March 3, 2011 / 6:25 PM / 8 years ago

Chaos bei Einführung droht Super-E10 zum Flop zu machen

A petrol station employee fixes a sign including the new ethanol E10 fuel at a highway service station in Soltau between Hamburg and Hanover March 1, 2011. REUTERS/Christian Charisius

Berlin (Reuters) - Die Einführung der neuen Benzinsorte E10 droht im Chaos zu scheitern.

Widersprüchliche Meldungen über einen Stopp bei der Umstellung auf den Treibstoff sorgten am Donnerstag für Verwirrung und in der Bundesregierung für große Verärgerung. “Das Durcheinander, das die Mineralölwirtschaft hier veranstaltet, ist nicht akzeptabel”, erklärte Umweltminister Norbert Röttgen. “Es führt zu einer vollständigen Verunsicherung der Verbraucher.” Wirtschaftsminister Rainer Brüderle berief umgehend einen Benzin-Gipfel ein. Dort solle die Industrie alle Beteiligten über ihre Pläne informieren. An den Börsen brachen die Aktien von Ethanol-Produzenten ein.

Auslöser war eine Agenturmeldung, in der der Chef des Mineralölwirtschaftsverbandes, Klaus Picard, mit den Worten zitiert wurde, die E10-Einführung werde gestoppt. Sprecher des Verbandes wollten dies aber nicht bestätigen. Auch ADAC, Tankstellenverband und Ölkonzerne wie Aral erklärten, sie hätten keine Information über den Stopp. Später erklärte der Verband, es gebe keine Rückzug der Industrie von der Super-E10-Einführung. Der Vertrieb laufe weiter, lediglich die Raffineriekapazitäten für die Sorte mit dem höheren Bio-Ethanol-Anteil würden an die Nachfrage angepasst.

Unterdessen waren die Aktien von Ethanol-Produzenten wie Cropenergies und Verbio eingebrochen. Noch vor dem Widerruf der Branche informierte Cropenergies in einer Pflichtmitteilung, Finanzvorstand Joachim Lutz habe 1825 Aktien seiner Firma zum Kurs von 5,20 Euro gekauft. Dies war nach einem Einbruch von zeitweise über 20 Prozent nahe des Tagestiefs vom Donnerstag. Nach dem Dementi des Verbandes erholten sich die Aktien.

E10 ist Teil der Biokraftstoffstrategie der Regierung. Das Benzin enthält bis zu 10 Prozent sogenannten Bio-Ethanols. Damit will die Branche ihre Verpflichtung erfüllen, insgesamt 6,25 Prozent sogenannten Biosprits mit dem Treibstoff in diesem Jahr zu verkaufen. Da aber knapp zehn Prozent der Autos die Sorte nicht vertragen, wird E10 aus Verunsicherung kaum gezapft. Die E10-Lager quellen über, während der übrige Super-Kraftstoff knapp wird.

BRÜDERLE RUFT GIPFEL EIN

Wirtschaftsminister Brüderle sprach von einer nun völligen Verunsicherung der Bürger. Jetzt müsse für absolute Klarheit gesorgt werden. Auch dafür wolle er einen Benzin-Gipfel in Kürze einberufen.

Noch am Mittwoch hatte Verbandschef Picard an die Autofahrer appelliert, E10 zu tanken. Zugleich hatte er zugesagt, an den Tankstellen werde besser darüber informiert, dass fast jeder den Treibstoff tanken könne. Sollte die Branche die Biokraftstoffquote von 6,25 Prozent nicht erfüllen, drohen ihr Strafzahlungen.

Etwa die Hälfte der Tankstellen haben auf E10 umgestellt und dafür meist das herkömmliche Super abgeschafft. Viele Autofahrer sind wegen der Verunsicherung so auf Super-Plus-Sorten ausgewichen, so dass inzwischen dieser Treibstoff knapp wird. Der Verband hatte daher bereits deutlich gemacht, dass die Umstellung auf E10 wohl nicht in bisherigem Tempo weiter gehen könne. Aral hatte bereits erklärt, in Nordrhein-Westfalen E10 zunächst nicht einzuführen. Dies bedeute aber nicht, dass auch in anderen Landesteilen E10 gestoppt würde.

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