May 4, 2011 / 1:18 PM / 8 years ago

Heftige Debatte über Merkels Freude über bin-Laden-Tötung

Berlin (Reuters) - Die demonstrative Freude von Bundeskanzlerin Angela Merkels über die Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden ist auf erhebliche Kritik gestoßen.

“Ich hätte das nicht so formuliert. Das sind Rachegedanken, die man nicht hegen sollte. Das ist Mittelalter”, sagte der Vorsitzende des Bundestags-Rechtsauschusses, Siegfried Kauder, der “Passauer Neuen Presse”. “Ich freue mich nicht, dass ein Mensch gestorben ist”, sagte der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU, Philipp Mißfelder, am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Auch aus der FDP sowie aus den Kirchen kam Kritik. Sowohl der CDU-Außenpolitiker Ruprecht Polenz als auch CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe verteidigten dagegen die Kanzlerin.

Auslöser der Debatte sind die Freudenfeier in den USA über die Tötung des Terrorchefs sowie der Satz Merkels: “Ich freue mich, dass es gelungen ist, bin Laden zu töten.” Dies kritisierte etwa der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck. “Man kann sich als Mensch und erst recht nicht als Christ über den Tod eines Menschen freuen”, sagte er der WAZ-Mediengruppe. Die stellvertretende Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Ingrid Fischbach, kritisierte, auch christlicher Sicht sei es nicht angemessen, Freude über die gezielte Rötung eines Menschen zu äußern.

Auch aus der FDP kam Kritik. Er habe Merkels Freude über die Tötung mit “Unverständnis” aufgenommen, sagte der FDP-Innen- und Rechtspolitiker Hartfrid Wolff dem “Tagesspiegel” (Donnerstagausgabe).

Dagegen nahm der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Polenz, die Kanzlerin in Schutz. “Man darf sehr wohl erleichtert und auch froh darüber sein, dass bin Laden keine Anschläge mehr planen kann”, sagte er Reuters. “Im Nachhinein jedes Wort auf die Goldwaage zu legen, ist nicht angemessen.” Die Debatte befeuere nur die ohnehin schon kursierenden Verschwörungstheorien um den Tod bin Ladens. Stattdessen sollte man die wichtige Frage diskutieren, was die Folgen des Todes von bin Laden seien.

Auch der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach und Generalsekretär Gröhe verteidigten die Kanzlerin. “Man darf sich darüber freuen, dass es den Amerikanern gelungen ist, einen Massenmörder daran zu hindern, sein blutiges Handwerk fortzusetzen”, sagte Bosbach dem MDR. Die Worte der Kanzlerin seien ein Ausdruck der Solidarität und des Mitgefühls mit den USA gewesen. “Die Bundeskanzlerin hat sich erleichtert darüber gezeigt, dass von diesem Kopf eines weltweit agierenden Terrornetzwerkes keine Gefahr mehr ausgehen kann”, sagte Gröhe zu Reuters. “Das war eine gute Nachricht für die ganze Welt, die nun nicht dadurch überlagert werden sollte, dass Einzelformulierungen aus dem Zusammenhang gerissen oder bewusst missverstanden werden.” Man dürfe nicht vergessen, dass bin Laden “für den brutalen Mord Tausender unschuldiger Menschen” verantwortlich gewesen sei.

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