May 11, 2020 / 10:01 AM / 18 days ago

Ökonomen-Umfrage - Deutsche Wirtschaft schrumpft vergleichsweise wenig

The skyline with its banking district is photographed with slow shutter speed while the camera was moved during sunset, as the spread of the coronavirus disease (COVID-19) continues in Frankfurt, Germany, April 28, 2020. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Berlin (Reuters) - Die Wirtschaft in Deutschland ist Experten zufolge im ersten Quartal viel weniger geschrumpft als die anderer großer Euro-Länder.

Das Bruttoinlandsprodukt dürfte von Januar bis März um 2,1 Prozent im Vergleich zum Vorquartal gefallen sein, geht aus einer am Montag veröffentlichten Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters unter Ökonomen von 34 Banken hervor. Das wäre zwar der stärkste Rückgang seit der Finanzkrise 2009, doch fällt er im Vergleich zu anderen Euro-Ländern gering aus: Frankreich als die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone stürzte um 5,8 Prozent ab, die Nummer drei Italien um 4,7 Prozent. Die Euro-Zone insgesamt brach nach der Schnellschätzung von Eurostat um 3,8 Prozent ein. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht am Freitag eine erste Schätzung für Deutschland.

“Der Rückgang am Jahresanfang dürfte vergleichsweise moderat ausfallen”, sagte der Deutschland-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Stefan Schneider, zur Reuters. “Vor Corona sah es so aus, als ob Deutschland sich konjunkturell deutlich erholt.” Im Januar und Februar zeigten viele Indikatoren eine deutliche Belebung an. Das hat sich mit den im März beschlossenen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus schlagartig verändert: Geschäfte, Hotels und Restaurants mussten schließen, Fabriken machten dicht, Veranstaltungen wurden abgesagt.

Die Folgen dürften vor allem im zweiten Quartal sichtbar werden. “Das Bruttoinlandsprodukt wird noch einmal um ein Vielfaches stärker fallen als in den ersten drei Monaten”, erwartet Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Er rechnet mit einem Minus von mehr als elf Prozent. Die Deutsche Bank sagt für April bis Juni sogar einen Einbruch um 14 Prozent zum Vorquartal voraus. “Der richtige Einschlag folgte erst im April”, sagte Schneider.

Zwar wurden die Beschränkungen inzwischen gelockert. Doch dürften sich viele Verbraucher beim Geldausgeben dennoch zurückhalten und der private Konsum als Konjunkturmotor vorerst ausfallen. So müssen die mittlerweile mehr als zehn Millionen Kurzarbeiter deutliche Lohneinbußen hinnehmen. “Es ist unwahrscheinlich, dass die Leute die Geschäfte stürmen”, sagte Schneider. Da auch die meisten anderen Länder in der Rezession steckten, dürften zudem Impulse vom Außenhandel für die exportabhängige deutsche Wirtschaft fehlen. Die Bundesregierung erwartet deshalb in diesem Jahr die schwerste Rezession der Nachkriegszeit: Das Bruttoinlandsprodukt soll um 6,3 Prozent einbrechen. Die Deutsche Bank ist da deutlich pessimistischer. “Wir rechnen mit einem Einbruch von neun Prozent”, sagte Deutschland-Chefvolkswirt Schneider. 2021 soll dem ein Wachstum von etwa vier Prozent folgen.

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