November 2, 2018 / 9:11 AM / 13 days ago

Bayer-Chef sieht keine Not für weitere Verkäufe

Werner Baumann, CEO of German pharmaceutical and chemical maker Bayer AG, attends the annual general shareholders meeting in Bonn, Germany, May 25, 2018. REUTERS/Wolfgang Rattay

St. Louis (Reuters) - Bayer-Chef Werner Baumann hat Spekulationen über einen Verkauf von Unternehmensteilen zurückgewiesen und will an der aktuellen Konzernstruktur festhalten.

“Wir haben im September 2014 unsere Strategie verkündet, an der sich bis heute nichts verändert hat”, sagte Baumann in dieser Woche vor Journalisten in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri. Dort hat der US-Saatgutriese Monsanto, den Bayer im Sommer für knapp 63 Milliarden Dollar übernommen hatte, seinen Hauptsitz. Seit dem Zukauf und dem Glyphosat-Urteil eines kalifornischen Geschworenengerichts wird Bayer von negativen Schlagzeilen überrollt. Einige Analysten haben bereits eine Aufspaltung des Unternehmens durchgespielt. “Man muss nicht immer alles glauben, was geschrieben wird”, sagte Baumann nun.

Bayer hatte im September 2014 mit der angekündigten Trennung vom Kunststoffgeschäft die Devise ausgegeben, sich als Life-Science-Konzern auf die Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen zu konzentrieren. “Wir führen nach wie vor Animal Health, Pharma, Pflanzen und Consumer Health”, betonte Baumann. Die Ertragskraft der einzelnen Sparten könne mit der von börsennotierten Unternehmen mithalten. Auch das zuletzt maue Geschäft mit rezeptfreien Gesundheitsprodukten (Consumer Health) sei auf Erholungskurs, und Bayer sei optimistisch für die zweite Jahreshälfte. Wenn es eine deutliche Veränderung des Zahlenwerkes und der Attraktivität der einzelnen Geschäfte gebe, müsse man kurzfristig eine neue Bewertung vornehmen, “aber das sehen wir hier nicht.”

Allerdings hat Baumann schon einmal für Überraschung gesorgt: Als er im Frühjahr 2016 das Ruder übernahm, erklärte er, es werde keine Revolution bei Bayer geben. Nur wenige Wochen später kündigte er dann die Monsanto-Übernahme an.

SPEKULATIONEN UM ANIMAL HEALTH

Immer wieder machen Spekulationen etwa über eine Trennung vom Tiergesundheitsgeschäft (Animal Health) die Runde, zuletzt Mitte Oktober. Das Geschäft könnte bis zu sieben Milliarden Euro einbringen, schätzen Branchenexperten. Damit würde der Schuldenberg von Bayer verringert, der Konzern hätte wieder mehr Mittel für eine Stärkung des Pharmageschäfts, argumentierten die Analysten von Bernstein. Die beste Strategie könnte sogar eine Abspaltung des gesamten Gesundheitsgeschäfts vom Saatgut- und Pflanzenschutzbereich Crop Science, in dem Monsanto aufging, sein, schlagen die Experten vor. Analyst Markus Mayer von Baader Helvea bringt als Partner für das Pharmageschäft Konkurrenten wie Novartis, Sanofi und Pfizer ins Spiel. Bayer stehe nach dem drastischen Kursverlust nach dem Glyphosat-Urteil unter Druck, dem Kurs schnell wieder auf die Sprünge zu helfen und drohe ein Spielball für aktivistische Investoren zu werden.

Bayer sieht sich wegen des Unkrautvernichters Glyphosat, der von Monsanto entwickelt wurde, mit rund 8700 Klagen in den USA konfrontiert. Ein kalifornisches Geschworenengericht hatte das Unternehmen Mitte August zu einer Schadenersatzzahlung von 289 Millionen Dollar an den Kläger Dewayne Johnson verurteilt, der seine Krebserkrankung auf Glyphosat zurückführt. Zwar reduzierte ein US-Gericht kürzlich den Strafschadenersatz deutlich, bestätigte aber überraschend das Urteil, wonach Glyphosat verantwortlich für den Krebs des Klägers sei. Bayer kündigte dagegen Berufung an. Der Konzern verweist auf Hunderte Studien, die Glyphosat bei sachgerechtem Einsatz für sicher erklärt hatten, darunter eine Untersuchung der US-Umweltschutzbehörde EPA.

In St. Louis, wo sich Baumann das erste Mal seit dem Urteil den Fragen von Journalisten stellte, betonte er nun: “Wir werden das Johnson-Urteil bis zum Schluss in Berufung durchziehen und danach jeden Fall verteidigen, weil wir fest an die Sicherheit von Glyphosat glauben.” Eine Einigung sei aber möglich “in dem Moment, in dem die Verteidigungskosten höher sind als der Vergleichsbetrag”.

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