July 9, 2019 / 5:36 AM / 3 months ago

Jury-Mitglied schaltet sich in Glyphosat-Berufungsverfahren ein

A logo of Bayer AG is pictured at the so called 'Chempark', the main plant and headquarters of German pharmaceutical and chemical maker Bayer AG in Leverkusen, Germany, July 3, 2019. REUTERS/Thilo Schmuelgen

New York (Reuters) - In das Berufungsverfahren im zweiten Glyphosat-Urteil in den USA schaltet sich nun ein Jury-Mitglied ein.

Die Geschworene forderte den zuständigen Richter auf, den gegen Bayer verhängten Schadenersatz aufrecht zu halten, wie aus am Montag veröffentlichten Gerichtsdokumenten hervorgeht. Bayer beschuldigte die Geschworene der Befangenheit und forderte den Richter Vince Chhabria auf, deren Brief bei seiner Entscheidungsfindung nicht zu berücksichtigen. Chhabria hatte vor knapp einer Woche angekündigt, dass er den von einem Geschworenengericht festgelegten Schadenersatz von 80 Millionen Dollar auf 50 Millionen oder weniger verringern wird. Bis Ende dieser Woche will er eine eine Entscheidung fällen.

Bayer war im März zum zweiten Mal zu Schadenersatz wegen des glyphosathaltigen Unkrautvernichtungsmittels Roundup des US-Konzerns Monsanto, den die Leverkusener für 63 Milliarden Dollar übernommen hatten, verurteilt worden. Die Geschworenen eines Bundesgerichts in San Francisco befanden, dass das Unternehmen für die Krebserkrankung des Klägers Edwin Hardeman haften und 80 Millionen Dollar zahlen müsse. Diese setzen sich aus einer Strafschadenersatzzahlung über 75 Millionen Dollar - um deren Reduzierung es nun geht - und fünf Millionen Dollar Schadenersatz zusammen. Ein Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA begrenzt allerdings das Verhältnis von Straf- zu Schadenersatz auf neun zu eins.

In den USA gibt es inzwischen etwa 13.400 Kläger wegen der angeblich krebserregenden Wirkung des von Monsanto entwickelten Herbizids Glyphosat. In einem ersten Urteil, im Fall des krebskranken Hausmeisters Dewayne Johnson, war der Konzern im vergangenen Jahr zu einer Zahlung von 289 Millionen Schadenersatz verurteilt worden, die später auf rund 78 Millionen reduziert wurde. Die zuständige Richterin hatte das Urteil damals eigentlich ganz aufheben wollen, hatte sich dann aber auf eine Senkung des Schadenersatzes beschränkt. Zuvor hatten mindestens fünf Geschworene an sie appelliert, das Urteil der Jury, deren Mitglied sie waren, aufrecht zu erhalten.

Rechtsexperten hatten dieses Vorgehen als ungewöhnlich bezeichnet, da die Geschworenen nach einem Urteil in der Regel keine Nachverhandlungen führen. Bayer erklärte, die Briefe würden das Unternehmen eines fairen Verfahrens berauben. Ein Anwalt des Konzerns erklärte, er habe beobachtet, wie der Geschworene an der Anhörung am vergangenen Dienstag teilnahm, mit Hardemans Anwälten sprach und Hardeman und seine Frau umarmte. Die Vorwürfe gegen Glyphosat hat Bayer stets zurückgewiesen und darauf verwiesen, dass Zulassungsbehörden weltweit das Herbizid bei sachgemäßer Anwendung als sicher bewerteten.

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