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Unternehmensnachrichten

Bayer legt in Corona-Krise härtere Gangart bei Glyphosat-Vergleichsverhandlungen ein

FILE PHOTO: A bridge is decorated with the logo of a Bayer AG, a German pharmaceutical and chemical maker in Wuppertal, Germany August 9, 2019. REUTERS/Wolfgang Rattay/File Photo

Frankfurt (Reuters) - Bayer will in den Glyphosat-Vergleichsverhandlungen in den USA angesichts der Corona-Krise eine härtere Gangart einlegen.

“Das Unternehmen wird weiterhin eine Lösung nur dann in Betracht ziehen, wenn sie wirtschaftlich sinnvoll und so strukturiert ist, dass zukünftige Fälle effizient zu einem Abschluss gebracht werden”, sagte Vorstandschef Werner Baumann anlässlich der Quartalsbilanz am Montag. Dies gelte vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden Rezession und teils erheblichen Liquiditätsherausforderungen mehr denn je. In den Vergleichsverhandlungen habe Bayer Fortschritte erzielt, bevor die Coronavirus-Pandemie diese erheblich verlangsamt habe. Bis Ende Juni seien derzeit keine Verfahren zur Verhandlung angesetzt, dieser Zeitplan könne sich jedoch ändern.

In den USA sieht sich Bayer inzwischen mit rund 52.500 Klägern wegen der angeblich krebserregenden Wirkung des glyphosathaltigen Unkrautvernichters des US-Saatgutriesen Monsanto, den Bayer übernommen hat, konfrontiert. Anfang Februar waren es noch etwa 48.600. Die düsteren wirtschaftlichen Aussichten wegen der Coronavirus-Pandemie könnten Bayer bei den Vergleichsverhandlungen nach Einschätzung von Ingo Speich, Leiter Corporate Governance und Nachhaltigkeit bei der Fondsgesellschaft Deka, allerdings in die Hände spielen: “Das wirtschaftliche Umfeld könnte als Katalysator wirken. Bayer wird es zukünftig sicherlich nicht einfacher haben, einem teuren Vergleich zuzustimmen. Das sollten auch die Kläger verstehen, daher ist eine zeitnahe Einigung geboten”, sagte Speich der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Klagewelle hat sich Bayer mit dem 63 Milliarden Dollar schweren Kauf des Glyphosat-Entwicklers Monsanto ins Haus geholt. Mit der riskanten Übernahme und dem schwachen Aktienkurs unzufriedene Aktionäre hatten der Bayer-Führung auf der Hauptversammlung im vergangenen Jahr eine schwere Niederlage zugefügt: Baumann wurde nicht entlastet, ein bis dahin einmaliger Vorgang bei einem Dax-Konzern. Dem Aufsichtsrat sprachen die Eigner nur knapp das Vertrauen aus.

Diesmal hat der größte und einflussreichste US-Aktionärsberater ISS Baumann die Entlastung in Aussicht gestellt, Glass Lewis empfiehlt den Aktionären Enthaltung. Die Deka will die Bayer-Führung auf der Hauptversammlung am Dienstag - die wegen der Pandemie die erste rein virtuelle in Deutschland sein wird - zwar entlasten. Deka-Experte Speich findet allerdings, dass bei der Lösung der Rechtsfragen bisher zu wenig geschehen ist. “Die Rechtsrisiken haben nicht ab-, sondern sogar noch zugenommen. Solange sich Bayer nicht von den Klagen befreien kann, werden wir wahrscheinlich keine Erholung des Aktienkurses sehen.”

BAYER SCHLÄGT SICH ZUM JAHRESAUFTAKT ÜBERRASCHEND GUT

Am Montag stiegen die Bayer-Aktien allerdings erstmal um bis zu vier Prozent auf ein Zwei-Monats-Hoch von 62,04 Euro. Damit haben sie im Vergleich zu ihrem Achteinhalb-Jahres-Tief von Mitte März knapp 40 Prozent zugelegt. Mit seinem Quartalsbericht konnte der Leverkusener Pharma- und Agrarchemiekonzern überraschen, Umsatz und Ergebnis fielen besser aus als von Analysten erwartet.

Der bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) legte im ersten Quartal um gut zehn Prozent auf 4,39 Milliarden Euro zu. Der Umsatz erhöhte sich um 4,8 Prozent auf 12,8 Milliarden Euro, währungsbereinigt stand ein Plus von sechs Prozent zu Buche. Zulegen konnte Bayer vor allem in der Agrarsparte und im Pharmageschäft. Dabei profitierte der Konzern von einer starken Nachfrage nach Maissaatgut und Insektiziden, im Pharmabereich brummte das Geschäft mit dem Gerinnungshemmer Xarelto. Die Pandemie führte in einigen Geschäftsfeldern zu einer stark gestiegenen Nachfrage, teilweise zu einer Bevorratung, etwa bei Nahrungsergänzungsmitteln, wie ein Sprecher sagte. Allerdings werde das Geschäft durch die Einschränkungen wegen des Coronavirus zum Teil auch negativ beeinflusst.

Die Auswirkungen der Pandemie auf die Jahresprognose ließen sich noch nicht verlässlich bewerten, erklärte der Vorstand. Bislang hatte der Konzern für 2020 mit einem währungs- und portfoliobereinigten Umsatzplus von etwa drei bis vier Prozent auf rund 44 bis 45 Milliarden Euro und einem Anstieg des bereinigten Betriebsgewinns auf rund 12,3 bis 12,6 (Vorjahr: 11,5) Milliarden gerechnet. Die Prognose entspreche “nach wie vor den Zielvorgaben des Unternehmens”, hieß es.

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