Warnruf sein”, mahnte der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Dieter Babiel. Die anhaltende Diskussion über Enteignung und Mietendeckel könne dazu führen, dass sich der Rückgang im zweiten Halbjahr fortsetze. “Denn damit kurbelt man den Wohnungsbau nicht an”, betonte Babiel. “Hiermit erreicht man nur, dass sich Investoren zurückziehen.”

“VERFAHREN BESCHLEUNIGEN”

Die staatliche Förderbank KfW sieht nicht so schwarz. Derzeit harrten noch etwa 600.000 Wohnungen der Fertigstellung, die in den vergangenen Jahren genehmigt worden seien. Insbesondere in den teuren und wachsenden Ballungsregionen müsse aber “weiterhin etwas gegen Wohnungsknappheit und Überforderung von Mietern getan werden”, forderte KfW-Ökonom Martin Müller. Der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen bemängelt vor allem das Fehlen von verfügbaren Flächen. “Der Grundstücksmarkt, der den Flaschenhals für mehr Baugenehmigungen bildet, ist nahezu ausgetrocknet”, stellte Verbandspräsident Andreas Ibel fest. “Jetzt sind die Kommunen gefragt, ausreichend bezahlbares Bauland auszuweisen und Verfahren zu beschleunigen.” Andernfalls bleibe der Wohnungsneubau auf der Strecke.

2018 wurden so viele Wohnungen fertiggestellt wie seit 16 Jahren nicht mehr - insgesamt 285.900. Union und SPD streben im Koalitionsvertrag an, bis 2021 rund 1,5 Millionen Wohnungen zu bauen - das wären 375.000 pro Jahr. Experten halten dieses Ziel allerdings für nicht mehr erreichbar.

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