February 23, 2010 / 6:21 PM / 10 years ago

Bilfinger befürchtet Pfusch auch bei U-Bahn Düsseldorf

A worker of Bilfinger Berger AG is seen at a construction site of the new Metro line station "Heumarkt" in Cologne February 18, 2010. REUTERS/Ina Fassbender

Stuttgart/Düsseldorf (Reuters) - Die Serie der Qualitätsmängel auf Baustellen von Bilfinger Berger reißt nicht ab.

Nach Hinweisen auf Pfusch beim Bau der Kölner U-Bahn und einer ICE-Strecke in Bayern befürchtet der Konzern nun auch Unregelmäßigkeiten beim U-Bahn-Bau in Düsseldorf, wie Bilfinger am Dienstag mitteilte. Die Behörden in Nordrhein-Westfalen sorgen sich einem Zeitungsbericht zufolge nun um die Sicherheit zahlreicher weiterer Bauwerke. Die Bezirksregierung Düsseldorf wolle deshalb auch bereits abgenommene Projekte, an denen der Konzern beteiligt war, auf ihre Sicherheit untersuchen, berichtete die “Rheinische Post” (Mittwochausgabe) vorab unter Berufung auf einen Behördensprecher. Unter anderem seien die Städte, in denen in den vergangenen 40 Jahren U-Bahn-Strecken errichtet wurden, aufgerufen worden, eine Beteiligung von Bilfinger Berger zu melden.

In Sachen Düsseldorfer U-Bahn prüft die Staatsanwaltschaft nun die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens. “Wir haben am Dienstagnachmittag eine Strafanzeige gegen zwei namentlich genannte Mitarbeiter von Bilfinger Berger erhalten”, sagte Staatsanwalt Johannes Mocken in Düsseldorf. Dem Mannheimer Konzern zufolge gibt es Anzeichen, dass bei den Arbeiten für das U-Bahn-Projekt Wehrhahnlinie in der Landeshauptstadt Vermessungsprotokolle für Stütz- und Schutzwände nicht ordnungsgemäß erstellt worden seien. Die Standsicherheit des Bauprojekts sei aber “jederzeit in vollem Umfang gewährleistet”.

Investoren reagierten erneut verschnupft. An der Börse schloss die Bilfinger-Aktie am Dienstag 3,2 Prozent im Minus und war damit einer der schwächsten Werte im Nebenwerte-Index MDax. Anleger fürchten Regressforderungen an Bilfinger Berger und lange Gerichtsprozesse.

Offensichtlich falsche Messprotokolle bereiten den Mannheimern bereits beim U-Bahn-Bau in Köln Kopfzerbrechen und kratzen am Image des nach Hochtief zweitgrößten deutschen Baukonzerns. Anfang März 2009 war das Kölner Stadtarchiv eingestürzt. Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen bringt den Einsturz mit dem Neubau der U-Bahn-Strecke in Verbindung, für den Bilfinger Berger, die niederländische Royal BAM Groep und die Tochter Züblin der österreichischen Strabag verantwortlich zeichnen. Die Untersuchung der Unglücksursache dauert an.

WIEDER PROBLEME MIT MÄNGELN IN DER BEWEHRUNG

Bei der Düsseldorfer U-Bahn kann Bilfinger Berger nach eigenen Angaben nicht mehr zweifelsfrei sicherstellen, dass Schubhaken zur Verbindung von Bewehrungskörben im vorgeschriebenen Umfang eingebaut worden sind. Zu diesem Ergebnis kam der Konzern nach der Durchsicht der Akten bei sechs von insgesamt 500 sogenannten Schlitzwandlamellen. Die für den Bau der Wände verantwortlichen Mitarbeiter seien bereits im Zuge der Vorfälle beim Bau der U-Bahn in Köln freigestellt worden, teilte Bilfinger Berger mit. Neben der Staatsanwaltschaft sei auch der Auftraggeber informiert worden.

Auch bei der erst vor wenigen Jahren eröffneten ICE-Trasse zwischen Nürnberg und München gehen Bilfinger Berger und die Staatsanwaltschaft Hinweisen auf Pfusch am Bau nach. Bei den Erdbauarbeiten an der ICE-Strecke der Deutschen Bahn sind möglicherweise zu wenig Verankerungen eingebaut wurden, wie ein ehemaliger Mitarbeiter des Mannheimer Ingenieurbau-Konzerns der Staatsanwaltschaft sagte. Bilfinger-Chef Herbert Bodner hatte am Montag angekündigt, das Unternehmen werde die Sachverhalte umfassend aufklären und im Anschluss die personellen Konsequenzen ziehen. Alle von Bilfinger Berger errichteten Bauwerken seien standsicher, es bestehe keine akute Gefahr, versicherte er.

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