May 15, 2018 / 6:23 AM / 2 months ago

Deutsche Wirtschaft wird immer stärker ausgebremst

Berlin (Reuters) - Sinkende Exporte, schwächelnder Konsum und Sondereffekte wie die Grippewelle haben das Wachstum der deutschen Wirtschaft zu Jahresbeginn halbiert.

Employees of German car manufacturer Porsche assemble sports cars at the Porsche factory in Stuttgart-Zuffenhausen, Germany, January 26, 2018. REUTERS/Ralph Orlowski

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von Januar bis März nur noch um 0,3 Prozent zum Vorquartal zu - ein kleineres Plus gab es zuletzt vor drei Jahren. Dennoch erwarten weder Ökonomen noch Regierung ein baldiges Ende des Konjunkturbooms: Rekordbeschäftigung und Lohnzuwächse dürften den Konsum wieder anschieben, die gute Weltwirtschaft die Ausfuhren trotz des ungelösten Handelsstreits mit den USA stützen. “Insgesamt bleibt der Aufschwung der deutschen Wirtschaft intakt”, teilte das Bundeswirtschaftsministerium am Dienstag mit.

Das BIP legte bereits das 15. Quartal in Folge zu, wenn auch langsamer als von Ökonomen mit 0,4 Prozent vorhergesagt. “Das ist die längste Aufschwungphase seit 1991”, erklärte das Statistische Bundesamt. Ende 2017 hatte es allerdings noch zu einer Rate von 0,6 Prozent gereicht.

Dadurch weist die einstige Wachstumslok jetzt ein langsameres Tempo auf als die Euro-Zone, die im ersten Quartal auf 0,4 Prozent kam. “Die Boomphase scheint definitiv vorbei”, sagte Chefvolkswirt Uwe Burkert von der Landesbank LBBW. Spanien und Österreich mit jeweils 0,7 Prozent gehören nun zu den Zugpferden, während die nach Deutschland zweit- und drittgrößten Wirtschaftsmächte Frankreich und Italien ebenfalls auf 0,3 Prozent kamen.

Das deutsche Statistikamt verwies auch die Konsumausgaben des Staates, die erstmals seit knapp fünf Jahren rückläufig waren. Hier wirkte sich unter anderem die langwierige Regierungsbildung aus - größere Ausgaben lagen deswegen auf Eis. Auch der Außenhandel büßte an Dynamik ein. “Inwieweit hierzu eine mögliche Verunsicherung durch die seit Beginn des Jahres schärferen außen- und handelspolitischen Töne der Regierung der Vereinigten Staaten beitrug, ist derzeit noch schwer zu beurteilen”, ergänzte das Wirtschaftsministerium. Als gesichert gilt, dass Sondereffekte wie Streiks in der Metall- und Elektroindustrie, ungewohnt viele Arbeitsausfällen durch die Grippewelle und vergleichsweise viele Feiertage die Wirtschaft bremsten.

“DELLE ODER ABWÄRTSTREND?”

Dagegen legten die Investitionen kräftig zu: “Vor allem in Bauten, aber auch in Ausrüstungen wurde deutlich mehr investiert”, so die Statistiker. Experten gehen auch deshalb davon aus, dass Europas größte Volkswirtschaft im Frühjahr wieder eine Schippe drauflegt - schließlich investieren Unternehmen meist nur dann, wenn sie mit anhaltend guten oder sogar besseren Geschäften rechnen. “Der Jahresstart ist eine Enttäuschung, aber noch nicht der Anfang vom Ende des Aufschwungs”, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Martin Wansleben. “Auch wenn sich außenwirtschaftlich einiges ins Negative wendet, wollen die Unternehmen hierzulande investieren und weiter Beschäftigung aufbauen.”

Als Risiko neben dem Fachkräftemangel gilt vor allem ein möglicher Handelskrieg zwischen den USA und der EU, nachdem die Europäische Union immer noch nicht dauerhaft von US-Schutzzöllen auf Stahl und Aluminium ausgenommen wurde. “Die schlechte Nachricht hat einen Namen: Donald Trump”, sagte der Direktor des IMK-Instituts, Gustav Horn. “Geopolitische Unsicherheiten und auch die weiter schwebende Entscheidung über US-Importzölle trüben zumindest die Stimmung in der Wirtschaft weiterhin ein. Hält dieser Prozess an, werden die Sorgen um die Konjunktur wieder zunehmen.” Auf der anderen Seite profitiere die deutsche Wirtschaft aber nach wie vor davon, dass Rekordbeschäftigung und steigende Löhne die Binnennachfrage antreiben. “Deshalb ist der Aufschwung weitaus unempfindlicher gegen weltwirtschaftliche Verwerfungen als noch vor zehn Jahren”, sagte Horn.

Bank-Analysten schätzen dies ähnlich ein: “Delle oder Abwärtstrend, das ist hier die Frage. Delle lautet unsere Antwort”, sagte Andreas Scheuerle von der DekaBank. “Trotz politischen Störfeuers wie Zollandrohungen oder Sanktionen, sind die Rahmenbedingungen für die nähere Zukunft unverändert gut.” Die Bundesregierung rechnet in diesem Jahr trotz des relativ schwachen Starts mit dem kräftigsten Wachstum seit 2011. Demnach soll das Bruttoinlandsprodukt um 2,3 Prozent zunehmen.

Börsianer bewerteten die Aussichten für die deutsche Konjunktur im Mai zumindest nicht schlechter als zuvor. Das Barometer für ihre Erwartungen im kommenden halben Jahr verharrte im Mai bei minus 8,2 Punkten, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zu seiner monatlichen Umfrage unter 210 Analysten und Anlegern mitteilte.

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