May 25, 2018 / 8:34 AM / a month ago

Aktionäre kritisieren Baustellen bei Bayer - "Nicht mehr hinnehmbar"

Bonn (Reuters) - Unerwartet hohe Auflagen bei der Monsanto-Übernahme, Probleme in der Pharmaproduktion und ein maues Geschäft mit rezeptfreien Gesundheitsprodukten: Aktionäre monieren bei Bayer auf der Zielgraden zum größten Zukauf in der Firmengeschichte zahlreiche Baustellen.

Monsanto logo is displayed on a screen where the stock is traded on the floor of the New York Stock Exchange (NYSE) in New York City, U.S. on May 9, 2016. REUTERS/Brendan McDermid/File Photo

“Das Bayer-Management ist jetzt nicht nur bei der Übernahme von Monsanto gefragt, sondern kämpft an vielen Fronten”, sagte Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment am Freitag auf der Hauptversammlung in Bonn. Angesichts der von der US-Gesundheitsbehörde FDA gerügten Produktionsmängel am Unternehmenssitz in Leverkusen stelle sich die Frage, “ob Bayer vor lauter Übernahmeüberschwang nicht das Brot- und Buttergeschäft vernachlässigt”.

Die vergangenen zwei Jahre seien kein Honigschlecken gewesen, weder für den Bayer-Chef noch für die Aktionäre, urteilte Joachim Kregel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). “Sie wollten es so, aus der Komfortzone raus und Bayer wenigstens auf einem Gebiet zur Nummer eins machen - das geht dann manchmal nicht ohne Blessuren ab. Wir leiden mit ihnen, aber vor allem mit der miserablen Kursentwicklung unserer Bayer-Aktie.” Speich kritisierte, dass bei der Konsolidierung des Geschäfts mit rezeptfreien Medikamenten, das Bayer 2014 vom US-Pharmakonzern Merck & Co erworben hatte, auch nach Jahren noch keine Besserung in Sicht sei. “Dies lässt befürchten, dass die Monsanto-Integration den Aktionären noch viel länger Kopfschmerzen bereiten wird.” Für Winfried Mathes von Deka Investment ist das enttäuschende Geschäft in dem Bereich “eigentlich nicht mehr hinnehmbar”.

Vorstandschef Werner Baumann beschwichtigte: “Wir haben die operativen Themen des Konzerns im Griff.” Bayer arbeite an den Problemen und er sei überzeugt, dass die richtigen Maßnahmen ergriffen worden sein. Im Geschäft mit rezeptfreien Gesundheitsprodukten sei aber die Trendwende in den USA die wesentliche Voraussetzung, um in dem Bereich wieder die Kapitalkosten zu verdienen. Auch im Pharmageschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten - bei dem Investoren fürchten, dass es wegen der Monsanto-Übernahme zu kurz kommen könnte - sieht Baumann Bayer mit derzeit 50 Projekten in der klinischen Entwicklung gut aufgestellt. Der Konzern wolle seine Pipeline zudem durch Zukäufe und Partnerschaften ergänzen.

MONSANTO BRINGT BAYER GERINGERE SPAREFFEKTE ALS GEHOFFT

Die 62,5 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Monsanto verteidigte Baumann trotz unerwartet hoher Auflagen durch die Wettbewerbshüter. “Der Erwerb ist heute genauso attraktiv, wie wir diesen vor zwei Jahren beurteilt haben”, sagte er. “Ich bin davon überzeugt: Dieses Akquisitionsvorhaben hat unter diversen Aspekten und damit auch insgesamt ein sehr hohes Wertschaffungspotenzial.” Für die Freigabe muss sich Bayer von mehr Firmenteilen trennen als gedacht: Geschäfte mit einem Umsatz von 2,2 Milliarden Euro gehen für insgesamt 7,6 Milliarden Euro an den Chemiekonzern BASF.

“Diese Veräußerungen waren für die behördlichen Freigaben notwendig”, sagte Baumann. Ursprünglich hatten Bayer und Monsanto erklärt, sie seien bereit, sich von Geschäftsteilen mit einem Umsatz von bis zu 1,6 Milliarden Dollar zu trennen, um die Zustimmung der Wettbewerbsbehörden zu erhalten. Auch bei den erwarteten Einspareffekten durch den Zukauf müssen die Leverkusener Abstriche machen. Ab 2022 rechnet Bayer mit jährlichen Beiträgen zum bereinigten Betriebsergebnis (Ebitda) von 1,2 Milliarden Dollar durch Synergien. Bislang war das Unternehmen von 1,5 Milliarden Dollar im Jahr ausgegangen.

Bayer befindet sich im Endspurt zur Monsanto-Übernahme. Der Konzern geht laut Baumann davon aus, diese in Kürze abschließen zu können. Von zahlreichen Kartellbehörden wie der EU-Kommission und den Wettbewerbshütern aus Brasilien und China hat die Transaktion bereits unter Auflagen grünes Licht erhalten. Noch steht aber die wichtige Zustimmung der Kartellwächter in den USA aus. Umweltschützer hatten die Behörden dazu aufgefordert, den Deal zu untersagen. Sie fürchten eine Erhöhung der Abhängigkeit der Landwirte von wenigen Großkonzernen, einen vermehrten Einsatz von Chemikalien und eine Verringerung der Artenvielfalt.

Mit der Übernahme holt sich Bayer nach Einschätzung von Deka-Sprecher Mathes aber auch erhebliche Imageprobleme, die mit dem Namen Monsanto behaftet sind, ins Haus. Baumann habe nun die einmalige Chance, einen Kulturwandel im ehemaligen Monsanto-Geschäft zu etablieren. “Dann wüsste jeder, wofür Bayer steht.”

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