July 7, 2020 / 2:25 PM / in a month

Dax-Konzerne halten trotz Wirecard an EY als Abschlussprüfer fest

A DAX logo is pictured at the trading floor of the stock exchange in Frankfurt, Germany December 29, 2017. REUTERS/Ralph Orlowski

München (Reuters) - Die größten börsennotierten Konzerne in Deutschland wollen ihrem Abschlussprüfer EY trotz des Wirecard-Bilanzskandals die Treue halten.

Keiner der sieben gegenwärtigen oder künftigen Mandanten der Stuttgarter Wirtschaftsprüfungsgesellschaft aus dem Dax nimmt den Vorwurf jahrelanger Versäumisse von EY bei Wirecard zum Anlass, seine Wahl zu überdenken. Die Entscheidung liegt aber bei den Aktionären, die jedes Jahr von Neuem über den Prüfauftrag abstimmen müssen. Bei Volkswagen steht die Hauptversammlung noch aus, die den Abschlussprüfer für 2020 wählen muss. Der Wolfsburger Autobauer hat sich gerade erst für einen Wechsel von PwC zu EY entschieden. Die Hauptversammlung wurde wegen der Corona-Pandemie verschoben.

“Aktuell gibt es bei Volkswagen keine Überlegungen, der Hauptversammlung einen anderen Abschlussprüfer als EY vorzuschlagen”, sagte ein Sprecher am Dienstag auf Anfrage. Bei der Deutschen Telekom, die bisher ebenfalls Kunde von PwC ist, steht der Wechsel im kommenden Jahr an. “Der Vorschlag an die Hauptversammlung basiert auf einem (...) umfassenden und eingehenden Auswahlprozess”, sagte ein Sprecher. “Diesen Prozess hatten mehrere Kandidaten durchlaufen. Es gibt aktuell keine Gründe, diese Entscheidungen in Frage zu stellen.” Unternehmen an der Börse müssen den Auftrag alle zehn Jahre ausschreiben, der neue - oder alte - Bilanzprüfer kann dann damit rechnen, dass er für die nächsten zehn Jahre zum Zug kommt. Erst nach 20 Jahren muss gewechselt werden.

Die Aktionärsschützer von der SdK hatten nach der Pleite von Wirecard angekündigt, sie würden auf Hauptversammlungen anderer Unternehmen “zunächst” gegen die Bestellung von EY als Prüfer votieren. Sie werfen dem Unternehmen Nachlässigkeit vor, weil es die Abschlüsse der vergangenen Jahre testiert hatte, ohne auf das - vermutlich schon bestehende - Milliardenloch in den Wirecard-Bilanzen zu stoßen. EY selbst sieht sich als Opfer eines groß angelegten Betrugs. Die Aktionärsberater Glass Lewis und ISS, die wegen ihres Einflusses auf institutionelle Investoren in den USA und Großbritannien auf Hauptversammlungen oft das Zünglein an der Waage sind, wollten sich auf Anfrage von Reuters zu ihrer Haltung zu EY nicht äußern. Noch gebe es keine vermehrten Nachfragen von Investoren deswegen, hieß es aber im Umfeld eines großen EY-Kunden.

Siemens-Finanzvorstand Ralf Thomas verteidigte EY in einem Interview der “Börsen-Zeitung” (Wochenendausgabe): “Für mich ist nicht erkennbar, dass das EY-Team, das bei Siemens seit vielen Jahren einen guten Job macht, in irgendeiner Form Defizite haben könnte.” Zudem gelte - mit Blick auf Wirecard - für alle Beteiligten die Unschuldsvermutung. Bei der Münchener Rück hat EY erst in diesem Jahr mit der Bilanzprüfung angefangen. “Es ist momentan kein Thema, darüber noch einmal nachzudenken”, sagte ein Sprecher des Rückversicherers. Auch der Triebwerksbauer MTU Aero hält an seinem langjährigen Prüfer EY fest. Bei Beiersdorf - seit 2006 EY-Kunde - gab sich ein Sprecher schmallippig: Man kommentiere “generell die Zusammenarbeit mit unseren Geschäftspartnern nicht”.

Ein schneller Wechsel des Wirtschaftsprüfer wäre ohnehin kaum möglich. Den Aufwand für ein Dax-Unternehmen können fast nur die “großen Vier” KPMG, EY, PwC und Deloitte stemmen. Und nicht jeder hat genügend Personal, um von jetzt auf gleich ein neues Mandat zu übernehmen, wie die Deutsche Bank bei ihrer Ausschreibung 2018 Finanzkreisen zufolge erkennen musste. Wollte sie nun von EY abrücken, müsste sich spätestens im Herbst ein neuer Prüfer einarbeiten, damit er 2021 das Mandat übernehmen könnte.

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