April 28, 2015 / 8:25 AM / 3 years ago

Zuwanderung bremst Bevölkerungsschwund in Deutschland

Berlin (Reuters) - Der Bevölkerungsrückgang in Deutschland wird durch Zuwanderung verlangsamt, aber nicht auf Dauer gestoppt.

Im Jahr 2060 werden hierzulande nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes noch 68 bis 73 Millionen Menschen leben statt derzeit 81 Millionen. Das Geburtendefizit könne auf lange Sicht durch Zuwanderung nicht ausgeglichen werden, sagte der Präsident der Behörde, Roderich Egeler, am Dienstag in Berlin. Für die Alters- und Erwerbsstruktur hat dies drastische Auswirkungen: Im Jahr 2060 kommen auf 100 erwerbsfähige Menschen etwa ebenso viele Kinder und Ältere. Derzeit beträgt das Verhältnis 100 zu 64.

Bei der Bevölkerungsvorausberechnung 2009 war das Statistikamt noch von 65 bis 70 Millionen Menschen im Jahr 2064 ausgegangen. Vor allem die hohe Zuwanderung der vergangenen Jahre bremst den Schrumpfungsprozess. Allein 2014 und 2015 erwarten die Statistiker eine Netto-Zuwanderung von jeweils 500.000 Menschen. In den nächsten fünf bis sieben Jahren sei daher noch mit einer Bevölkerungszunahme zu rechnen.

Die Bevölkerung wird zudem immer älter. In den vergangenen beiden Jahrzehnten sei das mittlere Alter um acht auf 45 Jahre gestiegen. Der neuen Projektion zufolge wird der Anteil der 20- bis 64-Jährigen an der Gesamtbevölkerung im Jahr 2060 nur noch gut 50 Prozent ausmachen. Derzeit sind es gut 60 Prozent. 2060 wird etwa jeder Achte 80 Jahre oder älter sein.

Die Grünen nahmen die neuen Zahlen zum Anlass, erneut ein Einwanderungsgesetz zu fordern, mit dem die Zuwanderung erleichtert und attraktiver gemacht würde. “Es ist eine politische Frage, die wir heute beantworten müssen, wer im Jahr 2030 die Rente und im Jahr 2050 die Pflege der Babyboomer zahlen soll”, erklärte Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt.

SACHVERSTÄNDIGE: FEHLT GESAMTSTRATEGIE FÜR ZUWANDERUNG

Nach Einschätzung des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) ist Deutschland in der Einwanderungspolitik fortschrittlicher als vielfach angenommen. Es fehle aber eine migrationspolitische Gesamtstrategie, die auch Herkunftsländer von Zuwanderern identifizieren müsse, in denen sich Deutschland als Einwanderungsland positionieren wolle, erklärte der SVR.

Die Versicherungswirtschaft forderte höhere staatliche Zuschüsse als Anreiz zur privaten Altersvorsorge, mit der die Branche Geld verdient. “Ein Teil der Zinsersparnisse des Staates (dank der Niedrigzinspolitik) sollte in die Altersvorsorge zurückfließen”, erklärte der Versicherungs-Gesamtverband GDV.

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