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Inlandsnachrichten

OECD - Schulschließungen können auf Einkommen durchschlagen

Pupils of the protestant high school "Zum Grauen Kloster" wear face masks during their lesson on the first day after the summer holidays, amid the coronavirus disease (COVID-19) pandemic, in Berlin, Germany, August 10, 2020. REUTERS/Fabrizio Bensch

Berlin (Reuters) - Die Industriestaaten-Organisation OECD befürchtet wegen Schulschließungen infolge der Corona-Krise deutliche Einkommensverluste.

“Die Lernverluste während der Schulschließung können für die Corona-Generation ein Minus von drei Prozent beim Lebenseinkommen bedeuten und sich bis zum Ende des Jahrhunderts auf Hunderte Milliarden Euro an Verlusten summieren”, sagte OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher am Dienstag bei der Vorstellung der Studie “Bildung auf einen Blick 2020”. Insgesamt könne die globale Wirtschaftsleistung in diesem Jahrhundert um 1,5 Prozent gedämpft werden, schätzt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). “Der Lernverlust wird zu einem Verlust an Fähigkeiten führen”, argumentierte sie. “Und die Fähigkeiten, über die die Menschen verfügen, stehen in Beziehung zu ihrer Produktivität.”

In ihrem Bericht warnt die OECD vor einem Anstieg der Arbeitslosigkeit in Deutschland bei Personen mit niedrigem Bildungsabschluss. “Die Arbeitslosigkeit könnte steigen, da die Wirtschaft Mühe hat, den durch den Lockdown ausgelösten Rückgang der Wirtschaftstätigkeit zu bewältigen”, heißt es. “Personen mit niedrigem Bildungsabschluss sind am stärksten gefährdet, da sie am wenigsten von Telearbeit profitieren dürften.”

Die OECD hält die berufliche Bildung für eine der Stärken des deutschen Systems. 46 Prozent aller Schüler entscheiden sich für diesen Weg – vier Prozentpunke mehr als im OECD-Schnitt. “Am Ende ist eine gute berufliche Bildung ein ganz wesentlicher Teil unseres wirtschaftlichen Erfolges”, sagte Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU). Gerade die aktuelle Krise zeige, wie wichtig deren Kompetenzen seien - von der Krankenpflegerin bis hin zum Einzelhandelskaufmann im Supermarkt.

Insgesamt hält aber auch in Deutschland der Trend zu akademischer oder höherer beruflicher Bildung an: In den vergangenen zehn Jahren erhöhte sich der Anteil junger Menschen mit einem solchen Abschluss um acht Prozentpunkte. Bei der Anfängerquote für solche Bildungsgänge liegt Deutschland mit 45 Prozent inzwischen nah am OECD-Mittel von 49 Prozent. Ein Grund dafür sind die Einkommensvorteile: Vollzeitbeschäftigte mit einem höheren Abschluss verdienen in Deutschland etwa 61 Prozent mehr als solche, die nur eine Berufsausbildung oder Abitur als höchsten Bildungsabschluss vorweisen können.

Bei den Bildungsausgaben befindet sich Deutschland mit umgerechnet etwa 13.500 US-Dollar pro Schüler deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 11.200 Dollar. Gemessen an der Wirtschaftsleistung gibt Deutschland mit 4,2 Prozent allerdings etwa 0,7 Punkte weniger aus (Stand: 2017). Die OECD sieht wegen der Corona-Rezession die private Bildungsfinanzierung potenziell gefährdet. “In Deutschland stützt sich die Finanzierung beruflicher Bildung in hohem Maße auf Aufwendungen des privaten Sektors, die hauptsächlich von Betrieben und Unternehmen stammen”, heißt es in dem Bericht.

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